TAuf Mission in Hannover: Buxtehuder Wasserretter rüsten sich
Jan Blanke von der DLRG-Ortsgruppe Buxtehude prüft die Ausstattung in einem Gerätewagen „Strömungsretter“ des Katastrophenschutzes des Landes Niedersachsen - hergestellt bei Binz. Foto: Vasel
Die DLRG braucht neue Fahrzeuge. Auf der weltgrößten Blaulicht-Messe haben sich vier Wasserretter der Ortsgruppe umgeschaut. Das TAGEBLATT hat sie begleitet.
Hannover/Buxtehude. Tausende strömen an diesem Morgen auf das Messegelände in Hannover. Die Parkplätze sind voll. Lange Schlangen vor den Eingängen. Mittendrin vier Buxtehuder: Jan Blanke, Tobias Krenz, Timo Schnitter und Stefan Blanke.
Alte Fahrzeuge müssen ersetzt werden
Ihre Mission: Die DLRG-Ortsgruppe aus Buxtehude benötigt dringend neue Einsatzfahrzeuge. Die Gerätewagen für Wasserrettung (1991) und Tauchen (1989), selbst ausgebaut, sind in die Jahre gekommen. Auf der Interschutz-Messe wollen sie mit Herstellern ins Gespräch kommen.
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Es ist die Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Fast 140.000 Besucher aus 144 Ländern erwartet die Deutsche Messe AG in den sechs Tagen. 1800 Aussteller haben ihre Messestände auf 120.000 Quadratmetern aufgebaut - unter ihnen Hersteller wie Ziegler, Schlingmann, Rosenbauer, Ituri, Lentner oder Magirus. Namen, die auch Feuerwehr-Quartett-Spielern geläufig sind.

Zu teuer und zu schwer: Der Taucherwagen der Berufsfeuerwehr Lübeck kostet 480.000 Euro, Berufsfeuerwehrmann Hermann Schneider erklärt den Ituri-Ausbau. Foto: Vasel
Überall leuchten und blinken Blaulichter. Flammen schießen in die Höhe. Unter Atemschutz rücken Feuerwehrwehrleute vor. In einem Hochwassersimulator des Landes Niedersachsen versucht ein Besucher, die Tür zu einem Keller zu öffnen. Vergeblich.
Währenddessen steigt das Wasser in dem Container unaufhörlich. Doch die großen Messestände - verteilt auf 17 Fußballfelder - lassen die vier links liegen. Sie haben viel vor an diesem Tag. Vier Hersteller stehen fest auf dem Programm.

Strömungsretter im Einsatz auf dem DLRG-Stand, zu sehen ist das Buxtehuder Boot. Foto: Vasel
Zuerst steuern sie die DLRG an. Auf dem Messestand steht ein Gerätewagen „Wasserrettung/Taucher“. Kostenpunkt: rund 250.000 Euro. Das Land Niedersachsen hat für den Katastrophenschutz zehn dieser Fahrzeuge bei Binz geordert. Der Sonderfahrzeughersteller aus Ilmenau liefert jedes Jahr mehr als 1500 Fahrzeuge aus - für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst.
Buxtehuder profitieren nicht vom Landesprogramm
Die Elbe-Hochwasser, die Katastrophe im Ahrtal von 2021 und zuletzt das Weihnachtshochwasser 2023/2024 in Niedersachsen hätten gezeigt, wie wichtig „die schnelle Hilfe durch Strömungsretter und Taucher nicht nur bei der Wasserrettung, sondern auch bei extremen Hochwasserlagen“ sei, sagt der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Buxtehude Jan Blanke.

Hochwassersimulator bei der Interschutz Messe in Hannover. Foto: Vasel
Durch den Klimawandel werden der Starkregen und die damit verbundenen Hochwasser „eher noch zunehmen“. Das Land hat deshalb mit einem Runderlass 2022/2023 die Wasserrettung mit einem Sofort-Investitionsprogramm gestärkt. Ortsgruppen im Landkreis Stade profitieren von der Neubeschaffung durch das Land allerdings nicht.

Jan Blanke im Gespräch bei der Interschutz in Hannover. Foto: Vasel
„Wir müssen unsere Fahrzeuge selbst finanzieren“, erklärt Blanke. Gleichwohl gibt es ein festes Regelwerk des Landes Niedersachsen. 13 Seiten füllt die Stärke- und Ausstattungsnachweisung für ihr zukünftiges Fahrzeug - kurz und knapp KatS-StAN NDS 025/1. Ob Rettungswurfleine, Axt, Watstange, Wasserrettungshelme, Sauerstoffflasche, Sägen, Brechstange oder Spineboard, die Mindestausstattung ist akribisch festgelegt, um im Ernstfall in einer Wasserrettungsgruppe zum Einsatz kommen zu können.

Die DLRG-Ortsgruppe Buxtehude sucht neue Fahrzeuge für Strömungsretter und Taucher, hier ein Modell von Binz - beschafft vom Land Niedersachsen. Foto: Vasel
Bei Binz prüfen sie die Ausstattung: Die nassen Anzüge trocknen über einer Wanne, an der Decke ein weiterer Clou. „Rotlicht. Das erhält die Nachtsichtfähigkeit und schont die Augen“, ergänzt der Vorsitzende. Weiter geht es.
Rüsten für Kriege und Katastrophen
Auf dem Freigelände wartet Stephanie Krempin von Heinz Meyer Feuerwehrbedarf aus Rheden. Der kleine Stand geht fast unter. Denn nebenan präsentiert Validus Special Auto aus der Ukraine seine Produkte.
Der Hersteller produziert kriegserprobte Feuerwehr-, Rettungs- und Munitionsräumfahrzeuge, mit schusssicheren Kabinen und Karosserien. Während Blanke, Krenz und Schnitter ihre Ausstattungswünsche formulieren, dreht sich hinter ihnen im Wind eine Bombenattrappe.

DLRG-Wasserretter aus Stade und Buxtehude am Stand, im Hintergrund die kriegserprobten Ukrainer. Foto: Vasel
Krempin hört zu. Die Retter spielen mit offenen Karten. Erst in den Jahren 2028 bis 2030 könnten sie ordern. Das Fahrzeug solle inklusive Boot und Trailer weniger als 7,5 Tonnen auf die Waage bringen.

Jan Blanke (links) und Tobias Krenz von der DLRG-Ortsgruppe Buxtehude im Gespräch mit Stephanie Krempin von Heinz Meyer Feuerwehrbedarf aus Rheden. Foto: Vasel
„Wir wollen ein Fahrzeug, das ohne Lkw-Führerschein gefahren werden kann“, sagt der stellvertretende Technische Leiter Technik, Tobias Krenz. Sie haben die Sprinter-Klasse im Auge, mit ihrer Größe und ihrem Gewicht seien diese Fahrzeuge für schmale Deichüberfahrten, für die Wirtschaftswege in der Marsch, für Zuwegungen zu Regenrückhaltebecken und für die engen Straßen in Überschwemmungsgebieten geeignet. Das Allradfahrzeug soll über eine Wattiefe von 60 Zentimetern und sechs Sitzplätze verfügen. Das erste Angebot geht raus - nach der Messe.
Spendenkonto
Die DLRG-Ortsgruppe Buxtehude ist zur Finanzierung der Einsatzfahrzeuge auf Spenden und auf Zuschüsse angewiesen. Es gibt ein Spendenkonto bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude; IBAN: DE91207500000054320197; BIC: NOLADE21HAM.

So sieht der alte Gerätewagen Taucher der DLRG aus. Foto: Vasel
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