TAus für Brotstern: Buxtehuder Unternehmerin schließt ihre Bio-Bäckerei
Letzter Verkaufstag auf dem Buxtehuder Wochenmarkt: Martina Tamke nimmt Abschied von ihrer Bio-Bäckerei. Foto: Weselmann
Der Ofen ist aus. Am Wochenende verkaufte die Bremervörder Bio-Bäckerei Brotstern zum letzten Mal auf dem Buxtehuder Wochenmarkt. Das Betriebsende kam überraschend.
Buxtehude. Mit ihren Backwaren belieferte Martina Tamke etliche Bio- und Hofläden sowie Reformhäuser im Elbe-Weser-Dreieck und stand mit dem Verkaufswagen in Buxtehude auf dem Wochenmarkt. Nach 35 erfolgreichen Geschäftsjahren musste die Buxtehuder Unternehmerin nun aber einen Schlussstrich unter die Brotstern GmbH setzen. Ende August hat ihre Bio-Bäckerei den Betrieb eingestellt. Seit dem Wochenende bleiben die Öfen in der Bremervörder Backstube kalt.
Fachkräftemangel sorgt für das Aus von Brotstern
Auslöser für das unvorhergesehene Aus ist eine an sich frohe Kunde. Im April wird eine Bäckerin schwanger. Einerseits freut Martina Tamke sich unglaublich für ihre Mitarbeiterin, gleichzeitig stellt sie der Umstand vor ein echtes Problem. Denn von jetzt auf gleich darf ihre Fachkraft nicht mehr in der Backstube stehen - und Ersatz ist nicht zu finden.
Mit ihren 66 Jahren war Martina Tamke eigentlich dabei, ihre Arbeit im eigenen Betrieb langsam zurückzufahren. Stattdessen muss sie plötzlich wieder voll in die Produktion einsteigen - samt 60-Stunden-Woche auf der Uhr. „Die Arbeit in der Backstube haben wir nur noch zu dritt geschmissen. Da war ich echt am Limit“, erzählt die Inhaberin. Bei allem Stress zum Schluss, hat sie es auch genossen, noch einmal in der Backstube zu stehen. „Wenn ich das Brot aus dem Ofen geholt habe, musste ich immer denken, was für ein tolles Brot das doch ist.“
Der zugespitzte Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk kostet sie ihr berufliches Lebenswerk. „Bisher hatte ich immer Glück, aber damit war es jetzt vorbei“, sagt sie traurig um das Ende von Brotstern. „Da sind schon viele Tränen geflossen, schließlich habe ich die Bäckerei aus dem Nichts gegründet und aufgebaut.“
Buxtehuder Unternehmerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht
Martina Tamke ist auf einem Bauernhof in Farven aufgewachsen. So wie die gelernte Einzelhandelskauffrau einst zur Betreiberin einer Kultur-Kneipe wurde, fand sie zum Bäckerhandwerk. Erst backte sie ihr Brot einfach für den Bekanntenkreis und dann machte sie ihr Hobby zum Beruf. „Ich bin in vieles reingerutscht, habe aber auch in bestimmten Momenten entsprechende Entscheidungen getroffen“, sagt sie im Rückblick.
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So mietete Tamke sich an drei Tagen pro Woche in die Backstube einer Bremervörder Bäckerei ein und gründete 1991 die Brotstern GmbH. Es war die einzige Möglichkeit, einen Bäckermeister einzustellen. Denn zu diesem Zeitpunkt war sie selbst noch keine ausgebildete Bäckerin. Das holte sie erst später im eigenen Betrieb nach. Als der vermietende Bäckerbetrieb in Insolvenz ging, kaufte sie das Inventar und pachtete die Backstube.
Die Bäckerin setzte auf eigens vermahlenes Mehl
Gestartet mit sechs verschiedenen Broten, baute sie das Sortiment nach und nach aus. Zuletzt führte der zertifizierte Biobetrieb 20 verschiedene Brotsorten und dazu noch Kleinbackwaren. Das Angebot reichte von reinen Roggen- oder Dinkelbroten bis hin zu einem energiereichen Dauergebäck als Alternative zum herkömmlichen Müsliriegel.

Zuletzt führte der zertifizierte Biobetrieb 20 verschiedene Brotsorten und dazu noch Kleinbackwaren. Foto: Weselmann
Von Anfang an nutzte Martina Tamke Biogetreide, das sie von einem Bioland-Betrieb bezog und selbst zu Mehl vermahlte. Alle Teigrezepturen hat sie selbst kreiert. Wegen der Bekömmlichkeit setzte sie bei vielen Teigen auf Langzeitführung und backte ein Einkornbrot (aus Urkorngetreide) mit noch mehr Schalenanteil im Mehl und damit mehr Mineralstoffen. „Das waren alles richtige Handwerksbrote. Da sind wir unserer Linie immer treu geblieben“, erklärt die Bäckerin.
Für Kunden gibt es eine positive Aussicht
Jetzt wickelt Martina Tamke den Betrieb ab. Wenn sich noch jemand finden würde, der die Bäckerei weiterführt, wäre sie froh. Allein wegen des Investitionsstaus sieht sie wenig Chancen auf Übernahme. „Da müsste jemand erst mal 200.000 Euro in die Backstube investieren, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen“, sagt sie.

Der Buxtehuder Dr. Heinrich Heins hat sich am Wochenende noch mal ordentlich mit Brotstern-Waren eingedeckt. Foto: Weselmann
Aber für Kunden gibt es eine kleine Hoffnung. Vielleicht wird es die Brote weiterhin geben. Die Brotstern-Inhaberin ist im Gespräch mit einem bekannten Bio-Bäcker, der die Rezepturen möglicherweise übernimmt.
Die Inhaberin ist gerührt vom Lob der Kunden
Martina Tamkes besonderer Dank gilt ihrem engagierten Personal, das ihr Unternehmen in all den Jahren und auch durch die letzten anstrengenden Monate getragen hat: „Ohne mein tolles Team - von den Fahrern über die Reinigungskräfte und die Verkäufer auf den Märkten bis hin zu den Bäckern - hätte ich das gar nicht geschafft.“

Martina Tamke mit Mitarbeiterin Heike Kolster, mit 27 Jahren im Betrieb ein geschätztes Urgestein von Brotstern. Foto: Weselmann
Gerührt ist die Buxtehuderin von den Rückmeldungen der Kunden. „Es gab so viel Lob und Nachfragen“, erzählt sie. Manche hätten sich noch mit wahnsinnigen Bestellungen eingedeckt. „Diesen oft freundschaftlichen Kontakt werde ich echt vermissen.“ Die Hände in den Schoß legen will Martina Tamke aber nicht: „Ich bin viel zu gern mit Menschen zusammen.“
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