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Landwirtschaft

TAussterbende Rasse: Schäferin aus Ahlerstedt züchtet Walachenschafe

Mittlerweile hat Jana Ingerowski 89 Walachenschafe. Eine richtige kleine Herde, auf die die Ahlerstedterin stolz ist.

Mittlerweile hat Jana Ingerowski 89 Walachenschafe. Eine richtige kleine Herde, auf die die Ahlerstedterin stolz ist. Foto: Matthiesen

Walachenschafe sind eine aussterbende Art. In Ahlerstedt züchtet Jana Ingerowski diese besondere Rasse.

Von Ernst Matthiesen Sonntag, 05.04.2026, 09:50 Uhr

Ahlerstedt. Auf Bolkos Buernhoff ist mächtig was los, schließlich ist gerade Lammzeit. Überall hört man das helle Meckern der flauschigen Kleinen und die rauen Antwortrufe der zotteligen Mütter. Mitten in der Herde steht Jana Ingerowski und schaut nach ihren Schützlingen.

„Während der Lammzeit bin ich mehrmals am Tag im Stall, um nach dem Rechten zu sehen. Denn wenn etwas nicht stimmt, muss ich schnell handeln“, erklärt die 41-Jährige, die schon seit fast 16 Jahren Walachenschafe züchtet. Angefangen hat sie mit zwei Schafen und einem Lamm, mittlerweile hat sie 89 Tiere.

„Während meiner Lehrzeit habe ich mich in die Walachen verliebt. Sie sind schön und elegant – und jedes Tier sieht anders aus. Deshalb war für mich schon damals klar: Entweder die oder keine“, erklärt die Ahlerstedterin. Doch nach ihrer Landwirtschaftslehre studierte sie Agrarwissenschaften – und so dauerte es, bis Jana Ingerowski ihren Traum verwirklichen konnte.

Flaschen-Lämmer brauchen eine intensive Betreuung

Heute ist sie Nebenerwerbsschäferin, Mutter von zwei Kindern und Tagesmutter. Unterstützung erhält sie von ihrem Mann, der als Anwalt eigentlich nichts mit Landwirtschaft zu tun hat. „Aber vor allem in der Lammzeit ist das hier ein 24-Stunden-Job, deswegen unterstützt mich meine ganze Familie. Sonst wäre es für mich gar nicht möglich, alles zu schaffen“, meint die Powerfrau lachend.

Besonders die Flaschen-Lämmer müssen intensiv betreut werden. Sie hängen Jana Ingerowski ständig am Rockzipfel. „Die brauchen einfach eine individuelle Betreuung. Wie zum Beispiel Jaro, der viel zu früh geboren wurde. Den mussten wir sogar im Haus großziehen, sonst wäre er uns unter den Händen weggestorben“, erzählt sie.

Schon allein wegen des Genpools wird um jedes Tier gerungen, denn im Zuchtbuch stehen nur noch knapp 260 weibliche Schafe, die sogenannten Auen, sowie rund 40 Böcke, die bundesweit auf 16 Züchter verteilt sind.

Die Landwirtin ist auch Mitglied in der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“, kurz GEH. Regelmäßig trifft sie sich mit den anderen Walachenzüchtern, die immer wieder Tiere untereinander austauschen.

Erhaltungszucht bedeutet Nutzung der Rasse

„Meine vier Böcke sind ziemlich begehrt. Aber auch meine Aue mit schwarzem Fell ist eine Seltenheit“, erzählt die gebürtige Wolfsburgerin. Weiter kommt sie nicht, denn jetzt fordern die Flaschenkinder Jaro, Duda und Wuzki ihre ganze Aufmerksamkeit. Sie stupsen ihre Schafmutti immer wieder hartnäckig an und verlangen nach Nahrung.

„Mittlerweile brauchen sie nur noch dreimal am Tag ihre spezielle Lämmeraufzuchtmilch, in den ersten Wochen war das bis zu sechsmal täglich – und natürlich auch nachts“, erklärt Jana Ingerowski. Auf Bolkos Buernhoff gibt es aber trotz der 33 Lämmer kein frisches Lammfleisch zu Ostern.

Irgendwann wird es auch für die Walachen aus Ahlerstedt so weit sein. „Ich bin kein Gnadenhof, und es ist das Prinzip der Erhaltungszucht, die Rasse gerade durch Nutzung zu erhalten“, berichtet die Züchterin, die in ihrem kleinen Hofladen nicht nur Schaffleisch und -wurst anbietet, sondern auch Schaffelle und aus Wolle gefertigte Sitzkissen.

Doch auch, wenn ihre große Leidenschaft den Walachenschafen gilt, hat die 41-Jährige ein Herz für besondere Tiere: So gibt es auf dem Hof einige Mechelner Hühner sowie zwei kroatische Posavina-Pferde. Und wie kann es bei Jana Ingerowski anders sein: Auch diese beiden Haustierrassen sind vom Aussterben bedroht.

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