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Handball-Bundesliga

TBSV zeigt mentale Reife im Abstiegskampf - Lob von einer Legende

BSV-Torhüterin Annie Linder glänzte in Göppingen mit 15 Paraden.

BSV-Torhüterin Annie Linder glänzte in Göppingen mit 15 Paraden. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)

Zuletzt brach der BSV nach der Pause oft ein. In Göppingen hingegen blieb das Schlusslicht cool und holte einen Punkt. Was das über die Entwicklung der Mannschaft sagt.

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Von Tim Scholz
Montag, 02.02.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Als die Schlussphase anbrach, lag der BSV mit drei Toren zurück. „Kurz vor Ende sah es wieder so aus, als könnte es schwierig werden, dass es wieder nicht reicht“, sagte Trainer Nicolaj Andersson. Dass sich seine Mannschaft erneut nicht belohnen würde. „Aber das war diesmal nicht der Fall.“

Der BSV kämpfte sich zurück, gewann in der Abwehr wichtige Bälle und spielte die Angriffe mit Geduld und Übersicht. Oder wie Andersson es formulierte: „Wir waren am Ende cool genug. Vor drei oder vier Wochen wäre das nicht passiert.

Andersson: „Ich habe eine Entwicklung gesehen“

Am Ende stand ein 32:32 beim Tabellenachten in Göppingen, der erste Punktgewinn seit dem Remis im Hinspiel (34:34). In einer dramatischen Schlussphase war es Isa Ternede, die in letzter Sekunde erst einen Siebenmeter herausholte und diesen nach Ablauf der regulären Spielzeit selbst verwandelte. „Sie hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte Andersson.

Was für den BSV-Trainer jedoch über allem stand: „Ich habe eine Entwicklung gesehen. Wir waren mental abgeklärter.“ In den vergangenen Wochen lief es oft anders ab: Der BSV spielte stark, lag teilweise in Führung - und brach dann in der zweiten Halbzeit ein. „Einen Rückstand aufholen ist Kopfsache“, hatte Jolina Huhnstock nach der knappen Niederlage zuvor gegen Neckarsulm gesagt.

Huhnstock strahlt, Zeitz lobt

Am Samstagabend hingegen stand die Kreisläuferin freudestrahlend in der Göppinger EWS-Arena am Mikrofon und erklärte: „Ich bin unglaublich stolz, in so einem Team zu spielen. Es geht jetzt bergauf. Wir haben nicht aufgehört, zu kämpfen.“

Auch Handballlegende Christian Zeitz, Weltmeister von 2007 und Co-Kommentator der Partie, lobte den Auftritt der Buxtehuderinnen: „Buxtehude hat den Punkt verdient. Sie haben sehr gut und konzentriert gespielt“, sagte er bei sporteurope.tv.

Aggressiv in der Abwehr, schnell im Angriff

Zeitz sah einen weiterhin sieglosen Tabellenletzten, der in Göppingen seine Chance nutzte und sich weniger technische Fehler leistete als zuletzt. Der BSV stellte eine bewegliche und aggressive Abwehr, die Göppingen immer wieder zu Würfen von Außen zwang. Und dahinter stand Torhüterin Annie Linder, die genau diese Würfe immer wieder parierte und mit insgesamt 15 Paraden glänzte.

Im Angriff setzte der BSV auf schnelles Passspiel und setzte die Göppinger Abwehr so in Bewegung. Mit Erfolg: Die entstandenen Räume nutzte Kreisläuferin Huhnstock, die achtmal traf. Andersson lobte die Nationalspielerin für ihre Top-Leistung, betonte aber auch, dass es eine „kollektive Aufgabe“ gewesen sei, eine Kreisläuferin so in Szene zu setzen.

So lief die dramatische Schlussphase ab

Zudem gab ihre Kreispartnerin Carina Senel ihr Comeback im ersten Durchgang. 281 Tage nach ihrem Kreuzbandriss sammelte sie erstmals Spielminuten für den BSV und entlastete Huhnstock. „Es war richtig schön und total emotional, heute endlich wieder auf der Platte zu stehen“, sagte Senel. „Mega, dass wir es nach diesem Spielverlauf noch geschafft haben, uns mit dem Punkt zu belohnen.“

Carina Senel gab ihr Debüt im BSV-Trikot nach langer Verletzungspause.

Carina Senel gab ihr Debüt im BSV-Trikot nach langer Verletzungspause. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)

Nach der Pause brach der BSV nicht wie zuletzt ein, wirkte aber weniger souverän. Die Gäste scheiterten häufiger an Frisch-Auf-Torhüterin Celina Meißner (16 Paraden), der Plan mit der siebten Feldspielerin wurde schnell wieder verworfen. „Diesmal haben wir keine Angst gespürt“, sagte Andersson. „Wir haben weitergekämpft und uns belohnt.“

Konkret: Fünf Minuten vor Schluss lag der BSV mit 28:31 zurück. Die eingewechselte Oliwia Kaminska zeigte wichtige Paraden, Anika Hampel verkürzte anderthalb Minuten vor dem Ende auf einen Treffer.

Zeitz: „Man kann den Siebenmeter geben“

18 Sekunden vor der Schlusssirene nahm Andersson eine Auszeit und griff zur Taktiktafel. „Es ging darum, die linke Seite anzugreifen“, erklärte er später. Und so kam es: Der BSV spielte die Zeit herunter, bis Isa Ternede auf der linken Seite zum Durchbruch ansetzte und das entscheidende Foul zog - Siebenmeter.

Die Niederländerin trat selbst an, der Ball sprang vom Innenpfosten ins Tor, 32:32. „Buxtehude hat es gut ausgespielt, aber wir haben nicht gut verteidigt“, kommentierte Zeitz im Stream und räumte nach kurzem Abwägen zur Schiedsrichterentscheidung ein: „Man kann den Siebenmeter geben.“ Die Schiedsrichter wurden anschließend mit Security aus der Halle begleitet.

Am Mittwoch kommt Oldenburg

Für Ternede war diese Drucksituation jedoch nicht neu. Schon in der vergangenen Saison hatte sie nach der Schlusssirene in den Play-downs gegen Zwickau Verantwortung übernommen und den BSV von der Linie zum Sieg geworfen. Sie habe versucht, den Kopf auszuschalten, erklärte sie damals. „Ich wollte ihn einfach reinhauen.“

Bereits am Mittwoch empfängt der BSV den VfL Oldenburg in der Halle Nord. Andersson hofft, dass der Punkt weiteres Selbstvertrauen freisetzt. „Die Spielerinnen wissen jetzt, wie man ein Spiel dreht.“ Mental hat der BSV einen Schritt nach vorne gemacht.

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