TBSV zittert sich zum ersten Auswärtserfolg - Kaminska hält Sieg fest
Der BSV um Maj Nielsen bejubelt den zweiten Sieg in dieser Saison. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)
Erst sorgt die Beleuchtung in der Neckarsulmer Halle für Probleme, dann beglückt der BSV seine zwölf mitgereisten Fans mit einem 27:26-Erfolg.
Buxtehude. Mit mehr als 600 Kilometern ist die Strecke von Buxtehude nach Neckarsulm eine der weitesten Auswärtsfahrten der Liga. Um die Strapazen zu reduzieren und die Chance auf den ersten Auswärtssieg gegen die noch punktlose Sport-Union Neckarsulm zu erhöhen, reiste der BSV bereits einen Tag zuvor an. Doch hat es sich gelohnt?
T Isabelle Axmann beendet Handball-Ruhestand – Champions League lockt
Das Spiel begann, wurde aber in der ersten Spielminute gleich zweimal unterbrochen. Es gab Probleme mit der Hallenbeleuchtung - den Schiedsrichtern war es in der mit 958 Zuschauern gefüllten Ballei zu dunkel. Erst nach rund sieben Minuten bekamen die Verantwortlichen das Problem in den Griff.
Franz holt die Siebenmeter, Nielsen trifft
Dann ging es wirklich los. Auf Rückraum-Mitte begann diesmal Kapitänin Nele Franz anstelle von Anika Hampel - und sie bestimmte das Spiel in der Anfangsphase. Vor allem suchte die 26-Jährige die Zweikämpfe und holte in der ersten Halbzeit so vier Siebenmeter heraus. Maj Nielsen verwandelte die fälligen Strafwürfe sicher. „Nele ist als Führungspersönlichkeit vorangegangen und hat uns extrem geholfen“, sagte BSV-Trainer Jonas Schlender.

Zwölf Fans haben den BSV nach Neckarsulm begleitet. Foto: privat (nomo)
In der Abwehr agierte der BSV mutig mit einer sehr offensiven Deckung. Ruslana Litvinov nahm die Rückraumspielerin Sina Ehmann, vor der Trainer Schlender im Vorfeld explizit gewarnt hatte, in Manndeckung. Auch der Mittelblock rückte immer wieder weit heraus. Neckarsulm hatte damit in der Anfangsphase Probleme.
Umkämpfte Partie: Es geht hin und her
Auch Torhüterin Nikki van der Vorst unterstrich wie zuletzt gegen Thüringen und Leipzig ihre starke Form. In der ersten Halbzeit verbuchte die Niederländerin sieben Paraden, genauso wie ihr Gegenüber: Die Neckarsulmer Torhüterin Annie Linder, die in der vergangenen Saison noch beim BSV gespielt hatte, war ebenfalls entscheidend dafür, dass die Partie zunächst ausgeglichen blieb.
T Zwei Punkte, starke Nerven: Die Lichtblicke und Baustellen des neuen BSV
T Erster Sieg: BSV bezwingt Aufsteiger HC Leipzig - „Nicht alles perfekt“
Die Führung wechselte mehrfach. Mitte der ersten Halbzeit lag der BSV mit zwei Toren vorne (6:4, 13.). Dann nutzte Neckarsulm eine Schwächephase des BSV im Angriff, um das Spiel zu drehen (10:9, 22.). Es ging hin und her, der Ball wechselte rasch die Seite. Mit 12:13 lag der BSV zur Pause zurück. Auffällig war, dass die Gäste bis dahin keinen einzigen Treffer aus dem Rückraum erzielen konnten.
Kaminska übernimmt zwischen den Pfosten
BSV-Trainer Schlender nahm auch gegen Neckarsulm zahlreiche personelle und Systemwechsel vor. So ließ er in der ersten Halbzeit beispielsweise zeitweise mit zwei Kreisläuferinnen spielen. Nach der Pause kam Oliwia Kaminska für die bis dahin eigentlich sichere Nikki van der Vorst im Tor zum Einsatz. Doch auch Kaminska überzeugte gleich mit einigen Paraden. „Wir wollten mit dem Wechsel einen neuen Impuls setzen“, erklärte Schlender. „Oliwia hat es ebenfalls mit Bravour gemeistert.“
Der BSV blieb bei einer offensiven Abwehr und verhinderte damit immer wieder einfache Tore der Neckarsulmerinnen. Trainer Thomas Zeitz nahm genervt eine Auszeit und kritisierte: „Wir laufen kreuz und quer durcheinander und machen uns das Leben selbst schwer.“ Der BSV, angeführt von einer treffsicheren Christin Kaufmann (5 Tore), lag rund eine Viertelstunde vor Schluss mit 20:18 vorne.
Neckarsulm lässt sich nicht abschütteln
Nach dem Ausgleich zum 21:21 behielt der BSV die Ruhe, blieb defensiv stabil und kam nun auch durch Aida Mittag aus dem Rückraum zum Torerfolg. Fünf Minuten vor dem Ende führte der BSV mit 24:22, doch die Gastgeberinnen konnten nicht abgeschüttelt werden. Die Neckarsulmer Top-Werferinnen Antje Döll und Sina Ehmann stellten immer wieder den Anschluss her.
T Warum die BSV-Spielerinnen schon im Sommer Weihnachtsmützen tragen
Der BSV führte eineinhalb Minuten vor Schluss mit 27:25, musste aber noch zittern. Neckarsulm schaffte zwar noch den Anschlusstreffer, scheiterte aber mit dem letzten Wurf an Kaminska. Damit feierte der BSV vor zwölf mitgereisten Fans den ersten Auswärtssieg in dieser Saison.
Der BSV steht vorübergehend mit 4:2 Zählern auf dem vierten Tabellenplatz und hat bereits nach drei Spieltagen mehr Punkte auf dem Konto als in der gesamten Hinrunde der vergangenen Saison. Damals ging der BSV mit nur zwei Zählern in die Winterpause.
Nächstes Duell in drei Wochen
Schlender lächelte zufrieden nach dem Spiel und lobte die kämpferische Einstellung seiner Mannschaft: „Meine 16 Spielerinnen haben sich unfassbar reingeworfen, jeden Ballgewinn bejubelt und jede Aktion positiv gefeiert.“ Besonders gefallen habe ihm die Kampfbereitschaft in der Abwehr, und dass sich seine Mannschaft weitestgehend an den Matchplan gehalten habe.
Sein Neckarsulmer Kollege Thomas Zeitz: „Gegenüber Buxte haben uns heute ein paar Prozent gefehlt - leider.“
T „Was bin ich noch?“: Wie Nele Franz an Rückschlägen wuchs
T Weltmeisterin Litvinov: „BSV-Fans werden Freude an ihr haben“
Damit bestand der BSV die Generalprobe für das nächste Duell mit Neckarsulm in drei Wochen. Am 3. Oktober treffen beide Teams im Achtelfinale des DHB-Pokals aufeinander, dann in Buxtehude. Was nimmt der BSV mit?
Für Schlender stand das Pokalspiel noch nicht im Vordergrund. „Wir werden diesen Sieg erstmal gebührend würdigen. Zwei Punke in Neckarsulm sind absolute Big Points“, sagte ein überaus stolzer BSV-Trainer.
Update 20.50 Uhr: Aussagen von BSV-Trainer Jonas Schlender ergänzt.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.