TBärbel Bas in Buxtehude: Zwischen Bürgergesprächen und Fußballleidenschaft
Mittendrin: Bärbel Bas stellte sich in Buxtehude eineinhalb Stunden den Fragen der Bürger. Neben ihr, im roten SPD-T-Shirt, steht der Ortsvereinsvorsitzende Christian Krüger. Foto: Wisser
Bärbel Bas, SPD-Bundesministerin für Arbeit und Soziales, zeigte sich in Buxtehude nahbar und engagiert im Dialog mit den Bürgern – von Rentenfragen bis zur Gesundheitsreform.
Buxtehude. Mit Menschen kann Bärbel Bas (58). Die SPD-Bundesministerin für Arbeit und Soziales suchte in der Altstadt von Buxtehude eineinhalb Stunden lang das Gespräch mit den Bürgern. Sie hörte zu, antwortete, notierte offene Fragen und verabredete Termine. „Das mag ich. Der direkte Umgang mit den Menschen ist etwas Tolles“, sagte Bas dem TAGEBLATT.
Politischer Nahkampf liegt der Bundestagsabgeordneten aus Duisburg in Nordrhein-Westfalen. „Die Menschen haben Gesprächsbedarf“, sagte sie. Nahbar, angstfrei – im direkten Gespräch punktete Bas in Buxtehude. „Die Kommunalpolitik ist die Basis der Politik“, sagte sie.
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Wie groß der Redebedarf vieler Bürger ist, zeigte sich daran, dass Bärbel Bas allein 45 Minuten brauchte, um die kurze Strecke zwischen dem Petri-Platz und dem Wahlkampfstand der SPD in der Langen Straße zurückzulegen. Immer wieder hielten sie Menschen auf, immer wieder Fragen. Rente, Gesundheitsversorgung, Obstbau – und der MSV Duisburg.
Ein Duisburg-Fan kommt extra aus Cadenberge
Bas ist bekennender Fan des Traditionsvereins aus dem Ruhrpott. Sie war selbst Fußballerin und schaut die Spiele des derzeitigen Drittligisten regelmäßig, wenn es ihr Zeitplan zulässt. Diese Liebe zum Meidricher SV Duisburg teilt sie mit Arno Greve. Der Fußballfan hatte mit Bas über die gemeinsame Leidenschaft MSV schriftlich ausgetauscht. Um einmal persönlich mit ihr zu sprechen, kam er extra aus Cadenberge. Für ein Selfie und ein paar Sätze zum aktuellen Spieltag reichte die Zeit.

Zwei leidenschaftliche MSV-Duisburg-Fans: Arno Grewe, der extra nach Buxtehude gereist war, und Bärbel Bas. Foto: Wisser
Auch Max Plötzke war eigens nach Buxtehude gekommen, um das drängende Problem der ärztlichen Versorgung, vor allem in ländlichen Regionen, mit der Ministerin zu besprechen. Plötzke hat gerade eine Hausarztpraxis in Ahlerstedt eröffnet.
Er fürchtet – wie viele seiner Kollegen – durch die Gesundheitsreform der Bundesregierung um die Versorgung der Menschen und die Zukunft der Hausarztpraxen. „Wenn die Gesundheitsreform am 1. Januar kommt, werde ich zehn bis 15 Prozent der Menschen auf eigene Kosten behandeln müssen“, sagte Plötzke. Mit der Reform bekommen die Hausärzte wieder einen Ausgabendeckel.
Meldete sich das Kanzleramt am Wochenende?
Das sogenannte Budget für Hausärzte war erst vor zwei Jahren abgeschafft worden – nun kommt es zurück. „Das ist erst einmal ein Kostendämpfungsgesetz, die richtige Reform kommt erst noch“, antwortete Bas und bat um Geduld.
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Bas forderte zuletzt auch die Union zu Gesprächen über einen Verzicht auf die umstrittene Neuregelung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag auf. Bei dieser Forderung hat sie Plötzke im Boot. „Dafür bekomme ich am Wochenende bestimmt noch einen Anruf aus dem Kanzleramt“, vermutete Bas mit einem Schmunzeln.

Obstbauer Claus Schliecker überreicht Bärbel Bas einen Obstkorb und möchte über Probleme der Branche mit der Minijob-Reform reden. Foto: Wisser
Vorschlag: Niedrige Renten stärker erhöhen
Obstbauer Claus Schliecker nutzte die Gelegenheit ebenfalls, um die Sorgen seiner Berufsgruppe zu schildern. Der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obstbau überreichte Bas einen Obstkorb und bat sie um ein Gespräch in Berlin. Sein Thema: das drohende Aus für Minijobs in der Landwirtschaft durch die Rentenreform.
Zwei Gesprächspartner forderten außerdem, Renten nicht mehr für alle proportional zu erhöhen, sondern - ähnlich wie bei Tariferhöhungen - niedrige Renten stärker anzuheben. Die Bundesministerin nannt das mit Interesse zur Kenntnis.
Bas gestand in den Gesprächen auch Probleme in der Kommunikation der SPD und der Bundesregierung ein. „Wir müssen als Partei unsere Position vor einem Kompromiss besser erklären. Nur so können die Leute sehen, was wir erreicht haben“, sagte Bas in Buxtehude. Und: „Wenn wir wollen, dass die Leute mitziehen, müssen wir ihnen erklären, wo sie hinwollen“, sagte Bas.
Wahlkampf: CDU hatte einen Stargast am Start
Zu Bas kamen so viele Leute, dass es am Ende knapp wurde, ein Foto vor dem SPD-Infostand in der Altstadt zu machen. Um 12.30 Uhr stieg sie wieder in ihren Wagen und trat den Rückweg nach Berlin an. Zwei Tage Wahlkampf in Niedersachsen lagen da hinter ihr, zuvor war schon in Hannover und Vechta.
Übrigens: Der MSV Duisburg spielte ab 14 Uhr gegen die Würzburger Kickers. Der Tag blieb gut aus Sicht von Bas. Der MSV gewann das Spiel mit 3:0.
Vielleicht kommt Bas bald wieder nach Buxtehude. Bürgermeisterkandidat Ralf Dessel (parteilos) lud sie für den Fall ein, dass er die Wahl gewinnt. Dessel wird von CDU, SPD und FDP unterstützt.

Bürgermeisterkandidat (parteilos) Ralf Dessel hat Bärbel Bas erneut nach Buxtehude eingeladen, für den Fall, dass er die Wahl gewinnt. Foto: Wisser
Bärbel Bas unterstützte die SPD in Buxtehude im Kommunalwahlkampf. In gut zwei Wochen, am 13. September, wird gewählt. Das war in der Innenstadt sichtbar.
Alle im Rat vertretenen Parteien hatten ihre Wahlkampfstände in der Altstadt aufgebaut und warben um Stimmen. Auch Mareike Wolf, CDU-Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hatte einen Termin mit dem Stadtjugendring und stellte sich hinterher an den Wahlkampfstand der CDU.

Gemeinsamer Wahlkampf: Die CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Butter und Melanie Reinecke (rechts) im Gespräch mit der Staatssekretärin Mareike Wolf (Mitte). Foto: Wisser
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