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Verkehrssicherheit

TBaumfällungen: Sägen sichert den Schiffsverkehr im Horneburger Hafen

Baumfällungen an der Lühe: Die Außenstelle Stade des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe-Nordsee sichert den Hafenbetrieb in Horneburg.

Baumfällungen an der Lühe: Die Außenstelle Stade des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe-Nordsee sichert den Hafenbetrieb in Horneburg. Foto: Vasel

Die Horneburger setzen auf den Wassertourismus. Damit Schiffsführer, Ausflügler und Wanderpaddler nicht zu Schaden kommen, fällt der Bund jetzt Bäume an der Lühe.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 08.04.2026, 12:44 Uhr

Horneburg. Im Horneburger Hafen werden in diesen Tagen mehrere Eschen im Uferbereich der Lühe gefällt. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee ist mit einem Arbeitsschiff vor Ort. Vor Ort hat Forstwirt Benjamin Schröder vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen die Baumpfleger im Blick. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Stade habe eine Ausnahmegenehmigung erteilt. „Die Maßnahme dient der Verkehrssicherheit“, betont Schröder.

Wurzeln unterspült – Eschen drohen, in Lühe zu stürzen

Deshalb greife in diesem Fall eine Sonderregelung des Bundesnaturschutzgesetzes. Eigentlich gilt seit 2010 bundesweit ein Fäll- und Schnittverbot in der Baum- und Gehölzpflege in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September. Die drei Eschen auf der Neuenkirchener Seite drohten in den Fluss zu stürzen. Die Wurzelbereiche waren unterspült, erklärt der Forst- und Landwirt.

Baumpfleger fällen die nicht mehr standfesten Eschen an der Lühe.

Baumpfleger fällen die nicht mehr standfesten Eschen an der Lühe. Foto: Vasel

Die WSA-Außenstelle Stade will damit auch den Schiffsverkehr auf der Lühe sichern. Schließlich ist Horneburg der Heimathafen der Elli. Die Barkasse des Fördervereins Lühe-Aue fährt regelmäßig auf den beiden Bundeswasserstraßen Lühe und Elbe.

Die WSA-Außenstelle Stade ist für fast 80 Stromkilometer verantwortlich, vom Freiburger Hafenpriel über Wischhafener Süderelbe und Ruthenstrom und Bützflether Süderelbe bis zu Schwinge, Lühe und Este.

Alle Bäume an der Lühe digitalisiert

Die Wasserbauer haben - unterstützt vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen - auch die Bäume an den Bundeswasserstraßen im Blick. Der Grund: Es soll verhindert werden, dass Bäume oder Äste in den Fluss fallen oder hängen und dadurch Schifffahrt oder Wasserabfluss beeinträchtigen.

Bei Hochwasser - sprich nach einer Starkregenflut - könnten Bäume die Aue/Lühe aufstauen. Schiffe und Anleger könnten beschädigt, im schlimmsten Fall sogar Freizeitskipper und Ausflügler auf der Elli oder Wanderpaddler schwer verletzt werden.

Deshalb hat das Amt ein digitales Baumkataster angelegt. Im Zuge einer Befahrung mit einem Arbeitsschiff waren mit der Hilfe einer 360-Grad-Panoramakamera an Schwinge, Lühe und Este alle Bäume fotografiert und in der Vermessungsabteilung in eine digitale Karte eingefügt worden. Die notwendigen Pflegearbeiten erfolgen für die Zeit zwischen Oktober und Februar und werden in die Datenbank eingetragen.

Allein 430 Bäume hat Forstwirt Benjamin Schröder an der Lühe im Blick, mehr als 30 Bäume seien 2025/2026 im Winter zwischen Horneburg und Grünendeich/Jork-Lühe gefällt worden. Die Arbeiten seien eine Herausforderung, schließlich sei das Tide-Fenster in Horneburg sehr eng. „Knapp drei Stunden können wir arbeiten“, erklärt Schröder. Weiden werden als Ersatz gepflanzt.

Horneburger setzen auf Wassertourismus

Nach den Fällarbeiten werde der Anleger von der DLRG Horneburg/Altes Land wieder mit dem Kran der Wasserretter in die Lühe gelegt, sagt der Vorsitzende Rainer Bohmbach.

Darauf baut auch Volker Weinhard. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Lühe-Aue. Ab Mai soll die Barkasse Elli wieder regelmäßig in Horneburg an- und ablegen. Weinhard hofft, dass der Bund nach Baumpflegearbeiten auch die Ausbaggerung in Angriff nimmt. Mit Hilfe der Schiffsschraube „gräbt“ sich die Elli jedes Jahr eine kleine Fahrrinne.

Blick auf den Horneburger Hafen und die Barkasse Elli, die an der Spundmauer auf der Neuenkirchener Seite festgemacht hat.

Blick auf den Horneburger Hafen und die Barkasse Elli, die an der Spundmauer auf der Neuenkirchener Seite festgemacht hat. Foto: Vasel

Doch vor allem in den Kurven verschlicke die Lühe weiter. Die Kapitäne der Elli müssen den Wasserstand immer im Blick haben. Die ehemalige Hafenbarkasse ist 22 Tonnen schwer und hat einen Tiefgang von 1,18 Metern. Ein vom Hochwasserschutzverband Aue/Lühe in Auftrag gegebenes Gutachten hatte aufgezeigt, dass der Fluss ohnehin tiefergelegt werden müsse, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten.

Der Verein pflegt das maritime Erbe. Elli wurde gerade erst auf der Flint-Werft in Hamburg überholt, im nächsten Jahr muss eine Schraube finanziert werden. Kosten: 9000 Euro. Für den Verein ist die Schiffbarkeit eine existenzielle Frage, die Spenden aus den Elli-Touren sichern den Unterhalt. Auch der Flecken setzt auf Wassertourismus. Das Hafenkontor erhielt Sanitäranlagen, aktuell entsteht ein Wohnmobilstellplatz.

Bis in die 1970er Jahre gab es noch eine Deichbaufirma mit Betriebshafen. Vor 100 Jahren herrschte reges Treiben im Hafen.1923, als die Elli vom Stapel lief, gab es im Hafen noch das Dampfsägewerk Löhden, Fracht- und Passagierschiffe liefen den Flecken an. Findlinge, Ziegel und Holz wurden umgeschlagen.

Schiffer und Fahrgäste kehrten in den Gaststätten Felsenkeller oder Altländer Fährhaus gegenüber dem denkmalgeschützten Pegel- und dem heutigen Vereinshaus, ein. Der Felsenkeller-Wirt warb mit der Blüte im Alten Land und den Bullenbruchweiden.

In vier bis fünf Stunden waren die Frachtmotorschiffer in Hamburg. Bis zu 70 Tonnen konnten die Schiffe laden. Bereits 1910/1911 hatten Altländer und Horneburger die Befürchtung, dass die Lühe durch die Elberegulierung verflacht.

Die Lühe war über Jahrhunderte eine wichtige Wirtschaftsader, erst 1835 wurde am Ende des Marschdamms die Hohe Brücke gebaut, eine Straße längs des Lühe-Deiches ermöglichte seitdem den Warentransport ohne Schiff.

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