TBahnhofstraße Buxtehude: Streit um Busse und überraschende Wende
In der Bahnhofstraße sind täglich 4000 bis 5000 Autos und 2000 Radfahrer unterwegs. Foto: Wisser
Die geplante Einbahnstraßenregelung sorgt für heftige Diskussionen: Neue Erkenntnisse zeigen, dass 75 Prozent des Busverkehrs wegfallen würden. Wovor Experten warnen.
Buxtehude. Die Debatte um den Umbau der Bahnhofstraße in Buxtehude für Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter hat eine überraschende Wende genommen. Seit fast einem Jahr diskutiert die Stadt über einen Verkehrsversuch für die zentrale Einkaufs-, Banken- und Ärztemeile.
Der einjährige Verkehrsversuch sieht vor, die Bahnhofstraße zur Einbahnstraße für motorisierten Verkehr, einschließlich Linienbussen, zu machen und die Höchstgeschwindigkeit auf 20 km/h zu senken. Die Einfahrt soll nur noch aus Richtung Bahnhof möglich sein.
Radfahrer und E-Scooter-Fahrer sollen von den Bürgersteigen auf die Straße wechseln und in beide Richtungen fahren dürfen. Die Stadt hat jedoch kein Geld für bauliche Veränderungen, der Versuch soll 220.000 Euro kosten.
Bahnhofstraße: Fachleute zerlegen Busplanung
In einer gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses und des Ausschusses für Sicherheit, Ordnung und Feuerschutz wurden neue Informationen bekannt. Erstmals wurden die KVG als Busbetreiber und die Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen (VNO) als Fahrplanspezialist in den Verkehrsversuch eingebunden. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Die meisten Radfahrer in der Bahnhofstraße nutzen die Radwege und nicht die Straße. Foto: Wisser
Der im September einstimmig verabschiedete Vorschlag würde 75 Prozent des Busverkehrs aus der Bahnhofstraße verbannen. Bürger im Buxtehuder Norden, in Jork, Estebrügge, Dammhausen, Eilendorf und Moisburg hätten keine direkte Busverbindung zur Bahnhofstraße mehr.
Nur noch 45 Busfahrten durch die Bahnhofstraße
Das Fahrtenangebot in der Bahnhofstraße würde sich von derzeit 89 Stadtbus- und 78 Regionalverkehrsfahrten auf 45 Fahrten reduzieren. Fahrgäste aus dem Norden müssten zum ZOB fahren und dort mit Zeitverlust in eine Linie nach Süden umsteigen.
Verkehrsversuch
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Die Haltestelle Bahnhof Nord an der Post, die eine direkte Sichtbeziehung zum Bahnhof bietet und mit einem digitalen Fahrgast-Informationssystem ausgestattet ist, könnte nicht mehr genutzt werden. Dies wäre besonders bedauerlich, da sie Pendlern einen barrierearmen Zugang zum Bahnsteig bietet.
Verkehrsplaner warnt vor Umsetzung
Die Experten für die Buslinien nannten weitere Nachteile. Die Haltestellen auf der Nord- und Südseite des Bahnhofs müssten zusätzlichen Verkehr aufnehmen, sind aber bereits am Limit.
Angesichts der neuen Erkenntnisse warnten Stadtplanerin Annette Mojik-Schneede und Verkehrsplaner Johannes Kleber vor der Umsetzung der aktuellen Pläne. Sie sprachen sich dafür aus, die Busse weiterhin in beide Richtungen fahren zu lassen.
Die Verwaltung versprach, den Versuch in der Bahnhofstraße genau zu überwachen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob sich der aus der Bahnhofstraße verdrängte Verkehr einen Weg durch die benachbarten Wohnstraßen sucht.
Busfahrer haben keine Angst vor dem Fahrrad
„Die Busfahrer können mit Radfahrern auf der Straße umgehen. Darauf sind sie trainiert“, sagte Christian Albrecht, Betriebsleiter der KVG in Buxtehude.

Busse dürfen weiter Richtung Bahnhof fahren, Autos nicht. Foto: Wisser
Eine Mehrheit der Politik nahm die Bedenken ernst und stimmte der Planänderung zu. „Wir haben da sehr viel Zeit reingesteckt“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Nick Freudenthal. „Wenn wir warten, bis wir wieder Geld für große Umbauten haben, sind wir bei 2038.“
Grüne und Linke äußerten Bedenken, stimmten aber wie die SPD zu. „Verkehrsteilnehmer sind keine Versuchskaninchen“, sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende Benjamin Koch-Böhnke. „Wir reden seit 2013 über das Thema“, stellte der Grünen-Ratsherr Ulrich Felgentreu fest.
CDU und FDP kritisieren Stadtverwaltung
Widerstand kommt von der CDU und der FDP. Sie wollen die Entscheidung vertagen und die KVG auffordern, neue Vorschläge zu unterbreiten. Die FDP möchte diskutieren, ob die Einbahnstraßenregelung in die andere Richtung umgesetzt werden soll.
„Wir haben wieder fünf Monate verloren“, sagte CDU-Ratsfrau Birgit Gütersloh. „Wir dürfen hier keinen Murks machen. Ich kann das heute nicht entscheiden“, sagte CDU-Ratsfrau und Hedendorfs Bürgermeisterin Birgit Butter.
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Die CDU-Fraktion hatte schon im September die Mitwirkung der KVG gefordert. „Ich kann die Kritik verstehen. Das ist normalerweise nicht unser Anspruch“, sagte Buxtehudes Stadtbaurätin Michaela Springhorn selbstkritisch dem TAGEBLATT.
Die Auswirkungen der Einbahnstraßenregelung habe aber alle verblüfft. Die Stadt hat im vergangenen Jahr eine umfangreiche Bürgerbeteiligung durchgeführt. Startpunkt des Verkehrsversuchs soll das dritte Quartal 2026 sein.

Der Zahl der E-Scooter-Fahrer steigt auch in der Bahnhofstraße an. Foto: Wisser
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