TBauen und Brauen: So findet ein Bliedersdorfer Verein neue Engagierte
Prost! Rainer Kröger und Jens Wilke stoßen beim Richtfest auf die Durchfahrtsscheune an. Foto: Buchmann
Die Kulturhüter des Bäuerlichen Hauswesens haben Grund zum Feiern: Die historische Scheune steht, ab Herbst soll hier auch Bier gebraut werden. Über einen Ort, an dem Menschen zusammenfinden.
Bliedersdorf. Noch steht der Rohbau der Durchfahrtsscheune im Metallkorsett da. Doch schon bald wollen die Ehrenamtlichen des Bäuerlichen Hauswesens das fast 200 Jahre alte Haus mit Leben füllen.
„Ich glaube, wir alle haben heute genügend Anlass, auf das bisher Erreichte stolz zu schauen“, ruft Rainer Kröger vom Baugerüst den Besuchern des Richtfestes zu.
T Es begann mit einem Backhaus: Bliedersdorf feiert sein „Dorf im Dorf“
Der Bliedersdorfer Verein hatte sich zum 25-jährigen Jubiläum mit der Durchfahrtsscheune selbst ein großes Geschenk gemacht. Auf 1680 Quadratmetern findet das historische Gebäude Platz, das zuvor in Winkelsett im Landkreis Oldenburg gestanden hat und aufwendig nach Bliedersdorf transloziert wurde.
Ein hopfiger Vorgeschmack
Neben lokalen Vertretern aus Politik und Gesellschaft gratulierte auch die stellvertretende Landrätin Birgit Butter den Kulturhütern. „So bleibt ein Stück deutscher Baugeschichte erhalten“, sagt Butter. In der Scheune plant der Verein zudem eine nicht kommerzielle Klein-Brauerei unterzubringen.

Rainer Kröger neben der stellvertretenden Landrätin Birgit Butter auf dem Baugerüst. Foto: Buchmann
Ein Holzfass voll bernsteinfarbenem Hopfentrunk gab den Besuchern einen ersten Vorgeschmack. „Ich als gebürtige Warsteinerin bin der Idee einer eigenen Brauanlage sehr verbunden“, legt Birgit Butter augenzwinkernd nach.
Das Ehrenamt hat das Gebäude geschaffen.
Jens Wilke, 2. Vorsitzender Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf
In den nächsten Wochen soll die Durchfahrtsscheune fertiggestellt werden. „Bis zum 15. Oktober muss es fertig sein“, sagt Vorstandsmitglied Jens Wilke. Knapp 160.000 Euro fließen in das historische Gebäude. Der Verein muss ein Viertel der Kosten selbst tragen, den Rest können die Bliedersdorfer über Fördermittel und Sponsoren decken. „Das Ehrenamt hat das Gebäude geschaffen“, betont Wilke.

Ein Blick ins Innere des Fachwerkbaus. Foto: Buchmann
Für Geschichtsinteressierte hat das Museumsdorf inzwischen einen besonderen Stellenwert eingenommen. „Die Leute schauen oft nach Vitrinen, dabei sind die Gebäude die Ausstellungsstücke“, sagt Wilke.
Projekte sollen Verein lebendig halten
Durch Projekte wie die Scheune oder die Hobby-Brauerei will der Verein zudem seine eigene Zukunft sichern. Der Verein ist über die Jahrzehnte kräftig gewachsen, etwa 280 Mitglieder unterstützen inzwischen das Museumsdorf an der Dohrenstraße. Engagierte seien jederzeit herzlich willkommen, betont Wilke. Insbesondere aus der Nachbarschaft seien einige Neue zum Verein dazugestoßen.

Familie Eggers wohnt direkt neben dem Museumsdorf. Foto: Buchmann
Familie Eggers zählt zu diesen Neuen. Birte und Jan Rudolf Eggers wohnen seit acht Jahren in Bliedersdorf, direkt angrenzend an das Museumsdorf. Bald steht ein Umzug mit den drei Kindern an - in einen Neubau in der Dohrenstraße, direkt neben der Durchfahrtsscheune. Auch die Schwiegermutter soll dazuziehen, „ein echtes Mehrgenerationenhaus“, sagt Birte Eggers.
Dorfleben für Familien mit Kindern interessant
„Wir finden es gut, was der Verein hier macht“, sagt Jan Rudolf Eggers. Die Familie habe sich direkt gut mit den Ehrenamtlichen verstanden, die Kinder kommen regelmäßig im Museumsdorf zu Besuch. „Die Kinder finden es total interessant, wenn hier der Rasen gemäht wird“, sagt Birte Eggers. Mit einem Walkie Talkie ausgestattet, dürfen die Kinder dann beim Mähen dabei sein. Wenn Feste anstehen, packen die Eggers ebenfalls mit an. Jeder Besuch beim Hauswesen sei „wie ein Kurzurlaub“.
Sich in solch einem Verein zu engagieren, habe für die junge Familie einen besonderen Vorteil. „Es ist ein guter Weg, in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. Besonders für unsere Kinder, die hier einfach mal Kind sein dürfen.“
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