Zähl Pixel
Abschied

TBuxtehudes Behindertenbeauftragter macht Schluss: Das ist sein bitteres Fazit

Ein Fall aus der Praxis: Bahnreisende Ursula Leptien steht mit Rollator und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Buxtehude, Jens Nübel, vor dem Aufzug an Gleis 1 am Bahnhof Buxtehude. Der Fahrstuhl funktionierte damals nicht.

Ein Fall aus der Praxis: Bahnreisende Ursula Leptien steht mit Rollator und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Buxtehude, Jens Nübel, vor dem Aufzug an Gleis 1 am Bahnhof Buxtehude. Der Fahrstuhl funktionierte damals nicht. Foto: Sulzyc

Buxtehudes Behindertenbeauftragter Jens Nübel geht nach vier Jahren. Was er erreicht hat - und wo die Teilhabe Behinderter auf Barrieren stößt.

author
Von Thomas Sulzyc
Donnerstag, 29.01.2026, 12:05 Uhr

Buxtehude. Vier Jahre lang war Jens Nübel der Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Buxtehude. Zum Ende seiner Amtszeit am Sonnabend, 31. Januar, scheidet der 59-Jährige freiwillig aus dem Ehrenamt aus.

Eine erneute Kandidatur hatte er bereits im vergangenen Sommer ausgeschlossen. Desinteresse an der Beteiligung des Beauftragten und an den Menschen mit Behinderung wirft Jens Nübel Teilen der Verwaltung und Politik vor.

Ein Beispiel sei die Halle Nord, ein für den Bundesliga-Handball geeigneter Neubau. Zwar sei die Sporthalle mit dem Gold-Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. Für Menschen mit Behinderung aber hat Jens Nübel einige Versäumnisse ausgemacht.

Ein taktiles Bodenleitsystem, das Sehbehinderten die Orientierung ermöglicht, fehle. Der Behindertenbeauftragte hätte es gerne vorgeschlagen - nur gefragt worden sei er nicht. Schwierigkeiten hätten Rollstuhlfahrer beim Zugang zu den Umkleidekabinen.

In der Planung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts und beim Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße sei der ehrenamtliche Beauftragte für Menschen mit Behinderung auch nicht beteiligt worden. Dabei ist Jens Nübel ein Fachmann: Hauptberuflich arbeitet er als Schwerbehindertenvertreter in einem großen Konzern.

Erfolge gab es aber auch: Inklusionstage hat Jens Nübel in den Jahren 2022 bis 2024 initiiert. Damit erhielten Menschen mit Behinderung ein öffentliches Forum. Vermutlich 3500 bis 4000 Menschen mit Behinderung leben in Buxtehude. Das beruht auf einer Faustregel. Demnach seien etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen blind, im Rollstuhl oder anders eingeschränkt. Die genaue Zahl sei nicht bekannt.

Inklusion in Buxtehude: das sind Erfolge

Den Inklusionspreis der Stadt Buxtehude hat Nübel 2025 erfunden. Nur vergeben wurde der mit 6000 Euro dotierte Preis noch nicht - mangels Bewerbungen. Ein erneuter Versuch ist in diesem Jahr vorgesehen.

Die größten Erfolge in dem Ehrenamt habe er in den Sprechstunden verspürt. Wenn er Menschen helfen konnte, in Telefonaten mit Krankenkassen und einem Orthopäden. Manchmal suchte er Betroffene zu Hause auf. „Ich bin ein guter Zuhörer“, sagt Jens Nübel über sich selbst.

Dieses harsche Fazit zieht Jens Nübel

Dennoch: Die Beteiligung Behinderter in der Stadt fände zu wenig Aufmerksamkeit. „Buxtehude steht beim Thema Inklusion auf einem Abstiegsplatz“, formuliert Jens Nübel sein harsches Fazit in der Sportsprache. Von einem Abstiegsplatz aus könne man sich im laufenden Ligabetrieb ja noch verbessern, fügt er hinzu.

Was aus der Stelle des ehrenamtlichen Beauftragten für Menschen mit Behinderung der Stadt Buxtehude wird, entscheidet sich in der nächsten Woche. Eine Bewerbung sei seit der Ausschreibung vom 26. November 2025 eingegangen. Das geht aus der Vorlage der Verwaltung hervor. Der Sozialausschuss des Rates wird sich am Mittwoch, 4. Februar, zu der einzigen Kandidatin äußern.

So hoch ist die Aufwandsentschädigung

Die Stadt bezahlt dem Beauftragten für Menschen mit Behinderungen 116 Euro Aufwandsentschädigung pro Monat. Das sei so viel, wie ein Ortsbrandmeister erhalte, sagt Jens Nübel. Zusätzlich gehört zu der Stelle ein Budget von 4000 Euro für Sachkosten pro Jahr.

Jens Nübel wird am Freitag sein Diensthandy und seinen Dienstlaptop abgeben - das war es dann. Trotz der ernüchternden Erfahrung sagt er: „Ich kann mir vorstellen, wieder ein Ehrenamt anzunehmen.“

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel