TBetrug mit Teak-Stühlen? – Briten-Firma wehrt sich, Polizei ermittelt
Diese Stühle hat Katja Schulze von der englischen Firma „Barlow Outdoor Living“ bekommen. Foto: Privat
Neue Details rund um die Vorwürfe um mutmaßliche Möbelbetrugsfälle: Nun meldet sich der Händler aus Großbritannien zu Wort.
Cuxhaven/Loxstedt. Die mutmaßlichen Fälle von Möbelbetrug im Landkreis Cuxhaven bekommen ein neues Kapitel. So steht die „Nordsee-Zeitung“ in Kontakt mit dem englischen Möbelanbieter „Barlow Outdoor Living“ – jener Firma, die von Bürgern aus der Region in Zusammenhang mit eben diesen Vorkommnissen gebracht wird. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Im Juli und August ist von Fällen in Loxstedt sowie dem Altkreis Wesermünde, beides im Landkreis Cuxhaven gelegen, berichtet worden. Betroffene, jeweils Gewerbetreibende, berichteten von englischsprachigen Händlern, die unangemeldet bei ihnen vorbeigekommen sein sollen. Im Angebot waren demnach Teakholzmöbel, vor allem Stühle.
Möbelbetrug: Die lange beendete Ausstellung in Tarmstedt
Nach Aussage der Bürger ist ihnen erzählt worden, die Händler kämen aus Tarmstedt von einer Ausstellung. Eine Veranstaltung, die zum Zeitpunkt des unangekündigten Besuchs aus England indes schon längst beendet war. Den Landkreis-Bewohnern sei erzählt worden, der Händler müsse schnell seine Fähre erreichen, um wieder zurück nach England zu kommen.
Es steht der Vorwurf im Raum, der Besuch aus England habe falsche Tatsachen vorgespiegelt – wobei es sich unter anderem bei dem als Teakholz verkauften Mobiliar um minderwertiges Material gehandelt haben soll. Eine der Geschädigten – Katja Schulze, die in Loxstedt ein Geschäft für Raumausstattung führt – verlor teils mehrere Tausend Euro. Gleichwohl stoppte ihre Bank eine Überweisung über 7.000 Euro.

Die abfotografierte Quittung ist der NZ von der Firma „Barlow Outdoor Living“ übermittelt worden. Daraus gehen auch Details zur Firmenbezeichnung hervor, die der Redaktion vorliegen. Foto: Privat
Die Vorkommnisse erreichten offenbar auch „Barlow Outdoor Living“, weshalb sich die Firma veranlasst sah, sich bei der „Nordsee-Zeitung“ zu melden. In einer E-Mail wies Geschäftsführer James Walker die Darstellung der Loxstedter Unternehmerin zurück. Der Ablauf sei „unzutreffend, irreführend und einseitig“ dargestellt, wobei die Aussagen nicht den „tatsächlichen Umständen“ entsprächen.
Die Geschäftsfrau habe Barlow Living „zu keinem Zeitpunkt“ kontaktiert, um ihre Bedenken zu äußern und die Rückgabe der Möbel zu veranlassen. Um seine Darstellung zu belegen, verweist Walker auf „die Originalrechnung, einen Nachweis der Identität der Kundin und der vereinbarten Zahlung sowie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen“.
Barlow Outdoor Living nennt „Holz Design“ einen Verkaufsagenten
Auch auf die von der Loxstedterin monierten widersprüchlichen Angaben in Bezug auf Name und Herkunft der Firma reagiert Walker. Die auf dem Briefkopf der Quittung notierte Firma „Holz Design Garden & Park Facilities“ sei „ein autorisierter Vertreter und zugelassener Verkaufsagent“ von Barlow Living. Eine Vermutung, „Holz Design“ könnte nichts „mit unserem Geschäft zu tun haben“, sei „vollkommen falsch“.
Zudem weist Walker den Vorwurf von sich, die Zahlung stehe in Zusammenhang mit einem Betrug. So sollte das Geld auf das „offizielle Euro-Bankkonto unseres Unternehmens in Belgien“ fließen. An der Transaktion habe „absolut nichts mit irgendeiner betrügerischen Aktivität zu tun“, schreibt er. Außerdem habe die Kundin nicht nur die von ihr genannten 30 Stühle, sondern zusätzlich „fünf Tische und fünf Bänke“ bestellt.
In einer späteren E-Mail, die nicht mehr namentlich unterzeichnet ist, wird der Verkaufsvorgang in Loxstedt wie folgt beschrieben: Ein Fahrer habe zunächst einen Lagerplatz gesucht, um Möbel „für etwa sechs bis acht Wochen“ unterzustellen. Die Kundin aus Loxstedt habe Interesse am Kauf geäußert und erklärt, sie könne die Ware bei einer Veranstaltung weiterverkaufen.
Aus diesem Grunde sei eine Transaktion „zum Großhandelspreis“ vereinbart worden. Nach Darstellung von „Barlow Outdoor Living“ blieb die Zahlung aus. Der Fahrer sei später zurückgekehrt, um zu fragen, „ob alles in Ordnung ist“ und warum die Kundin auf Kontaktversuche nicht reagiert habe. Die Loxstedter Unternehmerin stellte diesen Punkt in der „Nordsee-Zeitung“ anders dar. Sie vermutete, der Fahrer sei zurückgekehrt, „weil er letztlich die 9.000 Euro nicht bekommen hat“.
Barlow Outdoor Living bestreitet Verkauf aus Transporter
„Barlow Outdoor Living“ äußert sich derweil zur Geschäftspraxis. Die Firma verkaufe in Deutschland nicht „aus einem Transporter heraus“. Das Fahrzeug sei ein Lieferwagen und „kein Einzelhandelsgeschäft oder Marktstand“. Ebenso bestreitet das Unternehmen, dass ein Fahrer gesagt habe, direkt von einer Ausstellung in Tarmstedt gekommen zu sein. „Diese Aussage ist schlicht unwahr.“
Dass die Firma für ihre Produkte niedrige Preise nehmen kann, erklärt „Barlow Outdoor Living“ mit dem Geschäftsmodell. So bezeichnet sich das Unternehmen als Großhändler und Direktimporteur von Teakmöbeln aus Indonesien. Durch den direkten Einkauf beim Hersteller und den Verkauf ohne die Kosten eines klassischen Möbelhauses könne die Firma „deutlich niedrigere Preise als viele Möbelgeschäfte“ anbieten.
„Barlow Outdoor Living“ sei ein Handelsname. Der Hauptsitz liege auf der Isle of Man, weitere Lager gebe es in den englischen Städten Darlington, Bradford und London, weist das Unternehmen darauf hin, seit 1992 am Markt zu sein. Man stehe für „Qualitätsprodukte und professionellen Kundenservice“.
Polizei prüft möglichen Betrug und die Qualität der Teakmöbel
Die Polizei ermittelt nach der Anzeige aus Loxstedt bereits in der Sache und ordnet deshalb den Vorgang als mutmaßlichen Betrugsfall ein. Von „Barlow Outdoor Living“ heißt es derweil, man habe „direkt mit der deutschen Polizei“ gesprochen. Diese habe zunächst nur „eine Seite der Angelegenheit“ gekannt und den Vorgang danach „als zivilrechtliche Angelegenheit“ betrachtet. Zudem habe sie mitgeteilt, „dass es keine Grundlage dafür gibt, ‚Barlow‘ derart zu diskriminieren“.
Carsten Bode von der Polizeiinspektion Cuxhaven beschreibt indes den Stand der Ermittlungen. Ob tatsächlich ein Betrug vorliege, sei „zurzeit noch nicht geklärt“. Zunächst müsse durch eine Begutachtung geprüft werden, ob die im Altkreis Wesermünde als Teakholz verkauften Möbel tatsächlich aus minderwertigem Material bestehen. Diesen Verdacht hatten die Geschäftsleute aus dem Altkreis der „Nordsee-Zeitung“ gegenüber geäußert. Ob die Staatsanwaltschaft diese Prüfung veranlasse, sei offen. Erst danach könnten die konkreten Schadenssummen feststehen.
Die Polizei habe gleichwohl einen Aufenthaltsort der Tatverdächtigen ermittelt. Nach den Berichten, der das Bild des Lieferwagens in Loxstedt zeigt, seien sie jedoch „offensichtlich geflüchtet“, bevor die Polizei den Ort habe aufsuchen können. Die Ermittlungen laufen derzeit „gegen Unbekannt“.
Foto des Lieferwagens bei der Polizei noch nicht bekannt
Bode zufolge fehlten der Polizei zuletzt noch Informationen, die der NZ aus der Bevölkerung zugespielt wurden. Das Foto mit dem Lieferwagen und dessen Aufschrift „Barlow Outdoor Living“ sei bei der Polizei „noch nicht eingegangen“. Auch James Walker habe sich dort bislang nicht gemeldet. Ungeklärt sind damit die Materialqualität, die genaue Schadenshöhe und die Rollen der beteiligten Personen.
Barlow Living erklärt, weiterhin zu einer „vernünftigen Einigung“ bereit zu sein, wenn die Kundin aus Loxstedt Kontakt aufnehmen sollte. Zugleich fragt die Firma, „ob von Anfang an die Absicht bestand, das Geschäft nicht wie vereinbart abzuschließen“. Die Käuferin habe, so „Barlow Outdoor Living“, Erfahrung mit Innen- und Außenmöbeln. Nach Ansicht der Engländer hätte sie „die Qualität der Ware bei der Besichtigung beurteilen können müssen“.
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