Zähl Pixel
FAQ

TBildungscampus ausgezeichnet: 7 Fragen zu Stades Mammut-Projekt

Projektbegleiter Thomas Friedrichs (links) und Maren Wefer (rechts) mit den Schulleitungen Alexander Eßer (Zweiter von links) und Cordula Wuttke sowie Carsten Brokelmann (Stadtrat).

Projektbegleiter Thomas Friedrichs (links) und Maren Wefer (rechts) mit den Schulleitungen Alexander Eßer (Zweiter von links) und Cordula Wuttke sowie Carsten Brokelmann (Stadtrat). Foto: Stehr

Der Bildungs- und Sportcampus Riensförde ist das teuerste Projekt in der Geschichte der Stadt Stade. Jetzt wurde er prämiert. Überblick zum ersten städtischen Bau mit Gütesiegel.

author
Von Lena Stehr
27.09.2026, 11:50 Uhr

Was steckt hinter der Auszeichnung?

Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) - ein unabhängiger Verein - hat den Sportcampus mit einem Gütesiegel für hochwertiges, nachhaltiges Bauen ausgezeichnet, dem sogenannten Gold-Standard. Die Oberschule sowie die Grundschule und Kita sogar mit dem Platin-Standard, der höchsten von insgesamt vier Auszeichnungsstufen.

Warum? Der Campus erzeugt drei Viertel seines benötigten Stroms und seiner Wärme selbst vor Ort - mit einer Kombination aus einem hauseigenen Blockheizkraftwerk und einer großflächigen Photovoltaikanlage. Die Gebäude punkten auch mit Barrierefreiheit, optimaler Innenraumakustik, gesundem Raumklima, naturnahen Grün- und Außenanlagen und dem Einsatz von wartungsarmen, langlebigen Materialien. Der Bildungscampus ist der erste städtische Bau, der DGNB-zertifiziert ist.

Warum plante die Stadt den Bildungscampus überhaupt?

Die Planungen für den 2023 fertiggestellten Bildungscampus in Riensförde begannen 2016 auf Grundlage des Schulentwicklungsplans unter dem damaligen Ersten Stadtrat und für die Schulen zuständigen Dirk Kraska. Ausgangspunkt war akuter Platzmangel in der Pestalozzi-Grundschule. Lokalpolitiker, allen voran Carsten Brokelmann, der inzwischen Stadtrat ist, forderten damals einen Gesamtblick auf die Bildungslandschaft in der Stadt.

Der Sportcampus ist Teil des Bildungscampus in Riensförde. Hier finden regelmäßig große Sportveranstaltungen statt, die sonst in Stade nicht durchführbar wären.

Der Sportcampus ist Teil des Bildungscampus in Riensförde. Hier finden regelmäßig große Sportveranstaltungen statt, die sonst in Stade nicht durchführbar wären. Foto: Stehr

Ein Arbeitskreis wurde gegründet. Überlegungen, im Altländer Viertel eine neue Oberschule zu bauen, wurden verworfen. Stattdessen starteten 2017 die Planungen für den Neubau in Riensförde. Eine Grundschule hätte in dem Neubaugebiet ohnehin gebaut werden müssen, sagt Carsten Brokelmann. Die Stadt habe hier zudem die Chance zum Bau einer neuen Schulsporthalle genutzt. Die Flächen hier sind noch erweiterbar.

Warum gab es kritische Stimmen zum Bau des Bildungscampus?

Die Stadt ging mit dem Bau erstmals eine Öffentlich-Private Partnerschaft ein, also eine langfristige, vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmen. In diesem Fall mehr als 25 Jahre mit der Goldbeck Public Partner GmbH aus Bielefeld. Die hat die vollständige Planung und Ausführung des Bauvorhabens sowie die Instandhaltung und das technische Gebäudemanagement übernommen.

„Wir mussten deshalb viel Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Carsten Brokelmann. Es habe in der Politik Befürchtungen gegeben, dass es einem privaten Investor womöglich nur um kurzfristige Renditen gehen könnte und heimische Unternehmen bei dem Bau nicht zum Zuge kommen würden. Etwa 50 Prozent der Arbeiten seien aber von lokalen Betrieben ausgeführt worden.

Wie groß ist der Bildungscampus?

Der Bildungscampus wurde auf einem 65.000 Quadratmeter großen Grundstück im Stader Stadtteil Riensförde für insgesamt 1000 Kinder und Jugendliche gebaut. Drei Gebäude mit einer Grundfläche von insgesamt 22.000 Quadratmetern gehören zum Campus: der Sportcampus mit einer Dreifeld- und einer Einfeld-Sporthalle, die Grundschule und Kindertagesstätte sowie die Oberschule, die die Hauptschule an der Thuner Straße aufgenommen hat.

Das Campusgelände wird durch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer verbunden. Bald könnte es hier auch eine EVB-Haltestelle geben.

Was hat die Stadt Stade für den Neubau bezahlt?

Mit 74 Millionen Euro ist der Bildungscampus das teuerste Bauprojekt der Stadtgeschichte. Ursprünglich war der Festpreis inklusive Baufinanzierung auf 72,5 Millionen Euro für Planung und Realisierung festgesetzt.

Die Stadt zahlt aktuell nicht nur die Kredite ab, sondern auch jährlich einen festen Betrag auf ein Treuhandkonto der Goldbeck GmbH ein. Das Geld ist zweckgebunden und kann nur mit Zustimmung der Stadt für Instandhaltungsmaßnahmen am Bildungscampus eingesetzt werden.

Warum ist der Sportcampus wichtig für die Stadt?

Mehr als 1000 Zuschauer finden Platz in der Arena, zu der unter anderem auch ein Cateringbereich mit Blick auf die Halle gehört. Auch TV-Übertragungen für Streamingdienste oder Aufzeichnungen für die Spielanalyse sind möglich. Genutzt wird der Sportcampus neben dem Schulsport auch für Hallenfußball, Handball, Basketball, Tanzen oder Rollkunstlauf. Wenn es sich um Vereinssport handelt, ist die Nutzung kostenlos.

Maren Wefer, Thomas Friedrichs (Mitte) und Carsten Brokelmann stehen auf der Tribüne des Sportcampus. Sie bietet Platz für 600 Menschen. Zudem gibt es eine Ausziehtribüne für 500 Zuschauer.

Maren Wefer, Thomas Friedrichs (Mitte) und Carsten Brokelmann stehen auf der Tribüne des Sportcampus. Sie bietet Platz für 600 Menschen. Zudem gibt es eine Ausziehtribüne für 500 Zuschauer. Foto: Stehr

Es wurden unter anderem schon Norddeutsche Meisterschaften sowie Deutsche Meisterschaften im Rollkunstlauf ausgetragen. Regelmäßig finden große Tanzturniere, Hallenfußballturniere oder Basketballspiele der Regionalliga statt. „Ohne den Sportcampus wäre das alles nicht möglich“, sagt Carsten Brokelmann, der auch Präsident des VfL Stade ist. Er ergänzt: „Ich bin immer noch stolz, wenn ich die Stufen zur Tribüne hochgehe.“

Was sind die Vor- und Nachteile im Campus-Neubau?

Oberschulleiter Alexander Eßer und Grundschulleiterin Cordula Wuttke sind sich einig: In einem Neubau zu arbeiten, hat mehr Vor- als Nachteile und ist absoluter Luxus. Vor allem aufgrund der modernen Ausstattung und weil es genug Platz gibt. Den Kindern gefalle besonders das Außengelände zum Spielen gut.

Vom Cateringbereich könnten Maren Wefer, Carsten Brokelmann (Mitte) und Thomas Friedrichs durchs Fenster in die Halle gucken.

Vom Cateringbereich könnten Maren Wefer, Carsten Brokelmann (Mitte) und Thomas Friedrichs durchs Fenster in die Halle gucken. Foto: Stehr

Ein paar Nachteile gebe es aber auch. So habe es anfangs öfter Probleme mit der Lüftungsanlage gegeben, was Schulausfälle zur Folge hatte. Auch, dass sich nicht alle Fenster öffnen lassen, empfinden die Lehrkräfte manchmal als Nachteil.

Außerdem fehle draußen Schatten, weil die Bäume noch nicht groß genug sind. Herausfordernd sei teilweise auch die Struktur mit der für Mängel zuständigen Goldbeck GmbH und sechs Hausmeistern mit unterschiedlichen Zuständigkeiten.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Sind stolz auf die DGNB-Auszeichnung: Thomas Friedrichs (von links), Alexander Eßer, Cordula Wuttke, Maren Wefer und Carsten Brokelmann.

Sind stolz auf die DGNB-Auszeichnung: Thomas Friedrichs (von links), Alexander Eßer, Cordula Wuttke, Maren Wefer und Carsten Brokelmann. Foto: Stehr

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

T Hilfe nach Gewalttat: Was Betroffene wissen sollten

Opfer und Hinterbliebene von Straftaten, beispielsweise bei den sechs Morden in Stade, müssen nicht nur seelische Folgen bewältigen, sondern sich oft auch durch komplizierte Anträge kämpfen. Hier gibt es Hilfe.