TBrauner Bär: Früher ein Allerweltsfalter – heute vom Aussterben bedroht
Der Braune Bär, hier eher eine Bärin, ist ein wunderschöner Sommerschmetterling. Foto: Paulin
Den Namen hat der Schmetterling von seiner braunen, dicht und pelzig behaarten Raupe erhalten. Denn der fertige Nachtfalter ist farbenprächtig - und vom Aussterben bedroht.
Landkreis. Das Rot, Braun und Dunkelblau auf seinen Flügeln fällt auf. Und das ist wohl der Grund, weshalb über diesen großen und prächtigen Schmetterling viel mehr bekannt ist als über andere, oft deutlich unscheinbarere graue oder braune Nachtfalter.
Seine auffällige Buntheit könnte dazu führen, dass er von Vögeln leicht entdeckt wird. Wenn er tagsüber in Ruhestellung die Vorderflügel über seinen Körper anlegt, ist er im Gezweig kaum zu sehen. Wird der Braune Bär aber von einem Vogel beunruhigt, zeigt er blitzartig seine knallrot gemusterten Hinterflügel.
Beobachtungen belegen: Sein Verhalten und die Schreckfarben wirken tatsächlich postwendend. Der Vogel erschrickt und fliegt weg. Und welche Möglichkeiten hat der Braune Bär, um sich seinen Feinden nachts zu entziehen?
Fledermäusen schmeckt der Braune Bär nicht
Da scheint seine leicht giftige und ungenießbare Hämolymphe - die statt Blut im Körper von Insekten zirkuliert - zu wirken. Von Fledermäusen ist bekannt, dass sie nicht nur Nachtfalter im Flug gut verfolgen und erbeuten können. Fledermäuse können auch gut riechen. Sie fressen Bärenfalter wie den Braunen Bär meistens nicht. Deren Hämolymphe, die auch durch Drüsen abgespritzt werden kann, scheint den Braunen Bär vor Fledermäusen zu schützen.
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Das gute Gedächtnis von Fledermäusen hat für Bärenfalter einen zusätzlichen Vorteil: Hat eine Fledermaus den ungenießbaren Schmetterling gefressen, dann macht sie das nie wieder. Schon während des Anfluges auf den Braunen Bären erinnert sie sich und weiß: Diese fette Beute mag ich nicht.
Groß, kräftig und schön zeigt sich der Braune Bär. Aber dieser früher so häufige Falter ist selten geworden. Als Raupe kann er die Blätter vieler Pflanzen fressen. Wohl führt er sich auf Wiesen, die von vielen Kräutern bewachsen sind. Doch er ist ein hoch sensibles Tier. Fehlen die Kräuter und werden sie von Einheitsgräsern der Agrarindustrie ersetzt, geht es diesem Falter schlecht.
Die Lichtverschmutzung irritiert den Nachtfalter
Die Monotonie der Futtergraslandschaft führt zum Garaus von Raupe und Falter. Es kommt noch etwas zu, das den Verlust dieses Schmetterlings erklärt: Braune Bären lassen sich leicht vom Licht anlocken. So schrieb ein Entomologe 1936: „Am Licht konnte er zu Dutzenden (…) beobachtet werden.“
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Der Braune Bär ist das Beispiel für einen Nachtfalter, der vom Licht extrem irritiert und geblendet wird. Die massive Lichtverschmutzung hindert ihn, nach Partnern zu suchen und sich zu paaren. Dummerweise zeigen die Raupen des Braunen Bären im Frühjahr ein merkwürdiges Verhalten: Nach der Überwinterung wandern sie, manchmal gemeinsam im Gänsemarsch, Hunderte von Metern - auch über Straßen hinweg. Erst dann suchen sie ihren Fressplatz auf. Raupen vom Braunen Bären werden deshalb oft von Autos überfahren.
Der noch vor 80 Jahren überall häufige Braune Bär ist heute bedroht und steht auf der Roten Liste. Er ist ein Paradebeispiel für so viele Insekten und Nachtfalter, die wir in der heimischen Fauna in den letzten Jahren verlieren. Es sind die seit Jahrzehnten bekannten und unsere Umwelt extrem belastenden Faktoren: Monotonisierung der Landschaft, Lichtverschmutzung und Straßenverkehr.
Der Autor, die Serie und das Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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