TBuxtehude denkt über islamisches Grabfeld nach: So stehen die Chancen
Das Bild aus dem Jahr 2023 zeigt das muslimische Grabfeld auf dem Stader Friedhof in Campe. Imam Talha Üzüm steht am Totentisch, auf dem vor dem Begräbnis der Leichnam abgelegt wird. Foto: Richter
Die Linke will in Buxtehude ein islamisches Grabfeld ermöglichen. Was unterscheidet Bestattungen nach muslimischer Tradition von anderen?
Buxtehude. In Buxtehude gibt es derzeit keine Möglichkeit für islamische Bestattungen. Die Linke hat die Stadtverwaltung damit beauftragt, die Einrichtung eines Grabfeldes nach muslimischer Tradition zu prüfen. Die Antwort der Verwaltung diskutierte am Dienstagabend der für Friedhöfe zuständige Betriebsausschuss. 20 muslimische Bürgerinnen und Bürger nahmen in der Einwohnerfragestunde daran teil.
Warum brauchen muslimische Bestattungen eigene Grabfelder?
Weil die Verstorbenen nach islamischen Bestattungsregeln nur in Erde beigesetzt werden dürfen, in der sich noch nie zuvor ein Grab befunden hat. Es gilt die ewige Totenruhe. Das bedeutet, dass ein Grab nicht aufgelöst oder neu belegt werden darf. Islamische Friedhöfe werden eröffnet, voll belegt und anschließend wieder geschlossen.
Bestattungskultur
T Warum dieser Stader Imam in Gräber steigt
Das Grabfeld muss von anderen Gräbern von Christen oder anderen Glaubensrichtungen räumlich getrennt sein. Inwieweit die räumliche Trennung auch zwischen den einzelnen Glaubensströmungen des Islams einzuhalten sei, könne abschließend nur ein Islamwissenschaftler beantworten, heißt es in der Antwort der Verwaltung.
Erkan Dündar aus dem Vorstand der Islamischen Gemeinde sagte: Wenn man Sunniten neben Schiiten bestatten möchte, sei das kein Problem.
Worin unterscheiden sich muslimische Bestattungen von christlichen?
Für Muslime kommen nur Erdbestattungen infrage, keine Verbrennung der Verstorbenen. Der Körper soll möglichst unangetastet bleiben.
Das Grab und das Gesicht des Toten weisen bei den Muslimen Richtung Mekka. Die für Muslime heilige Stadt liegt in Saudi-Arabien.
Waschplätze am Grabfeld für Waschungsrituale der Trauernden und Besucher sind ein weiterer Unterschied.
Wo in Buxtehude könnten islamische Bestattungen ermöglicht werden?
Nach Ansicht der Verwaltung nur auf dem Waldfriedhof am Heitmannsweg. Zwar sei eine Fläche außerhalb bestehender Friedhöfe denkbar - mehrere Genehmigungsverfahren (zum Beispiel zu Erfordernissen des Wasserrechts und der Raumordnung des Landes) seien aber dafür erforderlich.
Wo im Landkreis Stade sind muslimische Bestattungen möglich?
Die Stadtverwaltung nennt allein den Friedhof Campe an der Harburger Straße in Stade. 1700 Quadratmeter ist das muslimische Grabfeld groß, das Platz für 133 Gräber bietet. Seit 2022 sind dort muslimische Bestattungen möglich.
Wie groß ist die Nachfrage nach muslimischen Bestattungen?
Die Nachfrage nach Möglichkeiten für islamische Bestattungen nehme seit Jahren merklich zu, schreibt Die Linke in ihrem Prüfantrag. Auch Erkan Dündar sagt. „Der Bedarf nimmt zu.“ Muslime, die in Buxtehude leben, sähen die Stadt als ihre Heimat an. Sie möchten hier bestattet werden.
Nachbarkreise
T Islamische Grabstätten auch in Hemmoor?
Die Zahl der Bestattungen dagegen ist nach Angaben der Buxtehuder Verwaltung gering: Im Schnitt neun muslimische Bestattungen pro Jahr gab es demnach seit 2022 auf dem Friedhof Campe in Stade. In Cuxhaven und Rotenburg seien es nach Erkenntnis der Verwaltung vier bis sechs muslimische Bestattungen pro Jahr.
Wie stehen die Chancen auf ein islamisches Grabfeld?
Die Friedhofsverwaltung empfiehlt in ihrer Antwort auf den Prüfantrag der Linken, kein islamisches Grabfeld in Buxtehude herzurichten. Stattdessen solle bei Anfragen auf den Friedhof in Stade verwiesen werden.
Die Buxtehuder Politik aber will sich weiter mit dem Thema beschäftigen. Die Ausschussvorsitzende Arnhild Biesenbach sagte am Dienstagabend: „Das Signal aus dieser Sitzung ist: Es gibt Hoffnung.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.