Zähl Pixel
Einzelhandel

TBuxtehude verliert Traditionsgeschäft: Zu großer Aufwand für die Familie

Jasmin und Nico Matern inmitten der 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche.

Jasmin und Nico Matern inmitten der 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche. Foto: Bröhan

In Buxtehude schließt das nächste traditionsreiche Geschäft. Das Kreativ Bastelparadies geht in den Ausverkauf. Es passiert schweren Herzens. Die Gründe sind vielfältig.

author
Von Jan Bröhan
Donnerstag, 05.02.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Es schwingt viel Wehmut mit. Die Familie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Nach gut 37 Jahren wird das Kreativ Bastelparadies in diesem Jahr aber Vergangenheit sein - und so ein weiteres Beispiel für den Wandel der Zeit.

Anja Delhez kam 1989 mit ihren Eltern aus Buchholz nach Buxtehude, sie siedelten sozusagen über. Durch Kontakte hatten sie von einem passenden Leerstand erfahren und eröffneten das Kreativ Bastelparadies. „In Buxtehude gab es so etwas noch nicht“, sagt die heute 60-Jährige, ein Geschäft in Buchholz gab die Inspiration. Etwas Kreatives lag schon immer in der Familie, so Delhez.

Anja Delhez gründete das Geschäft mit ihren Eltern zusammen 1989.

Anja Delhez gründete das Geschäft mit ihren Eltern zusammen 1989. Foto: Bröhan

„Von den Kursen meiner Mutter erzählen Kunden noch heute“, erzählt Delhez. Eröffnet hatten sie seinerzeit im heutigen Marktkauf, damals noch Suba Center. 1997 zogen sie in die Bahnhofstraße 5, als der damalige Fahrradladen auszog. Auf 500 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet das Kreativ Bastelparadies mehr als 35.000 Artikel an, hinzu kommt das Büro, das Lager und der Kursraum.

Dritte Generation steigt ungeplant ein - und bleibt

Tochter Jasmin Matern stieg während der Coronapandemie in das Geschäft ein, zum Aushelfen. „Ich wollte das nie“, sagt die 30-Jährige, „aber jetzt liebe ich das hier, so mit der Familie zusammenzuarbeiten.“ Auch sie, die Wirtschaftswissenschaften studierte, habe diese Vorliebe fürs Kreative.

Corona bedeutete auch einen Wandel für den Einzelhandel, so Delhez. Der Familienbetrieb hielt Kontakt zur Kundschaft, beispielsweise durch einen Whatsapp-Service. Doch die Online-Bestellkultur ist nun tief verankert in der Gesellschaft. Der Einzelhandel habe zu kämpfen, so Delhez.

„Wir haben so tolle Stammkunden, da sind wir unglaublich dankbar“, sagt Jasmin Matern. Sie denkt laut darüber nach, wie es werde, mit diesen Kunden über die Schließung zu sprechen. „Da werde ich gleich emotional“, sagt sie. Ihre Augen werden feucht.

Die Gründe für die Schließung sind komplex

„Wir könnten uns noch tragen“, sagt Matern bezüglich des Umsatzes. Der Aufwand dafür sei aber viel zu groß. Die steigenden Energie- und Personalkosten sind ein Brett. Und Personal zu finden sei heutzutage sowieso sehr schwer, so Matern. Bei 35.000 Artikeln brauche allein die Einarbeitung schon zwei, drei Jahre. Zu Hochzeiten hatte das Geschäft sieben bis zwölf Angestellte, so Delhez.

1997 zog das Kreativ Bastelparadies in die Bahnhofstraße 5 und liegt damit direkt vor dem Zentrum der Innenstadt.

1997 zog das Kreativ Bastelparadies in die Bahnhofstraße 5 und liegt damit direkt vor dem Zentrum der Innenstadt. Foto: Bröhan

So stemmt die Familie die Arbeit zu dritt. Jasmins Ehemann Nico Matern ist auch an Bord. Sie haben eine acht Monate alte Tochter und einen drei Jahre alten Sohn. Im kleinen Büro steht zwischen den beiden Schreibtischen ein Kinderbett. Während des Termins mit dem TAGEBLATT sitzt die Kleine lächelnd auf einem Tisch, behütet von der Teilkraft Alex Wan.

„Wir haben die Geschäftszeiten an unser Familienleben angepasst“, sagt Jasmin Matern. Wochentags schließt das Geschäft um 17.30 Uhr, samstags um 14 Uhr. Dann muss Nico Matern spätestens seinem anderen Job vollends nachkommen - erst als Fußballer, seit zwei Jahren als ambitionierter Trainer.

Er lebt für den Fußball - Sie hat ihn so immer gekannt

„Fußball hier, Fußball da, immer Fußball“, erzählt Jasmin Matern und schwingt dabei ihre Hände dirigentenmäßig mit, sie lacht. „Ich will ihm seine Passion nicht nehmen“, sagt sie. Sie habe ihn nie anders gekannt. Sie kennen sich seit der Realschule.

Als Nico Matern in Rostock spielte, studierte sie dort. Als Matern in den USA spielte, war sie dort als Au-pair. Als ihr Visum auslief, ließ er einen Folgevertrag in der amerikanischen zweiten Liga sausen und schloss sich dem Regionalligisten VfB Oldenburg an.

Seit zwei Jahren arbeitet der 33-Jährige nun an seiner Trainerlaufbahn. Zur neuen Saison wechselt er vom Landesligisten TuS Harsefeld zum Oberligisten Heeslinger SC. Zwischen Kundenbetreuung und Kasse macht Matern Spiel- und Gegneranalysen, büffelt für seine Lizenzen, bereitet die Trainingseinheiten vor. „Das ist zeitaufwendig“, sagt er.

„Wir müssen unsere Ehe und Freundschaften pflegen“, sagt Jasmin Matern, eben alles unter einen Hut kriegen. Kinder erziehen während das Geschäft läuft, alles aufeinander abstimmen. „Als er noch Spieler war, habe ich während seiner Trainings die Kreativkurse gegeben, abends haben wir uns dann um 23 Uhr gesehen“, sagt Jasmin Matern.

Jetzt beginnt der langsame Abschied

In diesem Monat bietet das Kreativ Bastelparadies noch zwei Workshops an. Ab dem 24. Februar beginnt für mehrere Wochen der Ausverkauf. Kunden sollen daran denken, ihre Gutscheine einzulösen, so Matern.

Ihr Mann, der Fußballer, habe im Übrigen auch seine kreative Ader entdeckt, erzählt Jasmin Matern und lacht. Kürzlich hat er zum Beispiel ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel selbst gebaut.

Sie wird das Geschäft vermissen, schaut aber auch schon voraus in eine spannende Zukunft.

Die jungen Eltern Jasmin und Nico Matern haben mehr als 35.000 Artikel im Geschäft, die nun in den Ausverkauf gehen.

Die jungen Eltern Jasmin und Nico Matern haben mehr als 35.000 Artikel im Geschäft, die nun in den Ausverkauf gehen. Foto: Bröhan

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel