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Stadionausbau

TD/A macht Stimmung im Rat: Aber nur Mini-Zuschuss für Flutlicht

Die Ratssitzung am Mittwoch stieß auf ungewöhnlich großes Interesse. Zahlreiche D/A-Fußballer waren vor Ort.

Die Ratssitzung am Mittwoch stieß auf ungewöhnlich großes Interesse. Zahlreiche D/A-Fußballer waren vor Ort. Foto: Wertgen

40 Fußballer als Zuschauer, ungewünschter Applaus, Ermahnungen und ein verärgerter Bürgermeister - die Ratssitzung in Drochtersen war alles andere als Routine.

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Von Lars Wertgen
Freitag, 27.02.2026, 08:00 Uhr

Drochtersen. Wenn der Gemeinderat in Drochtersen tagt, sind die gewählten Mitglieder in der Regel unter sich. Das ist am Mittwoch in der Mensa der Drochterser Elbmarschen-Schule anders.

Angeführt von D/A-Präsident Rigo Gooßen füllen rund 40 Fußballer die Reihen, darunter das Regionalliga-Team. Der Verein wolle „Stimmung für uns“ machen, hieß es vorab per WhatsApp.

Applaus und Ermahnungen

Das nehmen die Sportler offenbar zu wörtlich. Sie quittieren einige Wortmeldungen mit Applaus, es gibt vereinzelte Zwischenrufe.

FWG-Fraktionschef Cornelius van Lessen und später Sitzungsleiter Reiner Heinsohn verweisen auf die Geschäftsordnung, laut der Zuschauer nicht stören oder „Zeichen des Beifalls oder Missfallens“ geben dürfen.

Einige Gäste reagieren provokant mit weiterem Applaus. Heinsohns Vorschlag, statt zu klatschen kurz aufzustehen, wirkt grotesk. Die meisten ziehen den Applaus vor.

„Das war ein Spießrutenlauf“

Bei vielen Ratsmitgliedern stößt das auf Unmut, der mitunter bis spät in die Nacht Thema bleibt. Die Lautstärke und Reaktionen, aber auch die Diskussionskultur seien für Drochtersen ungewöhnlich.

Dass sich D/A vor der Sitzung direkt am Eingang versammelt und einige Politiker durch die Spielertraube gehen müssen, empfindet zumindest van Lessen als „Spießrutenlauf“.

Gooßen beschwichtigt: „Es ist legitim, dass ein Verein seine Interessen vertritt und sich bei Unterstützung freut.“ Viele der Gäste seien nicht häufig auf Ratssitzungen und hätten den Applaus für angemessen gehalten. Tenor: Die Spieler wissen es nicht besser.

Flutlicht: Einig über den Bedarf, uneinig über das Geld

Inhaltlich geht es um viel. Eine neue Flutlichtanlage ist dringend notwendig - da ist sich der Rat einig. „Das ist derzeit wie eine Dunkelkammer“, beschreibt Heinsohn die Lichtverhältnisse bei Abendspielen.

Auf der anderen Seite ist die Gemeinde finanziell klamm. Der Haushalt 2026 weist ein Minus von mehr als drei Millionen Euro aus. Dass Verein und Gemeinde gegenseitig voneinander profitieren, ist ebenfalls weitestgehend Konsens.

Das Kehdinger Stadion ist wie eine Dunkelkammer, ist sich der Rat einig.

Das Kehdinger Stadion ist wie eine Dunkelkammer, ist sich der Rat einig. Foto: Struwe

Größtes Streitthema ist, ob sich Drochtersen den Zuschuss leisten kann, ohne Kernaufgaben wie Feuerwehr, Schule und Straßenbau zu gefährden.

„Können wir bei der aktuellen Haushaltslage einen weiteren Zuschuss verantworten?“, fragt Philipp Röndigs. Einige CDU-Kollegen sehen es ähnlich. Sie verweisen auf mögliche Steuererhöhungen (Grundsteuer B), die der Landkreis ohnehin empfiehlt.

SPD hilft bei CDU-Antrag

Die neue Anlage kostet 722.307 Euro. D/A hat einen Zuschuss von 30 Prozent - rund 216.692 Euro - beantragt. Den erhält der Verein nicht, wie bereits in der Vorwoche im Ausschuss für Familie, Soziales, Kultur und Sport deutlich wurde.

Die SPD schlägt 100.000 Euro vor - etwa 30 Prozent der üblichen Kosten für eine Flutlichtanlage auf einem Fußballplatz. Die Summe sei im nächsten oder einem Nachtragshaushalt realistisch, so SPD-Chef Kai Schildt. Der SPD-Antrag findet jedoch keine Mehrheit.

Stattdessen setzte sich der CDU-Antrag durch - mit 19 Ja- gegen 7 Nein-Stimmen. Dass die CDU dabei die Fraktionsdisziplin lockert und einige Mitglieder dagegen stimmen, spielt keine Rolle: Die SPD stimmt für den CDU-Antrag und sicherte so die Mehrheit.

Einweihung noch in dieser Saison

Konkret bedeutet das: D/A erhält zunächst einen Zuschuss von 50.000 Euro im Rahmen des nächsten Haushalts (1. Nachtrag 2026 oder Haushalt 2027). Über weitere 50.000 Euro soll im Haushalt 2027 beraten werden - abhängig von der finanziellen Lage der Gemeinde.

Das Flutlicht soll noch in dieser Saison fertig sein. Als Ziel gilt das vorletzte Heimspiel am 12. April gegen den VfB Oldenburg. Wann Tribüne und Rasenheizung folgen, hängt von den Baugenehmigungen ab.

Rätselhafte E-Mail an den Bürgermeister

Zuvor winkt der Rat mit deutlicher Mehrheit eine Nutzungsvereinbarung mit D/A für das Kehdinger Stadion durch - sie soll das Fundament für den Ausbau von Flutlicht, Tribüne und Rasenheizung bilden. Es gibt nur drei Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Bürgermeister Mike Eckhoff lobt zunächst das Projekt. Die Vereinbarung gebe D/A eine Perspektive mit vielen Spielräumen und definierten Baufeldern. „Wir unterstützen das Thema an allen Stellen wie wir es können und beeinflussen können“, betont er.

Dann aber schlägt sein Ton um. Offenbar hat er kurz zuvor eine E-Mail von Gooßen erhalten, die ihn verärgert. „Nein, so können wir das Verfahren nicht gemeinsam bestreiten“, sagt Eckhoff. Die in der Nachricht dargestellten Hintergründe würden nicht stimmen. Eckhoff sei bereit, diese im persönlichen Gespräch zu erläutern.

Details über den Schriftwechsel will er nicht nennen - was im Rat auf Unverständnis stößt. Eckhoff: „Das ist kein Thema für die einzelnen Mitglieder, aber es hat mich bewegt.“

Van Lessen poltert: „So etwas darf nicht passieren, das ist ein ungeheuerlicher Vorgang.“ Gooßen erklärt dem TAGEBLATT, es sei um Meinungsverschiedenheiten bei der Frage der Unterstützung gegangen. Eckhoffs Bemerkung während der Sitzung empfindet er als deplatziert.

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