TDarum pochen die Museen in der Region auf Notfallboxen
Der Kabelbrand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar am 2. September 2004 gilt als eine der schwersten Kulturkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Foto: dpa/Schutt
Hochwasser, Feuer, Dachschaden: Wie können wertvolle Kulturgüter schnell und fachgerecht gesichert werden? Die Antwort: „Erste Hilfe“ am Kulturgut.
Bremervörde. Regelmäßig treffen sich Vertreter der Museen aus dem Elbe-Weser-Dreieck auf Einladung des Landschaftsverbandes Stade zum Erfahrungsaustausch. Die 66. Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft fand im Bremervörder Kreishaus sowie im benachbarten Bachmann-Museum statt und hatte einen besonders ernsten Hintergrund.
„Das kulturelle Erbe im Elbe-Weser-Dreieck ist reichhaltig, aber auch verwundbar. Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal oder der Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek haben gezeigt, wie schnell Museen, Archive und Bibliotheken vor existenzielle Herausforderungen gestellt werden können“, erklärt Dr. Moritz Geuther, Museumsreferent beim Landschaftsverband Stade, der das Projekt „Im Notfall gut gerüstet“ initiiert hat und leitet.
Ziel ist der Aufbau von Notfallverbünden für Kulturgut bewahrende Einrichtungen in den Landkreisen Cuxhaven, Osterholz, Rotenburg (Wümme) und Stade. Die hauptamtlich geleiteten Museen, Archive, Bibliotheken und Einrichtungen der archäologischen Denkmalpflege schließen sich zusammen, um sich auf Notfälle vorzubereiten und sich im Ernstfall gegenseitig zu unterstützen.
Erste Hilfe am Kulturgut wird eingeübt
„Für uns alle ist es die wichtigste Aufgabe, das uns anvertraute Kulturgut zu bewahren“, betont Ellen Horstrup, Museumsleiterin im Bachmann-Museum Bremervörde. „Dass wir bei dem Thema zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen, ist eine wirklich gute Sache“, ergänzt Miriam Gayer, zuständig für den Bereich Restaurierung am Bachmann-Museum.
Dr. Moritz Geuther gab bei dem Treffen einen Einblick in das Notfallprojekt des Landschaftsverbands. Die Restauratorinnen Friederike Krause aus dem Staatsarchiv Hamburg und Lena Geidner von der Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme) stellten anschließend die „Notfallbox“ vor und berichteten von der Notfallprävention in ihren Einrichtungen.

Dr. Moritz Geuther, Initiator und Leiter des Projekts „Im Notfall gut gerüstet“. Foto: Landschaftsverband Stade
Anschließend konnten die Teilnehmenden auf der Außenterrasse des Bachmann-Museums den Umgang mit nassen Objekten proben. Solche Schäden können etwa durch Hochwasser oder Löschwasser bei einem Brand entstehen. Die vom Landschaftsverband kostenfrei zur Verfügung gestellte „Notfallbox“ ermöglicht die schnelle Erstversorgung von Kulturgut. Der Ernstfall wurde mit Büchern aus dem Fundus des Landschaftsverbands nachgestellt, historische Originale kamen nicht zum Einsatz.
„Notfallanhänger Kulturgut“ für beschädigtes Kulturgut
Im Rahmen des Projekts des Landschaftsverbandes haben alle hauptamtlich geleiteten Einrichtungen aus den Landkreisen im Herbst 2025 kostenlos eine „Notfallbox“ erhalten. Darüber hinaus wurde für jeden der vier Landkreise eine weitere Box angeschafft, die auch kleineren und ehrenamtlich geleiteten Einrichtungen zur Verfügung steht. Zusätzlich hat der Landschaftsverband einen „Notfallanhänger Kulturschutz“ mit umfangreichem Inhalt zur Versorgung und Bergung von beschädigtem Kulturgut beschafft.
Gefördert wird das Vorhaben maßgeblich durch das Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“ (Moorregion Elbe-Weser) mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der VGH-Stiftung sowie aus Eigenmitteln des Landschaftsverbandes Stade.
„Unser Ziel ist es, die Einrichtungen nicht erst dann zusammenzubringen, wenn der Notfall bereits eingetreten ist. Sie sollen vorbereitet sein und wissen, wie sie im Ernstfall gemeinsam handeln können“, bekräftigt Geuther.
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