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Gastronomie

TDas Sterben der Landgasthöfe geht weiter – DEHOGA schlägt Alarm

Immer mehr Landgasthöfe im Altkreis Wesermünde geben auf. 2024 gehörten dazu der Milmer Treff in Midlum (Foto, von links), Zum Wurster Krug in Spieka, der Gasthof Mensing in Rechtenfleth und das Traditionsgasthaus Zur Gemütlichen Ecke in Spieka-Neufeld. Die Gemütliche Ecke steht aktuell vor einer Neueröffnung. Dafür haben 2025 vier weitere Landgasthöfe im Südkreis geschlossen.

Immer mehr Landgasthöfe im Altkreis Wesermünde geben auf. 2024 gehörten dazu der Milmer Treff in Midlum (Foto, von links), Zum Wurster Krug in Spieka, der Gasthof Mensing in Rechtenfleth und das Traditionsgasthaus Zur Gemütlichen Ecke in Spieka-Neufeld. Die Gemütliche Ecke steht aktuell vor einer Neueröffnung. Dafür haben 2025 vier weitere Landgasthöfe im Südkreis geschlossen. Foto: Leuschner (3)/Iven (1)

Das Wirtshaus als Herz des Dorfes steht auf der Kippe. Der Rückgang der Mitglieder und massive Kostensteigerungen verschärfen die Krise der Landgasthöfe und ihres Verbands.

Von Heike Leuschner Sonntag, 15.02.2026, 09:50 Uhr

Kreis Cuxhaven. Die Zeiten werden nicht leichter für Landgasthöfe. Nachdem 2024 unter anderem gleich drei Gasthöfe aus der Gemeinde Wurster Nordseeküste ihre Pforten geschlossen hatten, lag der Schwerpunkt der Betriebsaufgaben im vergangenen Jahr im Süden des Altkreises Wesermünde.

Vier Landgasthöfe weniger innerhalb eines Jahres

Mit der Gastwirtschaft Würger in Uthlede, dem Tafelhof in Sellstedt, dem Krombacher Hof in Elmlohe und Büttelmann in Wollingst verabschiedeten sich 2025 gleich vier Saalbetriebe von der ländlich-gastronomischen Landkarte im Cuxland.

Die Gründe sind verschieden, wiederholen sich aber immer wieder. Mal fehlt der Nachfolger, mal sind es gesundheitliche Gründe, mal der Ruhestand, berichtete der DEHOGA-Kreisvorsitzende Olaf Wurm bei der jüngsten Jahrestagung des Kreisverbandes Wesermünde-Hadeln.

Trauercafés finden mittlerweile in Schützenhäusern statt

„In vielen Dörfern ist man inzwischen daran gewöhnt, dass das Trauercafé neben Pokalen im Schützenhaus stattfindet“, beklagt Wurm die immer weiter schwindende Zahl traditioneller Landgasthöfe - und den damit einhergehenden Mitgliederschwund.

Auf Bezirksverbandsebene, zu der außer dem Kreisverband Wesermünde-Hadeln auch Cuxhaven, Bremervörde, Stade, Osterholz, Rotenburg und Verden gehören, sei die Mitgliederzahl von 2024 zu 2025 von 604 auf 594 gesunken. Der Kreisverband Wesermünde-Hadeln hat im selben Zeitraum vier Mitgliedsbetriebe verloren.

DEHOGA-Vorsitzender ärgert sich über „Trittbrettfahrer“

Noch viel deutlicher wird der Verlust, wenn man auf 2014, das Jahr der Fusion der beiden DEHOGA-Kreisverbände Land Hadeln und Wesermünde, blickt. Damals habe allein Wesermünde noch mehr als 140 Mitgliedsbetriebe in den gemeinsamen Verband eingebracht. Mittlerweile sind es laut Wurm im gesamten Kreisverband Wesermünde-Hadeln nur noch 123.

Dabei braucht der Verband Mitglieder und deren Mitgliedsbeiträge. Auch, um seine Kampagnen zu finanzieren.

DEHOGA-Kreisvorsitzender Olaf Wurm in seinem Restaurant "Fisch&Meer" am Dorumer Tief. (Archivbild)

DEHOGA-Kreisvorsitzender Olaf Wurm in seinem Restaurant Fisch&Meer am Dorumer Tief. (Archivbild) Foto: Scheschonka

Jahrelang rang der DEHOGA um eine dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent für Speisen in der Gastronomie. Profitieren würden von diesem erkämpften Ziel aber nicht nur DEHOGA-Mitglieder, sondern alle. Wurm spricht von „Trittbrettfahrern“.

Gäste müssen weiter hohe Gasthaus-Rechnung zahlen

Der Hoffnung von Restaurantbesuchern, dass die seit 1. Januar 2026 geltende geringere Mehrwertsteuer ihnen auch geringere Preise bescheren könnte, hatten Politik und viele Gastronomen schon im Vorfeld eine Absage erteilt. Dabei wird es aus der Sicht von Dr. Hartmut Meyer auch bleiben.

„Die Mehrwertsteuersenkung gibt Ihnen als Gastronomen eine Atempause, mehr aber auch nicht“, betonte der Fachberater für die Bereiche Hotellerie und Gastronomie bei der DEHOGA-Versammlung im Gasthaus Fisch & Meer in Dorum-Neufeld.

Weitere Preistreiber neben dem gestiegenen Mindestlohn

Auf der anderen Seite der Kalkulation steht nicht nur die Erhöhung des Mindestlohns. Was der Gast nicht sehe, seien hohe Lebensmittelpreise, die „insbesondere beim Rindfleisch exorbitant gestiegen“ seien, so Meyer. Aber auch anhaltend hohe Energiekosten, Hygieneauflagen und vor allem die Zinsentwicklung bezeichnete der Berater als „echten Killer“.

Meyer appellierte an die Branche, ihre wichtigsten Gerichte genau zu kalkulieren. So müsse ein Gastwirt für ein Schweineschnitzel heute nicht mehr 18, sondern mindestens 25 oder 26 Euro haben. Streng genommen sogar noch mehr, aber das würden die Kunden nicht bezahlen.

Zwar sei die Reiselust der Deutschen, auch innerhalb des eigenen Landes, ungebrochen; dennoch müssten Gastronomen mit sinkenden Umsätzen rechnen: „Der Urlaub“, so Meyer, „findet heute vor allem in der Ferienwohnung statt, nicht mehr in den gastronomischen Betrieben.“

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