TNach Deutschlands WM-Aus: Das sagen Experten aus dem Kreis Stade
Bundestrainer Julian Nagelsmann steht nach dem Ausscheiden bei der WM in der Kritik. Auch bei den Fußballern aus dem Landkreis Stade. Foto: Tom Weller/dpa
Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM krachend gescheitert. Die Fans und Experten im Kreis sind enttäuscht und ernüchtert und haben klare Meinungen. Die Reaktionen.
Landkreis. Die deutsche Nationalmannschaft war seit dem WM-Triumph 2014 in Brasilien zwei Mal schon in der Gruppenphase gescheitert. Jetzt schied sie in dem erstmals ausgespielten Sechzehntelfinale gegen Paraguay nach Elfmeterschießen aus.
Lutz Bendler. Foto: FuPa
Lutz Bendler, Trainer und Jugendkoordinator beim JFV D/A & Stade, hatte „schon so ein komisches Gefühl“, wie er sagt. „Es war ein Stück weit abzusehen.“ Er sei noch lange nach dem Abpfiff, bis etwa 3 Uhr, wach geblieben, um viele Meinungen zu hören. Seine Meinung: „Die Entwicklung in den letzten zehn Jahren ist dürftig, enttäuschend“, sagt Bendler. Den jetzigen Trainer Nagelsmann sieht er an einem Punkt, an dem dieser gehen sollte. „Kein Spiel war überragend, im Team ist viel zu viel nicht stimmig“, findet Bendler.

Matthias Quadt. Foto: FuPa
Matthias Quadt, Trainer des VfL Güldenstern Stade, hat aufgrund der späten Anstoßzeiten „generell wenig geguckt“. Das Ausscheiden habe sich für ihn „aber abgezeichnet“. Die Mannschaft habe zu große Probleme gegen körperliche und tief stehende Mannschaften gehabt. „Und ich persönlich mag die Persönlichkeit des Trainers nicht“, sagt Quadt.
Die Erwartungshaltung allgemein runterschrauben
Marko Rosnau, Betreiber des VSV-Treffs der VSV Hedendorf/Neukloster, hat die deutschen Spiele für die Fans gezeigt. „Viele waren natürlich sehr enttäuscht“, sagt der Gastwirt, er habe seiner Kundschaft nahegelegt, die Erwartungshaltung runterzuschrauben. „Wir sollten einsehen, dass Deutschland nicht mehr zur Weltspitze zählt“, so Rosnau. Ihm haben die deutlichen Worte nach dem Ausscheiden gefallen. „Zweitklassig“ wurde unter anderem gesagt.

Marko Rosnau. Foto: Bröhan
Dass das Tor zum vermeintlichen 2:1-Sieg von Tah nicht zählte, habe er befürchtet. Er sah selbst einen „normalen Körperkontakt“ zuvor am gegnerischen Torwart. Vom DFB erwartet Rosnau eine „grundlegende Fehleranalyse“, er sei aber kein Freund davon, jetzt einzelne Personen an den Pranger zu stellen.
Helmut Willuhn, Vorsitzender des NFV-Kreis Stade, ist „enttäuscht“. Die Nationalmannschaft sei aber zurecht ausgeschieden. „Ich weiß nicht, was sie spielen wollten, obwohl man wusste, was einen erwartet“, sagt Willuhn. Undav wurde gebracht, er wurde aber nicht mit Flanken gefüttert. „Motivationslos, planlos, pomadig“ sei das deutsche Spiel gewesen.

Helmut Willuhn. Foto: Tageblatt (Archiv)
Mit dem aberkannten Tah-Tor tut sich der Schiedsrichter schwer. „Man hätte es geben können“, aber andersherum sei es auch nachvollziehbar gewesen, so Willuhn. Er findet, dass Nagelsmann zurecht kritisiert wird. „Es müssen Konsequenzen folgen.“
Neue Impulse von einem bestimmten neuen Trainer
Salim Aichaoui, Trainer des Buxtehuder SV, hatte feste Rituale bei den WM-Spielen und hatte auf mehr gehofft. „Ich finde das traurig“, so Aichaoui, „allerdings hat es sich auch abgezeichnet.“ Der Mannschaft habe der Spirit und Willen gefehlt. „Das war emotionslos.“

Salim Aichaoui. Foto: FuPa
Die Mannschaft brauche neue Impulse, der von vielen gehandelte Jürgen Klopp würde diese bringen, meint Aichaoui.
Das Tah-Tor nicht zu geben, sei für ihn falsch. „Wenn wir den Torwart nur noch mit der Pinzette anfassen dürfen, brauchen wir kein Fußball mehr spielen.“
Filippo Callerame, Trainer des Deinster SV, störte sich die ganze Zeit an der Überbewertung. „Die Euphorie nach dem 7:1 gegen Curaçao war viel zu groß und hat vieles verfälscht“, sagt Callerame, der Sieg gegen die Elfenbeinküste war dann sehr glücklich.

Filippo Callerame. Foto: FuPa
Er vermisste den absoluten Willen und sah ein bisschen Arroganz bei der Nationalmannschaft. Über das Tah-Tor dürfe sich keiner aufregen, auch wenn es hätte zählen müssen. Seine Einschätzung: „Wenn Klopp zur Verfügung steht, kommt er, sonst machen sie mit Nagelsmann weiter“, so Callerame. Seine Empfehlung: „Nagelsmann sollte von seinem hohen Ross runterkommen.“
D/A-Trainer fehlen Ideen und Tempo
„Es ist das eingetreten, was nicht hätte passieren dürfen.“ Das sagt Milan Schweiger, Trainer der SV Drochtersen/Assel II, und deshalb sei das jetzige Aus erwartbar gewesen. „Zu ideenlos, zu wenig Tempo, keine Zielstrebigkeit, keine Eins-zu-eins-Situationen über die Flügel und es fehlte etwas in der Box“, urteilt der Pokalsieger und Oberliga-Aufsteiger.

Milan Schweiger. Foto: FuPa
Das Tah-Tor hätte zählen müssen, das zuvor sei ein alltäglicher, normaler Zweikampf gewesen.
Schweiger setzt auf eine ordentliche Analyse, Kader wie Trainerteam müssten auf den Prüfstand. „Es muss eigentlich Veränderungen geben“, sagt er.

Benjamin Zielke. Foto: FuPa
Benjamin Zielke, sportlicher Leiter der SV D/A II, ist auch aus einem anderen Grund „enttäuscht“. „Wenn man gesehen hat, wie die Jugendlichen und Kinder - auch meine beiden Jungs - mitgefiebert haben, das ist nun vorbei.“ Die Nationalmannschaft habe „nicht gezündet“.
Zur Diskussion über das Tah-Tor hätte es gar nicht kommen dürfen. „Der Anspruch sollte sein, so ein Spiel in der regulären Spielzeit klar für sich zu entscheiden“, sagt Zielke.
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