TDas wurmt den Landrat: Stades Kreisverwaltung gilt als unmodern
Henning Werner (Ramboll) und Landrat Kai Seefried (CDU, rechts) bei einer internen Diskussion der Ergebnisse. Foto: Christian C. Schmidt
Landrat Kai Seefried wagte sich in unbekannte Gewässer: Der Landkreis Stade führte die erste Bürgerbefragung durch. Die Ergebnisse sind da – und sie überraschen.
Landkreis. „Wer fragt, darf keine Angst vor den Antworten haben“, sagte Landrat Kai Seefried bei der Vorstellung der Ergebnisse der ersten Bürgerbefragung im Landkreis Stade. „Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern klar das Signal senden, dass wir ihnen einen guten Service anbieten möchten und an ihrer Meinung interessiert sind“, fügte er hinzu.
Besserer Service ein Wahlkampfversprechen
Seefried übernahm das Amt des Landrats im Landkreis Stade vor vier Jahren. Im Wahlkampf damals stand die Verbesserung des Services für die Bürger weit oben auf seiner Themenliste. Am 13. September will Seefried im Rahmen der Kommunalwahlen wiedergewählt werden.
Nach einer großen öffentlichen Kampagne gingen im vergangenen Jahr 1130 auswertbare Fragebögen mit 2000 textlichen Rückmeldungen ein. Diese Antworten sind jedoch keine repräsentative Bevölkerungsbefragung. Die Verwaltung wird bei diesem Prozess vom Unternehmen Ramboll unterstützt, einer internationalen Ingenieur-, Architektur- und Managementberatung, die die Fragebögen ausgewertet hat.
Risiko: Der Landkreis Stade fragt seine Bürger
Die Tendenz der quantitativen Auswertung sei belastbar und die textlichen Rückmeldungen aufschlussreich, erklärte Seefried. Laut Stader Kreisverwaltung ist der Landkreis Stade in Niedersachsen der erste Kreis, der das Risiko einer Bürgerbefragung eingegangen ist.

Die Zufriedenheit mit dem Bürgerservice ist sehr unterschiedlich. Foto: Landkreis Stade/Ramboll
Die Befragung ergab, dass die Verwaltung in einigen Bereichen gut abschneidet. Die Befragten bewerteten den Service auf einer Skala von eins bis fünf, wobei fünf die Bestnote ist. Die Kreisverwaltung erhielt insgesamt die Note 3,2. Die Information über die Verfügbarkeit der Leistungen wurde mit 3,6 bewertet. Die gut 1000 Beschäftigten der Kreisverwaltung erhielten für ihre Kommunikation Zustimmung: Das direkte Gespräch wurde mit 4,1 und die schriftliche Kommunikation mit 3,9 bewertet. Der respektvolle und höfliche Umgang wurde mit 3,7 bewertet.
Defizite: Hier will der Landrat schnell handeln
Es gibt jedoch auch Defizite: Bürger empfinden den Kontakt mit der Verwaltung als aufwendig. Der Ressourcenaufwand für die Bürger wurde mit 3,2 bewertet. Die Terminbuchungen erhielten die Note 3,1, und die Erreichbarkeit der Kreisverwaltung an allen Standorten wurde mit 3,0 bewertet.
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Seefried reagierte auf diese Ergebnisse und kündigte an, dass sich die Verwaltung im Jahr 2026 besonders um die Erreichbarkeit kümmern werde. Er zeigte Verständnis dafür, dass automatische Antworten auf E-Mails mit Hinweisen auf mehrwöchige Bearbeitungszeiten für die Bürger unbefriedigend seien. Eine erste Idee von Seefried ist, wieder feste Zeiten für Termine ohne vorherige Anmeldung einzuführen.
Problem: Baugenehmigungen werden schlecht bewertet
Der Landkreis Stade wollte auch wissen, wie die verschiedenen Dienstleistungen ankommen. Die Abfallwirtschaftszentren erhielten die Note 3,6. Die Führerscheinbearbeitung wurde mit 3,4 und die Fahrzeugzulassung mit 3,3 bewertet. Unzufriedenheit herrscht bei der Bearbeitung der Baugenehmigungen, die mit 2,7 bewertet wurde.

In den Abfallwirtschaftszentren wird offensichtlich gute Arbeit geleistet. Foto: Landkreis Stade/Ramboll
Die Ausländerbehörde erhielt zufriedenstellende Bewertungen: Einbürgerungen wurden mit 3,4 und die Bearbeitung von Aufenthaltserlaubnissen mit 3,6 bewertet. Diese Ergebnisse sind jedoch unter Vorbehalt, da nur wenige Teilnehmer diese Bewertungen abgaben.

Der Zustand der Straßen und der Radwege sowie die medizinische Vorsorgung sind wichtige Themen. Foto: Landkreis Stade/Ramboll
Die Verwaltung wollte zudem wissen, welche Themen die Bürger bewegen. Genannt wurden Infrastruktur (Kreisstraßen und Radwege), ärztliche Versorgung, Sicherheit, öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Bauen und Wohnen, Natur- und Klimaschutz, Familie, Bildung und soziale Sicherung, Freizeitangebote und Pflege.
Die schlechteste und die beste Note
Diese Antwort störte den Landrat besonders: Auf die Frage, ob die Kreisverwaltung eine moderne Organisation sei, gab es nur die Note 2,6, der schlechteste Wert in der Befragung. Seefried unternahm in seiner Amtszeit einiges, um diesen Eindruck zu verändern. Das öffentliche Wirkungsgrad ist bisher überschaubar.
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Eine positive Nachricht zum Schluss: Die meisten Menschen leben offenbar gerne im Landkreis Stade. Die Frage, ob die Menschen zufrieden mit dem Leben im Landkreis Stade sind, erhielt die Note 4,3, die beste Bewertung in der gesamten Auswertung.
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