TDer Ameisenlöwe hat perfekte Tricks als Insektenräuber
Der Name „Ameisenlöwe“ hört sich gigantisch an. Doch bei diesem Löwen handelt es sich um die Larven eines fliegenden Insekts. Foto: Paulin
„Ameisenlöwe“ hört sich gigantisch an. Ist es ein gewaltiger und gieriger Löwe, der sich auf Ameisen stürzt? Dabei handelt es sich um die Larven eines fliegenden Insekts, das jetzt auch auf der Stader Geest wohnt.
Landkreis. Bei diesem Löwen handelt es sich um Larven eines fliegenden Insekts. Am Ende ihrer Entwicklung ist die Larve etwa 15 Millimeter lang und besitzt am Kopf mächtige Zangen. Damit kann der Ameisenlöwe seine Beute, oft sind es Ameisen, fest packen. Seine Tricks machen ihn zu einem perfekten Insektenräuber.
Der ausgewachsene Ameisenlöwe ähnelt im Aussehen einer kleinen Libelle. Wesentlicher Unterschied ist, dass er bei weitem nicht so schnell und elegant fliegen kann. Der Flug ist eher langsam flatternd.
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Wie jedes Insekt legt die Ameisenlöwin Eier, aus denen kleine Larven schlüpfen. Die machen sich bald an die Arbeit. Jede Larve legt für sich im lockeren Sand einen Trichter an. Wichtige Werkzeuge bei der Arbeit: Kopf und Beine.
Zunächst wird mit Hilfe der Beine eine runde Kuhle ausgebaggert und ausgeschoben. Dann erfolgt der Einsatz des Kopfes. Mit ihm werfen die Larven Sandkörner an den Trichterrand. Größere Körner werden gezielt aus dem Trichter entfernt. Denn der Sand am Rand des Trichters soll gut und leicht rieseln können.
Schwere Arbeit bei der Suche nach feinem Sand
Bis zu einer halben Stunde dauert solch ein Unternehmen. Dann läuft die Larve an den Grund des Trichters und versteckt sich im Sand. Allenfalls ihre Greifzange ragt heraus.
Hier wartet und wartet der minikleine Löwe. Gegenüber kleinsten Erschütterungen reagiert die Larve sofort. Eine Ameise, eine Assel, eine Spinne oder eine mikroskopisch kleine Milbe - sie alle können in den Sandtrichter fallen. Und dann geht es zur Sache.
Der Ameisenlöwe rammt die extrem spitzen Enden der Zange in die Beute hinein. Er packt die Beute fest und betäubt sie mit Gift. Drei Giftdrüsen erzeugen eine höchst wirksame Mischung aus Giftproteinen. Sollte die Beute zu fliehen versuchen, gelingt ihr das in der Regel nicht.
Der Ameisenlöwe schleudert dann Sandkörnchen hoch hinaus, weitere Körnchen rieseln von oben auf das Beutetier, es purzelt den Trichter hinunter und ist endgültig verloren.
Das quälerische Finale dauert 10 bis 30 Minuten
Das Finale ist für die Beute wahrscheinlich quälerisch: Die Lähmung der Beute wirkt nach 10 bis 30 Minuten. Dabei sondert der Ameisenlöwe Verdauungssekrete ab und saugt seine Beute aus. Mehrere Stunden kann das andauern. Die Chitinhülle bleibt übrig und wird aus dem Trichter geworfen.
So elegant und unfallfrei muss der Beuteerwerb aber nicht sein. Manchmal überschätzt sich der Ameisenlöwe. Größere Spinnen oder Insekten können auch einen Ameisenlöwen in Gefahr bringen. Dann versteckt er sich schnell im Sand. Nach ein bis drei Jahren Leben als Larve verpuppt er sich, dann endlich schlüpft der flugfähige Ameisenlöwe. Ameisenjungfer wird er dann auch genannt. Er mag gemischte Kost aus Blattläusen und Blütenpollen.
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Vor 50 Jahren waren Ameisenlöwen bei uns im Norden selten. Sie waren bis dahin in den Sanddünen Ostniedersachsens und des östlichen Bereichs der Lüneburger Heide verbreitet. Das hat sich geändert.
Jetzt leben mit dem Voranschreiten des Klimawandels Ameisenlöwen auch im Bereich der Stader Geest. Zu hohe Temperaturen können aber auch für die an Hitze gewohnten Tiere in ihrem ultraheißen Sandtrichter zu einem erheblichen Problem werden. Sie suchen dann die Schattenseite im Trichter auf, doch manchmal hilft auch das nicht.
Der Autor, die Serie, das Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

Trichter von Ameisenlöwen sind gut zu erkennen. Foto: Hellwege
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