T„Der Dickste geht ins Tor“: D/A-Keeper Heim räumt mit 10 Vorurteilen auf
Jesper Heim spielte vor seinem Wechsel nach Drochtersen für Altona 93, den FC St. Pauli, Steinbach und Flensburg. Foto: Jörg Struwe (nomo)
Torhüter können nicht kicken. Die Handschuhe sind ihnen heilig. Es gibt eine Menge Klischees rund um die Keeper. D/A-Torwart Jesper Heim sagt, ob sie wahr sind oder nicht.
Drochtersen. Seit dieser Saison steht Jesper Heim (26) im Tor des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Hier sind zehn Klischees rund um seinen Job.
1. Torhüter und Linksaußen sind total bekloppt
- Stimmt
„Ich bin auch nicht ganz normal. Zumindest nicht auf dem Platz“, sagt Jesper Heim. Es sei kein normaler Job. Hunderte, Tausende Bälle fliegen pro Woche im Training und im Spiel mit 100 km/h oder mehr auf Heim zu. „Wenn das über Jahre deinen Alltag prägt, macht das was mit einem“, sagt Heim. Erst recht, wenn die Bälle den Unterleib, den Magen oder den Solarplexus treffen.
Torhüter-Legende Oliver Kahn knabberte seinen Gegnern mitunter im Gesicht herum oder raste mit einem Kung-Fu-Tritt auf sie zu. Jesper Heim erzählt in der neuesten Folge des Podcasts „D/A sind wir zuhaus“, er könne sich „relativ gut zusammenreißen“. Aber es brodelt manchmal. „Ich kenne diese emotionalen Gelüste nach körperlicher Auseinandersetzung.“
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2. Torhüter sind Einzelgänger
- Stimmt bedingt
Sie stehen mitunter einsam in ihrem Strafraum und trainieren separat. Aber Torhüter seien Perfektionisten. „Sie machen viel mit sich selbst aus“, sagt Heim. Vielen Feldspielern fehle das Verständnis für das Torwartspiel. Doch auch ein Keeper sei ein kleines Puzzleteil des Spiels. Jesper Heim mag die gemeinsamen Aktionen mit den Mitspielern. Auch wenn es nur das Schnacken in der Kabine ist.
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3. Torhüter laufen nicht gern
- Stimmt nicht
Ausdauertraining ist zwar nicht gerade Jesper Heims persönliches Highlight. Aber er drückt sich auch nicht. Bei seiner letzten Station in Steinbach galt Heim sogar als einer der fittesten Spieler bei den Ausdauertests.
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4. Torhüter sind laut und kommandieren herum
- Stimmt
Jesper Heim vergleicht seine Position mit der eines Quarterbacks beim Football. Vor allem, was die Spieleröffnung angeht. Ein Keeper hat die Übersicht. „Ich empfinde es als meine Pflicht, und die Trainer fordern das auch ein, von hinten lautstark darauf hinzuweisen, wenn Gefahr droht“, sagt Heim.
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5. Torhüter sind generell schuld an den Gegentoren
- Stimmt nicht
Es gibt unhaltbare Bälle im Fußball. Dieses Klischee kann Jesper Heim also nicht bestätigen. Was Heim aber nahegeht, sind Situationen, in denen Berufskollegen nach Fehlern ausgewechselt werden. Zuletzt hatte es in der Premier League einen Keeper nach zwei Patzern beim Spielaufbau erwischt. „Das muss sich beschissen anfühlen“, sagt Heim. Das tut ihm beim Zusehen weh. Ein Trainer will den Spieler womöglich schützen. Aber der Torhüter empfinde das eher als Demütigung.
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6. Torhüter haben komische Rituale und Ticks
- Stimmt bedingt
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7. Torhüter können nicht kicken, und der Dickste geht ins Tor
- Stimmt nicht
Auf hohem Niveau haben, so Heim, Torhüter zu 80 oder 90 Prozent Aktionen mit dem Fuß. Torhüter müssen Fußball spielen können. Der Fußball habe sich geändert. Heim erinnert sich an 2018: „Der Torhüter sollte den Ball so lang wie möglich schlagen.“ Beim modernen Pressing des Gegners bleibt der Torwart heute als einziger freier Mann über und muss das Passspiel beherrschen. Heim fordert beim Trainer ein, dass das entsprechend trainiert wird.
Jesper Heim war übrigens nie pummelig. „Ich hatte höchstens Energiereserven“, sagt er.
8. Torhüter meckern gern
- Stimmt
9. Torhüter werden im Alter erst richtig gut
- Stimmt nicht

TAGEBLATT-Sportchef Daniel Berlin spricht mit D/A-Keeper Jesper Heim (links) über ein besonderes Spiel, Klischees rund um die Torhüter und ob Spucke im Handschuh wirklich hilft. Foto: Rambow (nomo)
10. Torhüter sind extrem eigen, was ihre Handschuhe angeht
- Stimmt
Die Handschuhe sind ein Heiligtum. Wenn es sportlich läuft, trägt Heim ein Paar über mehrere Wochen. Nach der jüngsten 0:3-Niederlage gegen Weiche Flensburg mussten ein paar neue Handschuhe her. Er spielt sie ein, wäscht die Chemikalien aus der Oberfläche. Die alten verschenkt er an Fans.
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Handschuhe müssen eng sein, aber dürfen nicht drücken. Die Oberfläche muss weiß sein, damit er Dreck erkennen kann. Leicht angefeuchtet. Nicht trocken, nicht zu nass. „Spucken bringt wirklich was“, sagt Heim.

Jesper Heim verschenkt seine Handschuhe, wenn er mit ihnen ein Spiel verliert. Foto: Jörg Struwe
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