TDiagnose Prostatakrebs: Ein Betroffener aus Buxtehude erzählt
Dass Jochen Schrum aus Buxtehude über seine Prostatakrebserkrankung öffentlich spricht, ist mutig. Foto: Sulzyc
Die Diagnose Prostatakrebs traf den heute 79-Jährigen aus Buxtehude vor zwei Jahren überraschend. Seine Geschichte macht Mut.
Buxtehude. Nichtsahnend begibt sich der Buxtehuder Jochen Schrum im November 2024 zum Gesundheits-Check-up bei seinem Hausarzt. Die kostenfreie Vorsorgeuntersuchung im Drei-Jahres-Rhythmus ist für den damals 78-Jährigen Routine. „Bis dahin habe ich keine Probleme gehabt“, sagt der frühere Betriebswirt.
Dieses Mal entdeckt der Hausarzt einen auffällig hohen PSA-Wert. Der Blutwert PSA (Prostataspezifisches Antigen) ist ein wichtiger Hinweis in der Früherkennung von Prostatakrebs.
Frühzeitig erkannt, ist die Überlebensrate hoch
Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht automatisch, dass Krebs vorliegt. Klarheit bringen im Februar das Ergebnis einer speziellen Magnetresonanztomographie (MRT) zur Prostatauntersuchung und eine Gewebeuntersuchung bei einem Urologen.
„Von 13 auffälligen Stellen an der Prostata waren elf positiv. Das bedeutet: Das ist Krebsgewebe“, nennt Jochen Schrum seinen Befund. Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten sterben 15.196 Männer pro Jahr in Deutschland an Prostatakrebs. Aber: Die Überlebensrate ist steigend: 92 Prozent der Patienten sind nach fünf Jahren noch am Leben.
Diagnose Prostatakrebs: So nahm er es auf
Manchen hätte die Schock-Diagnose aus der Bahn geworfen - Jochen Schrum nicht. Seine Gedanken sind klar: „Das ist der Befund - so geht es weiter“, sagt er sich.
Weiter, das bedeutet bei Jochen Schrum ein chirurgischer Eingriff. 92 Prozent der Patienten sind nach fünf Jahren noch am Leben. Im September 2025 wird er in Stade operiert. Nach der Operation an einem Dienstag verlässt Jochen Schrum am darauf folgenden Sonnabend die Klinik wieder.
Sechs Wochen später spielt Jochen Schrum wieder Boule im Buxtehuder Stadtteil Altkloster. Das Präzisionsspiel mit dem Werfen von Kugeln ist sein großes Hobby.
Um auszuschließen, dass möglicherweise unentdeckt gebliebene Krebszellen in benachbartes Gewebe erneut streuen, unterzieht sich Jochen Schrum noch einer Bestrahlung in Stade - sieben Wochen lang, täglich jeweils eine Minute. „Man liegt ganz still, damit der betroffene Punkt gezielt getroffen wird“, erzählt er.
Körperlich belastet habe ihn die Bestrahlung nicht. „Gesundheitscheck, das sollte man mal machen“, lautet sein Ratschlag.
Wie viele Männer jedes Jahr erkranken
Ab 45 Jahren können Männer kostenlos am gesetzlichen Früherkennungsprogramm teilnehmen und sich jährlich die Prostata abtasten lassen. Den von Experten empfohlenen PSA-Test bezahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen bisher nicht.
Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart beim Mann. Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland 194 von 100.000 Männern neu an Prostatakrebs. Insgesamt erhalten 79.610 Männer jährlich die Diagnose Prostatakarzinom. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren.
Selbsthilfegruppe trifft sich in Buxtehude
Die Prostatakrebserkrankung im Griff zu behalten, dazu trägt die Selbsthilfegruppe Prosta Cura im Landkreis Stade bei. Immer am ersten Mittwoch des Monats treffen sich Erkrankte und Angehörige jeweils ab 18 Uhr im Gemeindezentrum der St.-Paulus-Kirchengemeinde in Buxtehude, Finkenstraße 53.
10 bis 15 Menschen besuchen monatlich die Treffen der Selbsthilfegruppe. Einer von ihnen ist Jochen Schrum. „Man kann Tipps und Hinweise bekommen“, sagt er.

Frank Mertel aus Buxtehude leitet die kreisweite Selbsthilfegruppe Prosta Cura. Foto: Sulzyc
Seit der Gründung im Januar 2023 leitet Frank Mertel die Gruppe. Der 84-Jährige aus Buxtehude ist selbst an Prostatakrebs erkrankt. Schon mehrfach sei er dem Tod von der Schippe gesprungen, sagt er über sich selbst.
Vortrag zu Prostatakrebs am Mittwoch, 7. Oktober
Zu einem öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabend am Mittwoch, 7. Oktober, 18 bis 19.30 Uhr, im Eventraum Petri-Platz der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Bahnhofstraße 18 in Buxtehude, lädt die Gruppe Prosta Cura ein.
Unter dem Titel „Mann, trau dich! – Geh zur Vorsorge!“ informiert der Urologe Dr. Phillip Marks über die Möglichkeiten der modernen Prostatakrebs-Früherkennung.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen, die viele Männer beschäftigen. Wann sollte man mit der Vorsorge beginnen? Bedeutet ein erhöhter PSA-Wert automatisch Krebs? Wann ist eine MRT-Untersuchung sinnvoll? Und muss ein entdeckter Tumor immer sofort operiert oder bestrahlt werden? Der Eintritt ist frei.
Was die Prostata-Früherkennung bedeuten kann, zeigt die Geschichte von Jochen Schrum. Trotz Diagnose Prostatakrebs: Heute steht der 79-Jährige wieder drei Mal in der Woche auf dem Boule-Platz. „Ich bin einer, der gut davongekommen ist“, sagt er.
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