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Naturphänomene

TDie Lachmöwe zetert nicht mehr: Die Anzahl der Küken sinkt erheblich

Lachmöwen gehörten vor 30 Jahren zur Region an der Elbe.

Lachmöwen gehörten vor 30 Jahren zur Region an der Elbe. Foto: Schaffhäuser

Die Lachmöwe mit ihrer tiefschwarzen Kappe im Sommer hat Probleme: In den letzten Jahren ist die Anzahl der Küken fast um die Hälfte geschrumpft. Das steckt dahinter:

Von Kurtze Freitag, 13.03.2026, 21:20 Uhr

Landkreis. Lachmöwen kennt man. Ihr besonderes Kennzeichen: Im Sommer haben sie am Kopf eine tiefschwarze Kappe, im Winter ist der Kopf weiß. Vor 20 oder 30 Jahren waren Lachmöwen in Stade oder Buxtehude nichts Besonderes. Im Winter saßen sie exakt aufgereiht auf Hausdächern oder Brückengeländern. Immer waren sie auf einen Abstand von 30 Zentimetern zur Nachbarmöwe bedacht.

Lautes futterneidisches Gezeter und spöttisches Gelächter - so war sie zu hören. Heute ist es ruhig geworden, denn Lachmöwen sind selten gewordene Gäste bei uns. Aber wir wissen inzwischen mehr über diese Möwe. Zählungen, Magenuntersuchungen, Besenderungen und Beringungen erbrachten besorgniserregende Daten.

Lachmöwen verschwinden aus der Region

So war die Situation 1990: Lachmöwen sind das Paradebeispiel für einen sehr anpassungsfähigen Brutvogel. In Norddeutschland sind sie im Binnenland häufig. Ihre Lieblingsspeise – Regenwürmer, Schnecken oder Insekten – ist reichlich vorhanden. Im Mai brüten sie auf Inseln oder auf feuchten Wiesen. Ornithologen ermitteln einen Bruterfolg von 2,1 Küken pro Brutpaar.

Im Winter sind die Lachmöwen Vagabunden. Sie besuchen gern auch Städte wie Stade, Kiel oder Braunschweig. Weibliche Lachmöwen und Jungmöwen wandern oft weiter; bis nach Afrika kann es sie treiben. Einige von ihnen lieben Müllplätze, denn dort gibt es immer etwas zum Fressen. Oder es lockt sie an die Küsten von Nord- und Ostsee oder Mittelmeer. Im Spülsaum lässt sich reichlich Nahrung finden.

Anzahl der Küken ist fast um die Hälfte gesunken

Das ist die Situation 2025: In ganz Europa und auch in Norddeutschland ist die Anzahl der Brutpaare um fast ein Drittel zurückgegangen. Im Binnenland wurden nahezu alle Brutplätze aufgegeben. Zum Brüten ist die Meeresküste geblieben. Aber auch im Bereich der Küsten ist an einigen Brutplätzen die Anzahl der Brutpaare zurückgegangen. Dagegen sind in der Stadt gelegentlich Kiesdächer zum Brüten interessant geworden. Doch die Anzahl der Küken ist in Norddeutschland um fast die Hälfte auf 1,2 Küken pro Nest gesunken. Wanderfreudig, das zeigen besenderte Tiere, sind Lachmöwen immer noch. Da hat sich im Vergleich zu 1990 wenig geändert.

Es irritiert, dass ein Nullachtfünfzehn-Vogel an seine Grenzen gekommen ist. Die Ursachen? Nach Auswertung vieler Daten sagt die Wissenschaft: Etliche geeignete naturnahe Brutplätze sind rar geworden. Sie wurden inzwischen entwässert oder sind durch sommerliche Dürren verschwunden. Damit in Verbindung steht der Mangel an abwechslungsreicher und ausreichender Nahrung besonders während der Brutzeit.

Vogelgrippe, Marderhund und Klimawandel

Auch ist das Futter der Küken vermehrt mit Abfällen und Plastikteilen belastet. Das zeigen Untersuchungen von deren Mägen. Die Folge: Lachmöwen und deren Küken sind körperlich nicht mehr so fit. In den letzten Jahren sind weitere Probleme für die Lachmöwe hinzugekommen: Die Vogelgrippe hat zugeschlagen. Zu den bekannten Feinden wie Rabenkrähe, Wanderratte oder Fuchs kommen neue hinzu: Marderhund oder Waschbär zum Beispiel.

Nicht zu vergessen sind menschengemachte Klimaturbulenzen und der Anstieg des Meeresspiegels. Sturmfluten und Landunter zur Brutzeit sind häufiger geworden. Heute werden dadurch mehr Gelege zerstört als früher. Die Lachmöwe zeigt als Paradebeispiel die vielen Umweltprobleme und deren Folgen deutlich. Hier bündeln sich bekannte Probleme, die scheinbar niemand lösen kann und will.

Serie und Buch

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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