T„Die erpressen mich“: Teakmöbel-Fall weitet sich aus
Eine Mitarbeiterin von Katja Schulze vor den Teakholz-Stühlen. Sie hält die Rechnung und Quittung hoch, die der Fahrer des Transporters ihrer Chefin überlassen hat. Foto: Masorat
Es wird immer mysteriöser: Jetzt meldet sich jemand aus Grobritannien. Geld gebe es zurück, aber nur wenn negative Zeitungsartikel gelöscht werden. Die Hintergründe.
Loxstedt. In die Fälle rund um den Verkauf von Teakholzmöbeln kommt Bewegung. Berichtet worden waren Vorkommnisse in Loxstedt im Kreis Cuxhaven und dem Altkreis Wesermünde berichtet. Nun gibt es nicht nur einen weiteren Fall aus Oldenburg, sondern auch Betroffene, die sich nach eigenen Aussagen unter Druck gesetzt fühlen.
Zu tun hat dies mit der Argumentation der an den Transaktionen beteiligten Firma „Barlow Outdoor Living“, die auf Forderungen nach einer Rückabwicklung nun reagierte. Und das teilweise rigoros. Darüber berichtet die „Nordsee-Zeitung“.
Ausstellung in Tarmstedt, Fähre nach England
Zur Erinnerung: Nach den bisherigen Schilderungen der Betroffenen erzählten Händler, deren Transporter die Aufschrift „Barlow Outdoor Living“ trugen, von Ausstellungen und einer angeblich noch am selben Tag zu erreichenden Fähre nach England.
Katja Schulze, die in Loxstedt ein Geschäft für Raumausstattung führt, berichtet von einem Fahrer, der ihr Tische und Bänke zunächst als Geschenk anbot und sinngemäß gesagt haben soll: „Es ist wie Weihnachten“. Erst später habe sie dessen Angaben geprüft, stellte Parallelen zu anderen Fällen fest und fragte sich, ob die Möbel tatsächlich aus Teakholz bestehen. Ähnlich lief es auch bei anderen Betroffenen.
Schulze erzählt nun davon, was passierte, nachdem sie von „Barlow Outdoor Living“ die Rückabwicklung verlangte. Ihren Ausführungen zufolge erklärte sich die englische Firma zunächst zur Rückzahlung und Abholung bereit.

Der Screenshot zeigt die Internet-Startseite des englischen Möbelanbieters „Barlow Outdoor Living“. Foto: Screenshot
In einer E-Mail, die der „Nordsee-Zeitung“ vorliegt, machte ein Mann namens James Walker dies jedoch davon abhängig, dass alle negativen Zeitungsartikel über das Unternehmen entfernt würden. Dieselbe Forderung hatte Walker zuvor auch gegenüber der Redaktion der „Nordsee-Zeitung“ geäußert. Die Berichterstattung sei aus Sicht der Firma „diskriminierend und schädigend“.
Katja Schulze
Damit verbindet Walker einen geschäftlichen Konflikt mit einem Eingriff in die redaktionelle Arbeit – und setzt die betroffene Kundin so zusätzlich unter Druck.
Schulze betont derweil, wie bedrängt sie sich fühlt. Dabei nimmt sie auch das Wort „Erpressung“ in den Mund. „Ich bekomme mein Geld nur zurück, wenn ich öffentlich erkläre, dass dies alles nicht so war.“ Vorsorglich habe sie einen Anwalt eingeschaltet.
Prüfung von Ausstellungsdatum und Aussteller
Und dann holt sie nochmals aus: Der mutmaßliche Täuschungscharakter sei ihr erst nach und nach aufgefallen. Zwei Personen hätten ihr unabhängig voneinander „praktisch dieselbe Geschichte mit Ausstellung, Zeitdruck und Fähre“ erzählt. Daraufhin habe sie Ausstellungsdatum, Aussteller und Unterlagen geprüft.
Auch aus anderen Regionen habe sie von ähnlichen Fällen gehört. Wegen der Maserung bezweifelten Menschen mit Holzkenntnissen, dass es sich um Teak handele. Ein Wassertest habe ebenfalls nicht das erwartete Ergebnis gebracht. Schulze betont indes, dass dies bislang nur „DIY-Diagnostik“ und bislang kein belastbarer Nachweis sei. Tests durch professionelle Labore gebe es demnach bislang nicht.
Die E-Mail-Korrespondenz zwischen Schulze und Walker lässt indes noch tiefer blicken. Am 14. August wandte sich die Raumausstatterin an „Barlow Outdoor Living“. Darin erklärte sie, dass ein Mann unangekündigt in ihr Geschäft gekommen sei und erklärt habe, er komme von einer Ausstellung in Tarmstedt. Man habe ihn zu ihr geschickt. Noch am selben Abend müsse er über Calais die Fähre nach Dover erreichen.

Diese Teak-Stühle hat Katja Schulze vom Transporter-Fahrer übergeben bekommen. Foto: Masorat
Zunächst habe der Mann gesagt, Tische und Bänke gebe es kostenlos, weil er sie nicht zurücktransportieren könne. Erst beim Abladen habe er erklärt, so Schulze, dass die Stühle bezahlt werden müssten. Immer mehr Möbelstücke seien ausgeladen worden. Die Situation habe sich schnell und unter erheblichem Zeitdruck entwickelt.
Am Ende habe Schulze fünf Tische, fünf Bänke und 30 Stühle für 9.000 Euro erhalten. 2.000 Euro habe sie per Karte bezahlt, eine Überweisung über 7000 Euro sei von ihrer Bank gestoppt worden. Erst danach habe sie festgestellt, dass die Ausstellung in Tarmstedt bereits rund zwei Wochen zuvor beendet gewesen sei.
Englischer Händler verlangt, Artikel zu löschen
Schulze machte Walker auch darauf aufmerksam, dass ihr andere Personen und Betriebe von ähnlichen Verkäufen berichtet haben, einschließlich derselben Fährgeschichte. Deshalb habe sie die Rückzahlung der 2.000 Euro und die Abholung der Möbel gefordert.
Es ist ein Zusammenhang. Nicht jedoch das, was Walker noch am 14. August antwortete. So begrüße „Barlow Outdoor Living“ Schulzes direkte Kontaktaufnahme und betonte, dass sich die Angelegenheit womöglich „schnell und gütlich“ hätte regeln lassen, wenn Schulze sich früher gemeldet hätte.
Man sei bereit, die 2.000 Euro vollständig zurückzuzahlen und die Möbel abzuholen. Zugleich habe man „ernsthafte Bedenken“ gegen die Darstellung des Unternehmens in der lokalen Zeitung. Mit der erwähnten Forderung.
Einen Tag später, am 15. August, nannte Schulze drei Bedingungen für die Rückgabe. Die Möbel müssten bis zum 29. August abgeholt werden, weil an diesem Tag eine Veranstaltung auf ihrem Gelände stattfinde.
Die Ware werde erst nach Eingang der 2.000 Euro herausgegeben, alternativ könne die Firma bei der Abholung bar zahlen. Außerdem müsse der Termin vorher feststehen, damit ihr Partner als Zeuge anwesend sein könne. Walker stimmte diesen Punkten zu. Bei der zentralen Forderung blieb es jedoch. Die Einigung stehe unter der Voraussetzung, dass die Zeitung die Artikel entferne.
Unbeachtet lässt die Firma in diesem Zusammenhang, welche Aufgabe eine freie Presse hat: die Vorwürfe der Kunden aufzugreifen, die Angaben zu prüfen, die Abläufe zu rekonstruieren und dem betroffenen Unternehmen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. All dies ist geschehen. Es handelt sich in diesem Fall um eine Verdachtsberichterstattung. Für das betroffene Unternehmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall muss nun juristisch geklärt werden.
Oldenburg: Rechnung wird nicht bezahlt
Unterdessen ist der „Nordsee-Zeitung“ ein Vorfall bekannt geworden, der auf sich auf sehr ähnliche Weise in Oldenburg ereignet haben soll. So schildert der Mitarbeiter eines dort ansässigen Sozialverbands am 19. August einen vergleichbaren Ablauf.
Demnach haben zwei Altenwohnzentren im Raum Ostfriesland Ende Juli Besuch von einem Mann bekommen, der mit einem Sprinter vorfuhr und nach eigenen Angaben aus Schottland stammte. Er soll gesagt haben, von einer Ausstellung auf Schloss Gödens zu kommen und noch am selben Tag die Fähre nach England erreichen zu müssen. Mehrere wertvolle Teakholzmöbel habe er angeblich nicht verkaufen können und biete sie deshalb günstig an.
Stühle sollten 250 statt 600 Euro kosten, drei Bänke und Tische gebe es kostenlos dazu. Beide Einrichtungen hätten zunächst begeistert auf das Angebot reagiert und die Stücke gekauft, weiß der Mitarbeiter des Sozialverbands. Eine Rechnung über 3.600 Euro sei bezahlt worden, eine weitere über 5.200 Euro zunächst nicht.
Danach sei die Situation gekippt, wie der Oldenburger ausführt. „Der Händler terrorisiert seit einigen Tagen die Einrichtung mit vielen Anrufen und E-Mails wegen der unbezahlten Rechnung.“ Der Hinweisgeber vermutet, dass minderwertige Holzmöbel zweifelhafter Herkunft unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verkauft wurden.
„James Walker“ und „Alistair McKenzie“
Aus seiner Sicht diene die Aussage über die Ausstellung auf Schloss Gödens und mit der schnell zu erreichenden Fähre dazu, „Kunden zu überrumpeln und Zeitdruck aufzubauen“.
Antwortete bei Katja Schulze noch ein Mann namens „James Walker“, so war das Schreiben nun mit „Alistair McKenzie“ unterschrieben. Dieser pochte dem Sozialverband gegenüber auf die offene Forderung. Die nicht erfolgte Zahlung sei „nicht akzeptabel“. Ermittlungen gegen das Unternehmen oder Fahrer hätten „keinerlei Bezug“ zum konkreten Kauf.
Die Waren befänden sich seit mehr als 14 Tagen im Besitz der Einrichtung, so McKenzie. Die nachträgliche Entscheidung, nicht zu zahlen, führe „nicht automatisch zur Stornierung der Transaktion oder zum Erlöschen der ausstehenden Forderung“.
Website der Firma nicht mehr zu erreichen
Eine Rückholung auf Kosten der Firma lehnte McKenzie ab. Er forderte binnen sieben Tagen die Zahlung der 5.200 Euro. Andernfalls werde man „die notwendigen Schritte zur Eintreibung des ausstehenden Betrags zuzüglich Zinsen“ einleiten. In weiteren Mails drängt er auf „umgehende Zahlung“ und schreibt, er wolle „keine weiteren Anrufe tätigen oder Mahnungen“ versenden müssen.
All diese Korrespondenzen erfolgten noch vor dem vergangenen Wochenende. War die Internetpräsenz von „Barlow Outdoor Living“ bis dahin noch erreichbar, so ließ sich die Website am Montag, 24. August, gleichwohl nicht mehr aufrufen.

Der Screenshot zeigt die Internet-Startseite des englischen Möbelanbieters „Barlow Outdoor Living“. Foto: Screenshot
Die Polizeiinspektion Cuxhaven teilt derweil in der „Nordsee-Zeitung“ mit, dass es derzeit „keinen neuen Ermittlungsstand“ gebe. Eine rechtliche Würdigung durch die Staatsanwaltschaft werde angeregt und stehe noch aus. „Erst danach können gegebenenfalls weitere Schritte und Ermittlungen veranlasst werden“, so Sprecher Stephan Hertz. Bislang seien im Bereich der Polizeiinspektion Cuxhaven zwei Fälle zur Anzeige gebracht worden.
Dass die Website der Firma „Barlow Outdoor Living“ inzwischen nicht mehr erreichbar ist, sei eine Information, die in die weiteren Ermittlungen aufgenommen werde.

Ist die Homepage der Firma „Barlow Outdoor Living“ bis zum Wochenende noch zugänglich gewesen, so stellt sich die Internetpräsenz seit Montag, 24. August, so dar: „Die Website ist nicht erreichbar“, heißt es nun. Foto: Screenshot
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Katja Schulze