TDie kleine Hand des Täters: 1974 brannte die Himmelpfortener Schule
Der Brand zerstörte die Mittelpunktschule Himmelpforten zu großen Teilen. Nur wenige Räume waren danach als Klassenräume zu nutzen. Foto: Heimat- und Schulmuseum
Dort, wo jetzt Grundschüler toben und neu gebaut wird, stand bis 1974 die Himmelpfortener Mittelpunktschule. Dann legte ein Brandstifter Feuer. Kommissar Käsebier ermittelte.
Himmelpforten. „Millionenschaden bei Großfeuer in Himmelpforten: Brandstiftung in der Schule - Täter legte an 5 Stellen Feuer“. Unter dieser Überschrift berichtete das TAGEBLATT am Sonnabend, 1. Juni, und blickte auf die Brandnacht: Eine Frau habe am Freitag um 0.25 Uhr die Flammen bemerkt, die aus dem Dach der Schule schlugen.
Kurze Zeit später traf die Feuerwehr ein, „mit fünf Löschfahrzeugen aus Himmelpforten, Hammah, Burweg und Breitenwisch sowie 70 Feuerwehrleuten“.
Schwelbrand im Dachgeschoss
Der TAGEBLATT-Artikel zitiert Gemeindebrandmeister Helmut Burfeindt: „Als wir am Einsatzort ankamen, brannte die Schule an drei Stellen. Flammen schlugen aus dem Dach und aus den Fenstern.“

Das Großfeuer, das die Mittelpunktschule Himmelpforten zerstörte, sorgte in der Ausgabe vom 1. Juni 1974 für Schlagzeilen im TAGEBLATT. Foto: TAGEBLATT
Hauptproblem war der Schwelbrand, „der das gesamte Gebäude in eine dichte, giftige Qualmwolke hüllte“. Die Dachkonstruktion aus Holz, Rigips und Teerpappe war „nicht zu halten. Wir mussten uns also auf das Ablöschen des Brandes beschränken.“
Parallel zur Brandbekämpfung nahm die Polizei die Ermittlungen auf. Knapp vier Wochen zuvor hatte es bereits eine Brandstiftung gegeben.
Kriminalhauptkommissar Günther Käsebier schilderte das Vorgehen des Brandstifters: „Der Täter hat - wie auch schon in der Nacht zum 1. Mai - in einer Ecke des Gebäudes, die von keiner Seite einzusehen ist, eine verglaste Tür zu einem Klassenraum eingeschlagen und den Türheber betätigt.“
Zwei Millionen Mark Schaden
Ein Indiz: Das Loch sei nicht sehr groß gewesen, der Täter müsse also eine eher kleine Hand haben. Der Täter habe Schultische zusammengeschoben, Bücher gestapelt, brennbares Material darauf gesetzt und den Haufen angezündet. Die Flammen breiteten sich über die Decke rasch aus.

Aus dem Archiv: Das ausgebrannte Dachgeschoss der ehemaligen Mittelpunktschule Himmelpforten. Foto: TAGEBLATT
Am Ende war die Mittelpunktschule Himmelpforten zerstört, der Schaden betrug mindestens zwei Millionen Mark. Eine Woche nach dem Feuer entbrannte eine Diskussion über die Konstruktion der 1965 gebauten Schule. Experten monierten unter anderem fehlende Brandmauern, auch die Feuerwehr übte Kritik an der Bauweise des Daches.
Regierungspräsident setzt Belohnung aus
Schon wenige Stunden nach dem Großfeuer hatte der Stader Regierungspräsident laut TAGEBLATT eine Belohnung von 2000 Mark für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen könnten.

Trümmer der Dachkonstruktion liegen nach dem Großfeuer in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1974 in der zerstörten Schule. Foto: Heimat- und Schulmuseum
Die Polizei hatte Erfolg. Sie konnte auf Zeugenaussagen und eine Schriftprobe zurückgreifen. Schon beim ersten Brandstiftungsversuch war an der Tafel ein Satz ins Auge gefallen: „Leider sind wir gestört worden, Zoro“.
Ein strafunmündiger 13-Jähriger geriet schnell in den Fokus. Die Stader Kriminalpolizei überführte ihn mittels Schriftexpertise eines Sachverständigen. Der Junge legte keine zwei Wochen nach dem Brand ein umfassendes Geständnis ab. Der TAGEBLATT-Reporter bezieht sich in seinem Artikel zum Motiv auf die Polizei: „übersteigerte Geltungssucht“ und „Kontaktschwierigkeiten“.
Schüler werden im Wechsel unterrichtet
Die Schule indes improvisierte: Kollegium und Eltern einigten sich auf Schichtunterricht. Nur noch vier intakte Klassenräume waren in der Mittelpunktschule in der Poststraße zu nutzen. Andere Räume fanden sich unter anderem in der Grund- und in der damaligen Landwirtschaftsschule Himmelpforten, die Samtgemeinde Himmelpforten stellte Räume in der ehemaligen Sparkasse zur Verfügung - 16 Klassen mussten zunächst weiter unterrichtet werden.
Für Diskussionen sorgte, wie es mit dem Schulstandort weitergehen sollte. Der Samtgemeinderat beschloss, ein neues Schulzentrum zu bauen. Schon 1975 zogen die ersten Klassen in die am neuen Standort gebaute Porta-Coeli-Schule mit Haupt- und Realschule und Orientierungsstufe. Die Grundschule blieb auf dem Gelände in der Poststraße.
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