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Kriminalität

TDiebstahl und sexuelle Übergriffe: Wenn die Kreuzfahrt zum Albtraum wird

Bis zu 10.000 Menschen fahren auf einem Kreuzfahrtschiff mit (Symbolbild). Da ist es kaum zu verhindern, dass es zu Straftaten kommt. Eine Studie aus Bremerhaven greift dieses Thema auf.

Bis zu 10.000 Menschen fahren auf einem Kreuzfahrtschiff mit (Symbolbild). Da ist es kaum zu verhindern, dass es zu Straftaten kommt. Eine Studie aus Bremerhaven greift dieses Thema auf. Foto: Frank Molter/dpa

Urlaub auf See, Tausende Menschen, wenig Abstand. Eine Studie wertet aus, welche Straftaten auf Kreuzfahrtschiffen vorkommen. Es zeigt sich aber auch, dass es ein Tabuthema ist.

Von Joachim Göres Sonntag, 26.04.2026, 08:00 Uhr

Bremerhaven. Eine Kreuzfahrt dauert im Schnitt eine Woche, bis zu 10.000 Menschen sind inzwischen auf den Gigalinern auf den Meeren der Welt unterwegs. So viele Menschen auf engem Raum - da sind Konflikte und auch Straftaten an Bord nicht ausgeschlossen. Professor Dominic Kudlacek, Leiter des Studiengangs „Integrated Safety and Security Management“ an der Hochschule Bremerhaven, wollte es genauer wissen und startete die Studie „Crime at Seas“. Sein erster Eindruck: Ein Tabuthema, zu dem es kaum Informationen gibt. „Das ist ein riesiges schwarzes Loch“, sagte er bei der Vorstellung seiner Studie auf dem Deutschen Präventionstag in Hannover.

Offizielle Zahlen gibt es nur in den USA

Nur in den USA gibt es laut Kudlacek offizielle Zahlen über Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen. Für die Monate April, Mai und Juni des vergangenen Jahres weist diese Statistik 43 Straftaten für rund 100 Kreuzfahrtschiffe mit 700.000 Menschen an Bord auf, die in Häfen der USA anlegten. Mit weitem Abstand an der Spitze liegen dabei Sexualdelikte, von der sexuellen Belästigung bis zur Vergewaltigung. „43 Straftaten auf 700.000 Menschen sind wenig plausibel, die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“, sagt Kudlacek.

Er hat die wenigen wissenschaftlichen Studien ausgewertet, die Zahlen zu dem Thema liefern. Eine US-Studie nennt Zahlen aus einer Branchenstatistik für den Zeitraum 2003 bis 2005. Danach kam es bei 31 Millionen Fahrgästen zu 178 sexuellen Übergriffen, 24 vermissten Personen und vier Raubüberfällen. Danach fanden die Straftaten überwiegend zwischen Passagieren statt, gefolgt von Crewmitgliedern als Täter und Passagieren als Opfer sowie Straftaten innerhalb der Besatzung. Nach einer anderen Untersuchung aus dem Jahr 2011 kam es innerhalb von einem Jahr zu 92 Fällen von sexueller Gewalt auf Kreuzfahrtschiffen, bei denen vor allem Besatzungsmitglieder und Minderjährige unter den Opfern waren.

Häufigste Straftaten: Diebstahl und sexuelle Übergriffe

Angesichts der oft vagen Aussagen und auffallend niedrigen Fallzahlen versucht Kudlacek selber etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, durch Interviews mit 15 Personen, die mindestens zwei Jahre als Crewmitglieder auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs waren. Nach ihren Aussagen geht es bei Straftaten an Bord vor allem um Diebstähle. „Immer wieder wurde in den Interviews von ‚normalem Schwund‘ im kleineren Rahmen gesprochen, mit dem man rechnen muss“, sagt Kudlacek.

An zweiter Stelle stehen danach sexuelle Übergriffe, von denen vor allem Bordpersonal und vereinzelt Passagiere betroffen seien. Seltener seien Schmuggel, Drogen und Vandalismus auf Kreuzfahrtschiffen. „Vorfälle werden an die Vorgesetzten gemeldet. Behörden werden nur bei schwerwiegenden Fällen informiert, wie zum Beispiel bei sexuellen Übergriffen, die durch Aufnahmen der Bordkameras auch belegt werden können“, so Kudlacek. Sprich: Es wird so wenig wie möglich an die große Glocke gehängt. Bei Vergehen innerhalb der Crew versuchen Vorgesetzte, Konflikte intern zu regeln.

Kreuzfahrt-Passagiere sollen befragt werden

Alkohol spiele die wichtigste Rolle bei Schlägereien, Übergriffen und Belästigungen an Bord. Solche Probleme würden eher auf großen Kreuzfahrtschiffen mit vielen Partys als auf kleineren und luxuriöseren Schiffen auftreten.

Kudlaceks Fazit: „Unsere Interviews zeigen nur die Perspektive der Crew. Wir müssten auch Passagiere befragen. Derzeit wird die Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen eher unter- als überschätzt.“

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