TDiese Pflanze ist die Pest für Biotope
Die kanadische Wasserpest Foto: Schaffhäuser
Die Wasserpest kann in Gewässern zur Pest werden: Die invasive Pflanze verdrängt heimische Pflanzen. Die Wissenschaft suchte bisher erfolglos nach einem Gegenmittel.
Landkreis. Im Frühjahr ist das Wasser vieler unserer Gewässer noch klar. Doch das wird sich bald ändern: Die Sonne scheint von Tag zu Tag länger, die Wassertemperatur steigt an. Damit entwickelt sich ein reichhaltiges Pflanzenwachstum. Häufig ist es die Wasserpest, die sich üppig ausbreitet und heimische Wasserpflanzen verdrängt.
Ihren Siegeszug begann sie mit dem Sprung über den großen Teich. 1859 wurde die Wasserpest in Berliner Gewässern ausgesetzt. Ihr wissenschaftlicher Name: Elodea canadensis. Nomen est omen: Sie stammt ursprünglich aus Kanada und heißt genauer Kanadische Wasserpest.
Wasserpest ließ die Fischbestände schrumpfen
In Europa gefiel es dieser Wasserpflanze. Kleinste Sprossteile von ihr wurden in viele Gewässer eingespült, hafteten an Wasservögeln oder Schiffen, sie besiedelte bald ganz Mitteleuropa. Vorteilhaft für die Kanadische Wasserpest war, dass sie ein Alleskönner ist. Sie wächst in wenig bis stark nährstoffreichen Gewässern gleichermaßen; sie mag stille wie langsam fließende Gewässer.
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Ihre Geschwindigkeit beim Wachstum war hoch. Bald hatte sie viele Gewässer im Griff. Siele und Schleusen konnten manchmal nicht geschlossen werden, Boote kamen oft nur schwer voran, Fischbestände schrumpften. Dann endlich, etwa ab den 1970er Jahren, beruhigte sie sich ein wenig. Die Gründe sind bis heute unklar, aber wahrscheinlich war es ein neuer Quälgeist an der Wasserpest-Front, der dazu beitrug.
Die Schmalblättrige Wasserpest aus Nordamerika war plötzlich da. Seit 1953 ist sie hier und der Kanadischen Wasserpest überlegen. Denn sie entwickelt schneller Wurzeln am Gewässergrund und bildet an Flach- und Tiefenwasser jeweils speziell angepasste Formen aus.
Und sie kann unglaublich schnell wachsen. Bei sechs Grad Wassertemperatur etwa zwei Zentimeter, bei 20 Grad bis zu zehn Zentimeter Längenzuwachs pro Woche. Hat sie ein Gewässer gefunden, ist sie nach etwa sechs Jahren ein stabiler Gast. Ihre Pflanzenmasse kann ein Gewässer bis zur Unkenntlichkeit zuwuchern.
Auf der Suche nach Wegen der Regulation
Was tun? Genaue Untersuchungen erfolgten, Ideenwettbewerbe wurden ausgeschrieben, Limnologinnen und Limnologen - sie erforschen Binnengewässer - schwärmten aus. Einige Resultate in Kürze: Der Besatz eines Wasserpest-Gewässers mit Graskarpfen oder Rotfedern hatte eine Wuchshemmung zur Folge, wirkte aber nicht in allen Test-Gewässern. Das Entkrauten und Mähen der Schmalblättrigen Wasserpest war erfolgreich, aber sehr teuer.
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Der Erfolg war vergänglich: Danach wuchs die Schmalblättrige Wasserpest manchmal noch schneller. Sie bekam noch mehr Licht und bildete rascher neue Verzweigungen aus. Mit dem Entkrauten wurden auch Fischlaich und Wasserinsekten abgetötet. Wasserpest als Düngemittel und Viehfutter? Der Erfolg ist bisher mäßig. Kompostierungen waren ebenfalls nicht erfolgreich. Vielleicht Stromgewinnung aus Wasserpest? Ja, eine wahrlich geniale Idee, aber noch nicht perfekt ausgereift. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.
Serie und Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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