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TDow ohne Nachwuchssorgen: Dennoch trifft der Bewerbermangel den Kreis Stade

Staffelstabübergabe bei der Dow: Im April übernahm Julia Duryn die Leitung der Ausbildungsabteilung von ihrem Vorgänger Reinhard Dill.

Staffelstabübergabe bei der Dow: Im April übernahm Julia Duryn die Leitung der Ausbildungsabteilung von ihrem Vorgänger Reinhard Dill. Foto: Haardt

Immer mehr Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Wie ist die Lage im Landkreis Stade? Zum Ausbildungsstart fragte das TAGEBLATT nach - auch bei einem der größten Ausbilder.

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Von Rebecca Haardt
04.08.2026, 07:50 Uhr

Stade. „Azubis sind Botschafter und gleichzeitig die beste Werbung”, sagt Julia Duryn, als Leiterin der Ausbildungsabteilung der DOW. Die Engländerin kam 2011 durch ihre Arbeit nach Stade.

Duryn lernte bei der Dow das Projektmanagement sowie die Produktionsseite kennen, zum Beispiel durch ihre zweijährige Arbeit in der Dowex-Anlage, in der Ionenaustauscherharze produziert wurden. Das sind kleine Kügelchen, die in der Wasserenthärtung eingesetzt werden.

Zeitweise war Duryn maßgeblich in die Talententwicklungsprogramme der Dow involviert, eine Tätigkeit, die zwischenmenschliche Fähigkeiten erfordert habe. Diese vielfältigen Erfahrungen möchte sie in ihre neue Position als Ausbildungsleiterin einbringen.

Kein Nachwuchsproblem bei Dow

Die Dow ist seit 1975 Ausbildungsbetrieb und bietet unter anderem Stellen für angehende Chemikanten, Chemielaboranten, Elektroniker für Automatisierungstechnik und Betriebstechnik und Industriemechaniker. Am 15. August starten 22 Azubis in das Ausbildungsjahr. Aktuell organisiert Duryn bereits alles für den Ausbildungsbeginn im August 2027. Dafür plant die Dow momentan 24 Stellen ein.

Dieses Jahr starten 22 Azubis ihre Ausbildung bei der Dow, unter anderem im Labor (Archivfoto).

Dieses Jahr starten 22 Azubis ihre Ausbildung bei der Dow, unter anderem im Labor (Archivfoto). Foto: Dow Stade

Die Stellenanzahl richtet sich immer nach dem Bedarf des Unternehmens. Probleme die Plätze zu besetzen, etwa durch Bewerbermangel, gäbe es keine, so Reinhard Dill, Duryns Vorgänger, der von 2016 bis 2026 die Ausbildungsabteilung der Dow leitete.

Große Herausforderung für kleine Unternehmen

Damit ist die Dow in der Region eher eine Ausnahme, wie eine TAGEBLATT-Anfrage bei der Agentur für Arbeit Stade (AA) zeigt. Insgesamt hätten Betriebe im Landkreis zunehmend Schwierigkeiten, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu vergeben, so Dagmar Froelich, die Vorsitzende der Geschäftsführung.

Bei der aktuellen Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) von Mai 2026 gaben mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen aus der Elbe-Weser Region an, nicht alle angebotenen Ausbilungsplätze besetzen zu können.

Besonders für kleinere und mittlere Unternehmen sei das Finden von passenden Bewerbern schwierig, so Froelich. Größere Betriebe hingegen profitierten bei der Gewinnung von Auszubildenden von einem höheren Bekanntheitsgrad und umfangreicheren Recruiting-Möglichkeiten.

Weniger Schüler, mehr Studierende

Als einen Grund für die Probleme der Unternehmen nennt Dagmar Froelich die zunehmende Zahl an Studierenden: „Das duale Ausbildungssystem leidet seit Jahren unter der Konkurrenz akademischer Bildungswege und den sinkenden Zahlen bei den Schulabsolventen.”

Den demografischen Wandel sieht auch Dirk Immken, Abteilungsleiter der Aus- und Weiterbildung der IHK Elbe-Weser, als Problem. Die größte Herausforderung aus Sicht der Unternehmen läge darin, dass entweder „keine oder keine ausreichend geeigneten Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen”. Dabei bezieht er sich auf die Ausbildungsumfrage der DIHK.

Außerdem: Im Elbe-Weser-Raum „erschweren teilweise unzureichende ÖPNV-Verbindungen sowie eine geringe Mobilitätsbereitschaft mancher Jugendlicher die Besetzung freier Ausbildungsplätze”, sagt Immken.

Rückläufige Bewerberzahlen bei Dow und im Landkreis

Zwar hat die Dow keinen Bewerbermangel, doch auch der Chemieriese bemerkt Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt. Reinhard Dill schildert, dass die Bewerberzahlen im Vergleich zu Vorjahren abgenommen haben. Vor etwa acht Jahren habe es noch knapp 300 Bewerbungen bei der Dow gegeben, mittlerweile seien es 150 bis 180 im Jahr. Dill betont, dass die Stellen bei der Dow trotzdem mit kompetenten Bewerbern besetzt werden können.

Im Landkreis Stade gibt es immer weniger Bewerber auf Ausbildungsstellen, wie Zahlen der Agentur für Arbeit von Ende Juni 2026 zeigen. Während sich 2023/24 noch 971 junge Menschen auf Ausbildungsplätze im Landkreis bewarben, waren es 2025/26 noch 827. Das ist ein Rückgang von 14,8 Prozent.

Einzelhandel ist besonders betroffen

Der Bewerbermangel beträfe mittlerweile nahezu alle Ausbildungsbereiche, so Immken. Besonders herausfordernd sei die Situation jedoch in der Logistik, im Hotel und Gaststättengewerbe sowie im Handel. Hier verzeichnet auch die Agentur für Arbeit die meisten unbesetzten Stellen im Landkreis. Von 940 Ausbildungsstellen im Jahr 2025 konnten 356 nicht besetzt werden, 76 davon im Einzelhandel.

Doch trotz unbesetzter Stellen und Bewerbermangel gibt es auch gute Nachrichten. Nach Angaben der IHK Elbe-Weser wurden im Landkreis Stade 2025 553 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen; das sind etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Für das beginnende Ausbildungsjahr zeichne sich aktuell ebenfalls ein leicht positiver Trend ab.

Jungen Menschen, die bis jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, rät die Agentur für Arbeit, nicht in Panik zu geraten, denn ein Einstieg in die Ausbildung sei jederzeit möglich. Bis in den Herbst hinein gäbe es noch viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt.

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