TDr. Bohlen: Körners Nachfolgerin bringt Hightech in Buxtehuder OP
Dr. Karina Bohlen und ihr Team im OP. Das Knie wurde schon früh zu ihrem Schwerpunkt. Foto: Elbe Kliniken/Sebastian Braeutigam (nomo)
Dr. Karina Bohlen möchte sich am Elbe Klinikum Buxtehude einen eigenen Namen machen und bringt Erfahrung am OP-Roboter mit. Doch wie selbstständig arbeitet die Technik?
Buxtehude. Dr. Karina E. Bohlen sitzt in ihrem Büro im Elbe Klinikum und blickt auf eine leere Wand. „Hier fehlt noch ein Bild“, sagt sie. Es ist das Büro ihres Vorgängers Dr. Hans-Wolfram Körner, der die Kniechirurgie in Buxtehude über mehr als 30 Jahre geprägt hat.
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Zeit, um das Büro einzurichten, hatte sie bisher kaum. „Vielleicht eine Fotografie von Hamburg“, überlegt sie, „oder aus der Region.“ Bohlen schwärmt von der Elbmarsch und den Höfen. „Es ist auch die Chance für einen Neustart.“
„Ich kann und will Dr. Körner nicht ersetzen“
Seit Mitte Januar leitet Bohlen die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Sportmedizin. Sie folgt auf Körner, dessen Name fast schon untrennbar mit dem Kniezentrum Buxtehude verbunden ist.

Dr. Bohlen arbeitet seit Mitte Januar im Elbe Klinikum Buxtehude. Foto: Scholz
„Ich kann und will ihn nicht ersetzen“, sagt Bohlen. „Wenn ich versuchen würde, Dr. Körner zu sein, wäre ich nur seine schlechtere Version.“ Sie will das Bestehende weiter ausbauen und sich einen eigenen Namen machen.
So wurde das Knie zum Schwerpunkt
Dass ihr der Einstieg leichtgefallen ist, liegt an einer Übergabe, die aus ihrer Sicht alles andere als selbstverständlich war. Bohlen und Körner operierten gemeinsam, führten viele Gespräche. „Er war bei mir im OP, ich bei ihm“, erzählt sie.

Zuletzt war Dr. Bohlen leitende Oberärztin an der Schön Klinik in Hamburg. Foto: Scholz
Außerdem lernte sie frühzeitig ihr Team kennen. Diese Übergabe habe ihr Angst genommen, sagt Bohlen, auch wenn der Respekt vor der Aufgabe bleibe. Bald werden unter ihrer Leitung sieben Oberärzte arbeiten.
Die 49-Jährige kommt gebürtig aus Buchholz, hat in Hamburg studiert und war während des Studiums viel im Ausland. Früh habe sie gemerkt, dass sie ein „Handwerk“ erlernen wolle, sagt sie und meint die Chirurgie.

Dr. Bohlen gilt international als Expertin für robotische Kniechirurgie. Foto: Scholz
Das Knie wurde schon während ihrer Facharztausbildung zu ihrem Schwerpunkt. Einer ihrer damaligen Chefs gehörte zu den ersten Operateuren, die computerassistiert arbeiteten. „Seitdem ich mein erstes Knie operiert habe, bin ich damit ausgebildet worden.“
Operieren mit dem CORI
Heute gilt Bohlen international als Expertin für robotische Kniechirurgie. In den vergangenen Jahren hat sie nach eigener Aussage mehr als 1000 Knieprothesen mit dieser Methode implantiert, zuletzt an der Schön Klinik in Hamburg, wo sie leitende Oberärztin war.
In Buxtehude werden aktuell rund 90 Prozent der Knie mit dem OP-Roboter CORI operiert, sagt sie. Zwölf Knieprothesen pro Woche - laut Bohlen eine hohe Zahl. „Der Vorteil ist, dass das Team hier schon up to date war.“
So funktioniert der Roboter
Allerdings ist es nicht so, dass der Roboter selbstständig arbeitet. „Der Roboter ist ein zusätzliches Instrument und spiegelt mir, wie präzise ich arbeite. Die Operation liegt weiterhin in meinen Händen“, erklärt Bohlen.

In Buxtehude werden aktuell rund 90 Prozent der Knie mit Roboter-Unterstützung operiert. Foto: Elbe Kliniken/Sebastian Braeutigam (nomo)
Durch Kameras wird das Kniegelenk während der OP vermessen und die Position des Implantats an einem Tablet geplant. „Der Roboter stellt mir dar, wie das Knie später funktionieren wird“, sagt Bohlen. Sie sieht das Ergebnis, bevor die Operation beendet ist.
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Wenn sie mit dem Plan zufrieden ist, kann sie mit Hilfe einer robotisch geführten Fräse operieren - auf 0,5 Millimeter genau. „Früher ging es über das reine Gefühl des Operateurs. Heute können wir das künstliche Gelenk viel individueller anpassen.“
Neue Chefärztin operiert nicht nur Knie
Daneben bringt Bohlen administrative Erfahrung mit. Mehrere Jahre war sie im Klinikmanagement tätig und führte an der Schön Klinik ein Konzept ein, das sie „Enhanced Recovery“ nennt. Sinngemäß: bessere Genesung nach einer OP.

Dr. Karina Bohlen betrachtet die Chirurgie als Handwerk und setzt schon lange auf robotische Unterstützung. Foto: Scholz
Ziel sei es, Patienten bestmöglich auf den Eingriff vorzubereiten und eine schnelle Rehabilitation zu ermöglichen. Dazu gehören schonende OP-Techniken und eine frühe Mobilisation des Knies. „Der Patient bekommt so ein besseres Vertrauen in sein neues Gelenk“, sagt sie.
Zudem könne das Konzept Komplikationen und die Verweildauer im Krankenhaus senken. In Buxtehude, sagt sie, habe ihr Vorgänger hier bereits viel geleistet. „Das weiter auszubauen, ist mein Anspruch.“
Auch Geschäftsführer Siegfried Ristau setzt darauf: Bohlen werde Projekte wie die Digitalisierung und die Verkürzung von Liegezeiten begleiten. „Für mich steht die Medizin im Vordergrund, aber man muss Medizin auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen“, sagt Bohlen. Konzepte wie „Enhanced Recovery“ könnten dabei helfen.
Unerreichbarer Chefarzt: „Das möchte ich nicht sein“
Gerade vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen über Machtmissbrauch in Kliniken, wie sie durch eine Umfrage des Marburger Bunds erneut angestoßen wurden, macht sich Bohlen Gedanken über Führung. Sie wolle flache Hierarchien, offene Kommunikation und ihre Kolleginnen und Kollegen individuell fördern.
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Außerdem bedeute Führung für sie, dem Team den Rücken freizuhalten, damit es im OP die bestmögliche Leistung erbringen kann. „Der weiße, bärtige, unerreichbare Chefarzt - das möchte ich nicht sein“, sagt Bohlen.
Das ist ihr Ausgleich zum Job
Klar ist, dass sie einen anspruchsvollen Job angetreten hat. Umso wichtiger sei der Ausgleich. Bohlen macht Kraftsport und Pilates, geht gerne auf kleinere Konzerte - vor allem im Bereich Soul und Indie. Im Sommer fährt sie mit dem VW-Bus an den Atlantik, geht surfen, im Winter snowboarden. Ihr 13-jähriger Sohn geht in Hamburg zur Schule. Dort lebt sie auch weiterhin. Ob sie mal nach Buxtehude zieht: „Dafür ist es noch zu früh.“
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Wie ihr Vorgänger stand Bohlen bereits vor der Fernsehkamera. Am Freitag fanden Dreharbeiten für die NDR-Sendung „Visite“ zum Thema künstliches Knie statt, die am 17. Februar ausgestrahlt wird. Viel Zeit, das Büro einzurichten, hat sie wirklich nicht.
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