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TDrochtersen zeigt, wie man der AfD unfreiwillig hilft

Hannes Hatecke auf einer Ratssitzung.

In Drochtersen gibt es einen Zwist unter Demokraten, der vor allem jenen nützt, die sie eigentlich kleinhalten wollen. Foto: Wertgen

In Drochtersen spaltet ein Satz die Ratspolitik seit Wochen. Ein klärendes Gespräch platzte offenbar, ein Ratsmitglied prescht vor und eine Partei profitiert still.

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Von Lars Wertgen
Sonntag, 19.04.2026, 22:00 Uhr

Drochtersen. CDU-Fraktionschef Hannes Hatecke hatte im Februar gesagt, der Gemeinderat solle mit der AfD „wie mit jeder anderen Fraktion“ umgehen - sachlich, respektvoll, aber nicht ideologisch.

Was mutmaßlich als nüchternes Bekenntnis zu demokratischen Debattenregeln gemeint war, klang für manche - unter anderem die AfD selbst - wie eine Einladung.

Die SPD war alarmiert, Rücktrittsforderungen standen im Raum. In einem persönlichen Gespräch wollte sich Hatecke präzisieren - Anfang März im Ratssaal der Gemeinde, mit dem SPD-Fraktionsvorstand um Kai Schildt.

Ärger um Social Media

Doch SPD-Vize Jan Büther meldete sich aus privaten Gründen kurzfristig ab, Stefan Knütel sprang als Ersatz ein. Laut Schildt monierte Hatecke überrascht, Knütel gehöre nicht dem Fraktionsvorstand an und sah das geplante Gespräch schon morgen veröffentlicht. Hatecke soll auf dem Absatz kehrtgemacht haben.

Der CDU-Chef hatte im TAGEBLATT bereits moniert, „dass manchmal einzelne Ratsherren der SPD nach Ratssitzungen ihren Frust in den sozialen Medien ablassen“. Er nannte keine Namen, dürfte sich aber kurz darauf bestätigt gesehen haben.

Brisante Nachricht an Hatecke

Knütel hatte Hatecke zuletzt schriftlich um eine Klarstellung (liegt dem TAGEBLATT vor) gebeten und für den Fall fehlender Antwort eine öffentliche Konfrontation angekündigt - unter anderem in den sozialen Medien.

Das Ratsmitglied lässt Taten folgen und fordert derzeit via Facebook Hateckes Rücktritt - weil dieser nicht bereit sei, sich „demokratisch zu positionieren“. Offensichtlich ein Alleingang des Genossen.

„Unmögliches Vorgehen“

Hatecke war unter der Woche auf Geschäftsreise in Miami und ließ eine TAGEBLATT-Anfrage offen. Statt ihm meldet sich André Weseloh. Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Drochtersen findet Knütels Vorgehen „unmöglich“.

Hatecke habe nie eine Zusammenarbeit mit der AfD angedeutet - er und die CDU wollten die AfD stattdessen argumentativ entwaffnen.

Unterstützung von den Freien Wählern

FWG-Fraktionschef Cornelius van Lessen schreibt auf Facebook, es sei „schlicht Quatsch“, aus Hateckes Aussagen zu schließen, er wolle mit der AfD kooperieren. Knütel möge sein Ratsmandat lieber abgeben.

Es ist ein Scharmützel, das vor allem jene Partei stärkt, die eigentlich alle gemeinsam in die Schranken weisen wollen. „Das alles spielt den falschen Leuten in die Karten“, sagt Weseloh. Schildt stimmt zu: „Wir wollen das Thema lieber gestern als heute beenden.“

Schildt hat Hatecke ein Vieraugengespräch angeboten - die Hand ist ausgestreckt. Nimmt sie niemand, reibt sich anderswo jemand die Hände.

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