Gastronomie

TDuo beerbt Duo: Wer ab wann neuer Pächter im Deutschen Haus ist

Die alten und die neuen Pächter des Deutschen Hauses in Mulsum: Nils und Norbert Schatz (von links) sowie Angelika und Stefan Augst.

Die alten und die neuen Pächter des Deutschen Hauses in Mulsum: Nils und Norbert Schatz (von links) sowie Angelika und Stefan Augst. Foto: T. Meyer

Norbert und Nils Schatz erklären ihr Aus in Mulsums Kult-Gaststätte. Die Genossenschaft hat bereits Nachfolger, ein Paar aus Wiepenkathen kehrt in die Gastronomie zurück.

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Von Thies Meyer
13.07.2026, 09:50 Uhr

Mulsum. Er hat den Gästen im Deutschen Haus in Mulsum Schnitzel „Hawaii”, Regenbogenforelle oder Currywurst mit Pommes serviert. Jetzt ist Schluss. Aus gesundheitlichen Gründen zieht Norbert Schatz, der die Kult-Gaststätte mit seinem Sohn und Angestellten Nils betreibt, „die Reißleine“. „Ich stoße an meine Grenzen“, sagt der Küchenchef. Deshalb hat der Rentner die Genossenschaft Dorfgemeinschaftshaus Deutsches Haus um die Auflösung seines Pachtvertrags und die Nachfolgersuche gebeten.

Das Gaststättensterben und den Trend, dass Menschen sparen und seltener auswärts essen gehen, spürte der scheidende Pächter. Dennoch hat Norbert Schatz bis zuletzt genug Gäste und Feste wie Hochzeiten oder Beerdigungen verbuchen können. Schatz, der schon vor seiner Zeit als Pächter in den 1990er Jahren in der Küche im Deutschen Haus mitgeholfen hat, sagt: „Unser Dorfleben funktioniert.” Und zwei gebürtige Westfalen wagen sich jetzt ins Mulsumer Dorfleben.

Gastronomie-Comeback: Das sind die neuen Pächter

Stefan (63) und Angelika Augst (62) übernehmen das Deutsche Haus ab dem 1. September im laufenden Betrieb. Damit schlüpfen sie wieder in das Gastronomen-Leben.

Auf der Saalbühne im Deutschen Haus in Mulsum: Stefan Allers (Vorstand Genossenschaft), Nils Schatz (Sohn des alten Pächters), Ole Christiansen (Vorstand Genossenschaft), Norbert Schatz (aktueller Pächter), Christian Zimmering (Aufsichtsrat Genossenschaft), Angelika und Stefan Augst (neue Pächter), Mark Alpers (Aufsichtsrat Genossenschaft) und Ralf Steffens (Vorstand der Genossenschaft).

Auf der Saalbühne im Deutschen Haus in Mulsum: Stefan Allers (Vorstand Genossenschaft), Nils Schatz (Sohn des alten Pächters), Ole Christiansen (Vorstand Genossenschaft), Norbert Schatz (aktueller Pächter), Christian Zimmering (Aufsichtsrat Genossenschaft), Angelika und Stefan Augst (neue Pächter), Mark Alpers (Aufsichtsrat Genossenschaft) und Ralf Steffens (Vorstand der Genossenschaft). Foto: T. Meyer

Das Paar betrieb in Velbert, nördlich ihrer Heimat Wuppertal, eine Gaststätte an einem Schützenhaus. Damals waren die Augsts Quereinsteiger im Gastgewerbe. Die beiden Westfalen bewirteten viele Schützen, aber nur wenige Nicht-Schützen. Augst erklärt, dass sich die Bevölkerung mit dem Schützenverein schon vor seiner Übernahme der Gaststätte im Jahr 2015 „überworfen hat”. „Wir haben uns gesagt: Wir können davon leben, aber wir haben keine Perspektive.”

Sie wagten einen Neuanfang. Vor vier Jahren zog es das Paar nach Stade-Wiepenkathen, auch weil Augst und seine Frau „den Norden schon immer geliebt haben“. Seit ihrem Umzug fand das Paar keine passende Gaststätte - bis jetzt. Stefan Allers, Vorsitzender der Genossenschaft, erklärt die Argumente für diese neuen Pächter.

Ein Vorteil zum Start

Ein Probekochen brauchte es nicht, um sich vom neuen Duo überzeugen zu lassen, sagt Allers mit einem Lächeln. Die Neuen punkteten mit ihrer Erfahrung im Gastronomiegewerbe und ihrem Konzept, was sie im Deutschen Haus vorhaben, zumal 687 Genossen mit ihren 1100 Anteilen ins Deutsche Haus investiert haben, verweist Allers. Den Genossen sei es wichtig, dass die Dorfgemeinschaft nicht einschlafe. Von allen Bewerbern stellte sich heraus: Bei den Wiepenkathenern fand sich laut Allers „die größte Schnittmenge“.

„Die Aussichten, vernünftig Geld zu verdienen, sind hier geschaffen“, sagt Allers. Die jüngste Sanierung des Deutschen Hauses ist erst drei Jahre her. Das erspart den neuen Betreibern Investitionen zum Start. Die Augsts müssten nur „die Kühlschränke vollmachen”, und schon könne es losgehen.

Dass sie starten können, ohne viel Geld ausgeben zu müssen, dafür sind die Pächter dankbar. Als sie eine Gaststätte nach ihrem Umzug in und um Stade gesucht hatten, stießen sie immer wieder auf Lokale, dessen „uralte Ausstattung“ sie vor der Inbetriebnahme hätten sanieren und mit dem Betrieb refinanzieren müssen - „wo du von vornherein weißt, dass du davon nicht leben kannst“, sagt Stefan Augst. Dafür hätten beide ihre Jobs nicht aufgegeben.

Weitere drei potenzielle Pächter wollten ins Deutsche Haus

Stefan und Angelika Augst setzten sich gegen drei andere Bewerber durch. Nachdem Schatz sein Aus bekannt gegeben hatte, starteten Allers und Kollegen vor rund drei Monaten ihre Nachfolgersuche via Social Media. „Es hat uns gewundert, dass sich vier Bewerber gefunden haben“, sagt Allers.

Einige Bewerber waren dem Vorstandsvorsitzenden zufolge beim Rundgang durch das Deutsche Haus überrascht von seiner Größe. Es bietet 800 Quadratmeter Nutzfläche, inklusive einer Pächterwohnung auf 94 Quadratmetern, Saal, Kneipe, Clubzimmer und Küche.

Die reale Größe fällt erst auf dem zweiten Blick auf, so Allers: „Von außen sieht das Deutsche Haus relativ klein aus.“ Das Gasthaus von innen überraschte auch Augst. „Wir waren am Anfang auch erst mal erschlagen von der Größe.“ Die Pächterwohnung und die Chance, die drei Zimmer zu vermieten, sind Argumente, das Deutschen Haus zu pachten.

Deutsches Haus lebt vom Mulsumer Vereinsleben

Faschingsball, Herbstball, Feuerwehr- und andere Versammlungen finden auf dem Saal statt, das Schützenfest zum Teil auf dem Roten Platz vor dem Deutschen Haus. Allers: „Wir haben ein reges Vereinsleben.“ Das Deutsche Haus sei Stammlokal des FC Mulsum/Kutenholz, und fast jeder Mulsumer in mindestens einem Verein Mitglied. Dennoch stellt der Mulsumer fest: „Wir müssen die Vereine wieder mehr ins Boot kriegen.“

Das haben die Augsts in ihrem Konzept bereits bedacht. Sie wollen die Vereine zum Kennenlernen einladen. Am ersten Arbeitstag sind sie sofort am Zapfhahn und in der Küche gefordert, denn alle gebuchten Veranstaltungen übernimmt das Duo von Norbert und Nils Schatz nahtlos.

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