TEinbruch in Bremerhaven: Ex-Koch klaut eigenes Trinkgeld
Im Oktober 2023 wurde in ein Restaurant im Fischereihafen eingebrochen. Foto: Bodo Marks
Ein ehemaliger Mitarbeiter soll Drahtzieher eines Einbruchs in ein Restaurant im Bremerhavener Fischereihafen sein. Mögliches Motiv: Er hatte sein Trinkgeld nicht bekommen.
Bremerhaven. Eine merkwürdige Geschichte aus Bremerhaven war vor zwei Jahren beim verschlüsselten Online-Messenger-Dienst Signal zu lesen: Angeblich hatte sich ein Dieb darüber beschwert, dass 1.000 Euro in Kleingeld ziemlich schwer zu tragen seien. Besonders, wenn man sie über eine Mauer heben müsse.
Die Geschichte mit dem überforderten Dieb war witzig und wurde weiterverbreitet. Spitznamen wurden genannt. Und irgendwann erinnerte sich ein Leser der Geschichte an einen Einbruch in seinem Bekanntenkreis, zu dem die genannten Details passten. Schließlich wurden zwei Verdächtige festgenommen.
Ehemaliger Mitarbeiter soll Einbruch in Restaurant geplant haben
Wegen schweren Diebstahls wurden am Dienstag nun zwei 30-Jährige am Amtsgericht Bremerhaven angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, für einen Einbruch in ein bekanntes Restaurant im Schaufenster Fischereihafen im Oktober 2023 verantwortlich zu sein. Das Pikante: Einer der beiden Männer hatte früher selbst in dem Lokal gearbeitet.
Die beiden Angeklagten schwiegen vor Gericht. Stattdessen berichtete eine Angestellte des Restaurants, wie sie morgens die aufgebrochene Hintertür der Küche bemerkt hatte. Die Polizei und der Chef des Restaurants wurden alarmiert. Wie sich herausstellt, fehlten mehr als 5.000 Euro.
Davon etwa die Hälfte aus einem Wechselgeldvorrat. Die andere Hälfte aus dem Trinkgeld für die Angestellten. Damals wurden die Trinkgelder monatlich ausgezahlt, wie der Betreiber des Restaurants vor Gericht berichtet. Doch aus irgendeinem Grund sei er seinerzeit nicht dazu gekommen.
Im Guten getrennt
Auch das Trinkgeld des angeklagten ehemaligen Mitarbeiters in Höhe von etwa 2.000 Euro war bereits ein paar Wochen überfällig. Er hatte gerade gekündigt, um in Süddeutschland zu arbeiten.
Doch beide Seiten hätten sich im Guten getrennt, wie mehrere Zeugen aussagten. Der Angeklagte war wegen der Hochsaison und auf Bitten des Chefs sogar einen Monat länger geblieben, als zunächst geplant. Kein Hinweis auf einen Streit.
Als der Chef schließlich über mehrere Ecken erfuhr, dass sein ehemaliger Mitarbeiter hinter dem Einbruch stecken sollte, konnte er es daher zunächst nicht glauben
Doch dann berichtete der Gastronom, dass er nach dem Einbruch einen Umschlag auf dem Kuchenboden fand, auf dem der Name des ehemaligen Mitarbeiters stand. Der Umschlag, in dem sich dessen nicht ausgezahltes Trinkgeld befunden hatte. Der Umschlag war aufgerissen, das Geld fehlte. Eine Botschaft?
Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob der Angeklagte vielleicht in das Restaurant eingebrochen war, um an sein Trinkgeld zu kommen. Doch niemand stellt die Frage. Selbst wenn er sein Trinkgeld nicht erhalten hatte, rechtfertigt das keinen Einbruch, keine Verwüstung des Büros und keinen Diebstahl.
Wie wurden die beiden Angeklagten überführt?
Am Ende war es ein Chat-Verlauf der Angeklagten, der sie verraten hat. Beide hatten sich in ihren Nachrichten über die Sicherheitsvorkehrungen auf einer „Baustelle“ ausgetauscht, über Türen und Videokameras.
Die Polizei und Staatsanwaltschaft kamen zu dem Schluss, dass mit der „Baustelle“ eigentlich das Restaurant gemeint war. In der Nacht des Einbruchs schrieb der Angeklagte, der offenbar als Einbrecher angeheuert worden war, dem ehemaligen Mitarbeiter des Restaurants um fünf Uhr morgens, dass die Arbeiten auf der „Baustelle“ abgeschlossen seien.
Wenige Stunden später entdeckte die Angestellte des Restaurants den Einbruch. Die Angeklagten schwiegen bis zum Schluss der Verhandlung. Die Verteidiger forderten Freisprüche für ihre Mandanten, da sie deren Schuld als nicht erwiesen ansahen.
So urteilte das Gericht im Fall des schweren Diebstahls
Doch das Gericht kam zu einem anderen Ergebnis – vor allem aufgrund der Chatverläufe. Der ehemalige Mitarbeiter, der den Einbruch offenbar in Auftrag gegeben hatte, wurde zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro verurteilt. Zudem muss er das gestohlene Geld zurückzahlen.
Der angeheuerte Einbrecher erhielt wegen zahlreicher einschlägiger Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt, da der Angeklagte aufgrund seiner Drogensucht nun eine Entgiftung in einer Fachklinik antritt.
Wie viel wiegen eigentlich 1.000 Euro Kleingeld?
Eine Ein-Euro-Münze wiegt übrigens 7,5 Gramm. Damit wiegen 1.000 Ein-Euro-Münzen 7,5 Kilo. Als handelsübliche Mischung aus allen Münzen können 1.000 Euro aber auch schon mal mehr als zehn Kilogramm wiegen. Etwas zu schwer, um sie einfach über eine Mauer zu werfen.