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TEine Staderin will den Führerschein günstiger machen – mit Simulatoren

Lore Andrade und ihr Simulator: Aktuell befindet sich Andrades Start-up noch in der Testphase. Das Ziel der Staderin: in fünf Jahren zwölf Hubs in ganz Deutschland einzurichten.

Lore Andrade und ihr Simulator: Aktuell befindet sich Andrades Start-up noch in der Testphase. Das Ziel der Staderin: in fünf Jahren zwölf Hubs in ganz Deutschland einzurichten. Foto: Haardt

Der Führerschein bedeutet vor allem in ländlichen Regionen Unabhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr. Doch seit Jahren steigen die Kosten. Lore Andrade will das ändern.

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Von Rebecca Haardt
18.09.2026, 18:00 Uhr

Hamburg. Den Führerschein endlich in der Hand zu halten, das bedeutet für viele junge Menschen besonders im ländlichen Raum Freiheit. Doch eine große Hürde beim Führerscheinerwerb sind die stark gestiegenen Kosten.

Die liegen aktuell für einen Führerschein der Klasse B bei knapp 3400 Euro. Aber warum ist der Führerschein so teuer und wie könnten Simulatoren dabei helfen, den Schein wieder erschwinglicher werden zu lassen?

Stader Start-up setzt auf Simulatoren

Lore Andrade meint, Abhilfe schaffen zu können. Die Staderin hat mit ihrem Geschäftspartner Alvaro Jimenez das Start-up-Unternehmen „uu-hh“ gegründet, das Fahrschulen in einem Hub, also einem geteilten, zentralen Raum, Fahrsimulatoren zur Verfügung stellt. Bis Mitte September lief eine erste Testphase in Altona.

Dort steht in einem kleinen Raum, umgeben von Lastenrädern und Bauzäunen, der Fahrsimulator: ein Sitz mit Lenkrad, Pedalen und vielen Bildschirmen.

Der Blick auf die Straße: Die Bildschirme nehmen das gesamte Blickfeld des Fahrers ein.

Der Blick auf die Straße: Die Bildschirme nehmen das gesamte Blickfeld des Fahrers ein. Foto: Haardt

Andrades Simulator hat 38 verschiedene Fahrzeuge in petto, auf denen Schüler trainieren können. Dazu gehören klassische Pkw mit Schalt- oder Automatikgetriebe, aber auch spezielle Fahrzeuge wie Feuerwehrautos oder Polizeieinsatzwagen.

Wenn es nach dem Bundesministerium für Verkehr geht, sollen Simulatoren demnächst häufiger in Fahrschulen zum Einsatz kommen. So sieht es eine geplante Reform vor, deren Ziel es ist, die Fahrschulausbildung günstiger zu machen.

Fahrlehrermangel fordert Branche

Besonders der Fahrlehrermangel sei für Fahrschüler und Fahrschulen ein großes Problem, erklärt Andrade. Viele Fahrschulen müssten mittlerweile Wartelisten führen, weil keine Lehrer verfügbar sind. Dadurch entgehe ihnen Profit.

Laut dem Deutschen Verkehrspädagogischen Institut (DVPI) ist es für Fahrschulen besonders rentabel, möglichst viele Schüler aufzunehmen. Denn die zahlen zusätzlich zu den praktischen und theoretischen Stunden einen Grundpreis für die Ausbildung sowie Vorstellungsgebühren für die Prüfungen. Je mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge, desto besser.

Landkreis Stade leidet wenig unter Fahrlehrermangel

Gleichzeitig sei der Fahrlehrermangel der größte Preistreiber für die Fahrschulausbildung. Denn die noch tätigen Lehrer bekämen ein vergleichsweise hohes Gehalt, das sich direkt auf die Kosten einer Fahrstunde auswirke.

Martina Bernhardt, Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbands in Stade und Buxtehude, erklärt, dass der Fahrlehrermangel im Landkreis Stade nicht dramatisch sei. An ein paar Stellen fehlten zwar Lehrkräfte, insgesamt sei der Landkreis aber gut aufgestellt. Das unterscheide sich jedoch je nach Region.

Ob sich Andrades Angebot für Schulen aus dem Landkreis lohnt, ist also unklar. Das sei vor allem auf Fahrschulen mit Wartelisten ausgelegt, so Andrade: Die könnten ihre Schüler für ergänzende Fahrtraining in die uu-hh-Hubs schicken und hätten dadurch mehr Kapazitäten.

So sollen Fahrschulen und -schüler profitieren

Ein weiterer großer Vorteil, den Andrade sich von ihrem Konzept verspricht: Fahrschulen müssen nicht die Kosten für Anschaffung und Wartung des Simulators tragen.

Außerdem rentiere sich ein eigener Simulator für Fahrschulen nur, wenn er immer voll ausgelastet sei, so Andrade. Das sei vor allem in kleineren Fahrschulen kaum möglich, zumal die Schüler während ihrer Simulatorstunden betreut werden müssten. In ihren Hubs, in denen mehrere Schüler von verschiedenen Fahrschulen gleichzeitig trainieren, sei das besser planbar.

Noch fristet Andrades Simulator eine unscheinbare Existenz in einem vollgestellten Raum in der Holstenstraße. Wenn alles gut läuft, soll der erste richtige Hub 2027 an den Start gehen.

Noch fristet Andrades Simulator eine unscheinbare Existenz in einem vollgestellten Raum in der Holstenstraße. Wenn alles gut läuft, soll der erste richtige Hub 2027 an den Start gehen. Foto: Haardt

Schüler zahlen für eine Simulatorstunde weniger als für eine im Auto. Andrade veranschlagt für eine 45-minütige Sitzung 28 Euro als Richtwert, eine klassische Fahrstunde koste schon mal knapp 70 Euro. Laut Andrade liegen die 28 Euro in ihrem Simulator unter dem, was eine Fahrschule mit eigenem Gerät verlangen müsste.

Was kann ein Simulator?

Doch abseits von allen geschäftlichen Überlegungen spielt eine andere Frage eine zentrale Rolle, wenn es um Simulatoren geht. Kann ein Simulator ein vollwertiger Ersatz oder eine sinnvolle Ergänzung zum normalen Unterricht sein?

Die geplante Reform der Verkehrsministeriums sieht beispielsweise vor, dass verpflichtende Sonderfahrten, wie Autobahnfahrten oder Nachtfahrten, teilweise durch Simulatorfahrten ersetzt werden könnten.

Mit dem Simulator können Schüler nicht nur Automatikwagen fahren, sondern auch das Fahren mit Gangschaltung üben.

Mit dem Simulator können Schüler nicht nur Automatikwagen fahren, sondern auch das Fahren mit Gangschaltung üben. Foto: Haardt

Martina Bernhardt sieht das kritisch: „Fahrschüler sollten nicht im friedlichen Sessel fahren lernen, sondern im Realverkehr.” Mit einer wirklichen Fahrsituation habe ein Simulator nur wenig zu tun. Der biete lediglich einprogrammierte Situationen, die Schüler immer wieder erleben könnten.

Außerdem betont sie, dass bei der Diskussion um Simulatoren vor allem die Betroffenen befragt werden müssten, also die Fahrschüler. Bernhardt ist selbst Fahrlehrerin. Wenn sie ihre Schüler frage, ob die lieber im Simulator trainieren würden, sei die Antwort meistens Nein.

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