TEisiger Ostwind: Elbfähren sitzen in der Wischhafener Eiswüste fest
Die Elbfähre Wischhafen-Glückstadt ist derzeit außer Betrieb. Foto: Klempow
Es ist nicht genug Wasser vor dem Anleger: Die enge Fahrrinne in Wischhafen ist voller Eisschollen. Der Fährbetrieb ist eingestellt. Dabei spielt auch der eisige Ostwind eine Rolle.
Wischhafen. Montagmorgen, Niedrigwasser. Die „Wilhelm Krooss“ und die „Wischhafen“ der FRS Elbfähre liegen fest vertäut in Wischhafen. Der Anleger ist hochgefahren, ein Schild auf der Straße: „Zur Zeit außer Betrieb“.
Warum zwischen Wischhafen und Glückstadt derzeit nichts geht, ist zu hören. Es knirscht, knarzt und rumpelt. Die Fährschiffe sitzen fest im Eis. Die „Wilhelm Krooss“ scheint kaum zu schwimmen. Stattdessen liegt sie in einer Eiswüste. Wenn Stahl sich sachte an Eisschollen reibt, knirscht es.
Ein Mal aufs Eis gucken
Aber es pfeift auch. Der Ostwind macht aus 6 Grad Minus an diesem Morgen gefühlte Polartemperaturen. Über die Elbe weht es eisig. Ein Auto rollt heran, ein älterer Mann mit Elbsegler auf dem Kopf guckt übers Steuer aufs Wasser, fährt einen Törn rund um den Parkplatz. Er steigt nicht aus. Den Wind kann er sich sparen, er will nur mal aufs Eis gucken. Es sind so einige, die sich ihr Bild vom Eis machen wollen.

Keine Überfahrt nach Glückstadt - Eisgang auf der Elbe. Foto: Klempow
Seit Freitag ruht der Fährverkehr. Dass die Elbfähre massive Probleme in der verschlickten Süderelbe hat, ist bekannt und behindert den Betrieb bei extremem Niedrigwasser unabhängig von den Jahreszeiten immer wieder.
Elbstrom zieht das Wasser aus der Süderelbe
Seit Tagen weht der Wind kräftig aus dem Osten, drückt die Elbe in die Nordsee. Damit zieht der Elbstrom das Wasser aus der Wischhafener Süderelbe.
„Bei uns kommen jetzt zwei Faktoren zusammen“, sagt FRS-Geschäftsführer Tim Kunstmann. Das WSA, das Wasser- und Schifffahrtsamt, sei zuständig dafür, die Wasserstraße freizuhalten. Aber das werde nicht gemacht, so Kunstmann. Kurz klingt er gefrustet.

Zwei Fährschiffe haben in Wischhafen festgemacht. Foto: Klempow
„Das ist, als wäre es eine Bundesstraße oder eine Autobahn - und die Straßenmeisterei sagt, wir räumen nicht.“ Die Elbfähre verbindet eine Bundesstraße zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein. „Also haben wir selbst einen Eisbrecher bestellt, auf eigene Kosten“, so Kunstmann. „Damit die Wischhafener Süderelbe nicht komplett einfriert.“ Gelöst ist das Problem damit nicht.
Fahrrinne zum Anleger ist schlecht ausgebaggert
Weil die Süderelbe schlecht ausgebaggert sei, gebe es keine Strömung - „und die aufgebrochenen Eisschollen werden nicht aus der Süderelbe geströmt.“ Durch den Ostwind sei noch weniger Wasser in der Zufahrt zum Anleger, damit komprimiere sich noch mehr Eis auf weniger Wasser.
Glückstadt-Wischhafen
T Abschied von Wolfgang Kilian: Das Gesicht der Elbfähre geht von Bord
Der Wasserstand auf dem Weg zum Anleger in Wischhafen ist extrem niedrig, bestätigt Wolfgang Kilian. Er war 36 Jahre lang Nautischer Leiter der Elbfähre. „Zwischen ein Meter und einsfünfzig weniger als sonst“, sagt er mit Blick auf den Niedrigwasser-Pegel in der Süderelbe am Montagmorgen. Dass in der Fährzufahrt ohnehin zu wenig Platz ist, „das ist unser größtes Manko“.
Fähren schieben Eisschollen zusammen
Bei eisigen Temperaturen haben es die Fähren zusätzlich schwer. Sie sind in ihrer Form wie ein Ponton gebaut. „Eine Fähre drückt das Eis nicht weg und hat nicht genug Tiefgang“, erklärt Kilian. Sie schiebt die Eisschollen nur weiter zusammen und übereinander.

Auch im Februar 2010 legte Eis die Fähre lahm. Wolfgang Kilian (2. von rechts) und seine Crew sägten Eisblöcke aus der Elbe und nutzten sie als Außenmobiliar. Foto: Helfferich
Außerdem müssen die Fähren drehen. In der Süderelbe ballt sich das Eis somit zu immer größeren Blöcken. Solange der Wind nicht dreht und die Tide nicht höher aufläuft, wird das so bleiben.
Schlepper in Glückstadt im Einsatz
Zum Hochwasser am Montagnachmittag kommt die Sonne heraus, aber die Eisschollen bleiben trotz des höheren Wasserstands fest an ihrem Platz. Der gecharterte Schlepper pflügt am Anleger in Glückstadt durchs Wasser. Zum letzten Mal, das weiß Kilian noch, war ein Schlepper als Eisbrecher 2020 und davor Anfang März 2018 vor dem Anleger im Einsatz.

Bis vor sechs Jahren waren die Fährschiffe noch mit grauem Anstrich unterwegs. Auch im März 2018 musste ein Schlepper die Einfahrt zum Anleger freihalten. Foto: Kilian
Immer wieder rollen Autos heran, die meisten mit STD-Kennzeichen. Die Insassen steigen aus, ziehen sich Kapuzen fest über den Kopf, zücken die Handys und bieten dem Wischhafener Eiswind die Stirn. Mal eben Eis gucken. Die Aussichten dafür sind in den kommenden Tagen gut. Für den Fährverkehr bleibt die Wettervorhersage schlecht. Zunächst bis einschließlich Freitag, 6. Februar, ist der Fährbetrieb eingestellt.

Wolfgang Kilian. Foto: Helfferich

Eiszeiten treffen aufeinander: Sommerwünsche und Winterwetter am Fähranleger. Foto: Klempow

Die „Wilhelm Krooss“ liegt vertäut in der Süderelbe, umgeben von Eis. Foto: Klempow
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