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Premieren-OP

TElbe Kliniken: Darum ist dieser Herzschrittmacher so besonders

Oliver Marx hält den sondenlosen Einkammer-Herzschrittmacher in der Hand. Hier im Herzkatherlabor des Klinikums wurde das winzige Gerät erstmals einem Patienten implantiert.

Oliver Marx hält den sondenlosen Einkammer-Herzschrittmacher in der Hand. Hier im Herzkatherlabor des Klinikums wurde das winzige Gerät erstmals einem Patienten implantiert. Foto: privat

Die Elbe Kliniken feiern Premiere: Erstmals haben Kardiologen einen neuen Herzschrittmacher implantiert. Laut Klinik der kleinste der Welt. So funktioniert er.

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Von Karsten Wisser
Dienstag, 17.02.2026, 05:50 Uhr

Stade. Im Dezember implantierte die Kardiologie des Elbe Klinikums Stade erstmals einen sondenlosen Einkammer-Herzschrittmacher. Oliver Marx, Leiter der Herzschrittmacherambulanz, führte den minimalinvasiven Eingriff durch und setzte das Gerät, so groß wie eine Vitaminkapsel, in die Herzkammer ein. Diese Schrittmacher senken die Komplikationsrate bei Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko oder bestehenden Infektionen und bieten eine gute Behandlungsoption.

Jährlich betreut die Herzschrittmacherambulanz des Elbe Klinikums Stade über 1000 Patienten. Etwa 350 von ihnen erhalten wegen zu langsamem Puls einen Herzschrittmacher oder bei Herzschwäche und Kammerflimmern einen Defibrillator. Oliver Marx, Oberarzt und Leiter der Ambulanz, implantiert seit über 13 Jahren Herzschrittmacher. Bisher nutzte die Klinik klassische Systeme, bei denen das Gehäuse in einer Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins sitzt und Sonden über eine Vene zum Herzen führen.

Luftnot, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle

Diese leiten elektrische Impulse weiter und melden Signale zurück. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland über 130.000 Defibrillatoren und Herzschrittmacher implantiert, wie der Deutsche Herzbericht 2025 vermeldete. Ein Herzschrittmacher hilft dem Herzen, wenn es zu langsam schlägt. Dahinter stecken Störungen der Erregungsbildung oder -leitung - etwa durch koronare Herzkrankheit, Herzmuskelentzündung oder Alter. Dann schlägt das Herz zu langsam. Wenn das Herz zu langsam schlägt, kann es zu Symptomen wie Luftnot, Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfällen kommen.

Links der konventionelle Schrittmacher mit Gehäuse und Sonde, rechts der Leadless Pacemaker in Form einer einzelnen Kapsel.

Links der konventionelle Schrittmacher mit Gehäuse und Sonde, rechts der Leadless Pacemaker in Form einer einzelnen Kapsel. Foto: privat

Im Dezember feierte die Klinik eine Premiere: Der erste Patient erhielt einen sondenlosen Einkammer-Herzschrittmacher. Im Unterschied zu konventionellen Modellen komme dieser ohne Sonden durch die Vene ins Herz aus, erklärt Marx und zeigt das winzige Gehäuse. Mit 26 Millimetern Länge, weniger als sieben Millimetern Durchmesser und unter zwei Gramm Gewicht ist der Schrittmacher deutlich kleiner als herkömmliche Systeme. Die Kapsel vereint Elektronik und Batterie und ist laut Elbe Kliniken der weltweit kleinste Herzschrittmacher.

Normale Schrittmacher bergen Komplikationsrisiko

Der sondenlose Einkammer-Herzschrittmacher normalisiert den Herzrhythmus und bietet einen entscheidenden Vorteil: „Konventionelle Schrittmacher bergen ein gewisses Komplikationsrisiko. Sonden können brechen oder sich verlagern, und die Wunde unterhalb des Schlüsselbeins birgt ein Infektionsrisiko“, erklärt Marx. Bakterien können sich ansammeln und vermehren, Antibiotika helfen oft nicht. „Dann bleibt nur die vollständige Entfernung“, so Marx. Deshalb erhielt der Patient ein sondenloses Modell - die Schrittmachertasche war infiziert.

Sondenlose Einkammer-Herzschrittmacher werden jedoch nicht automatisch zum Standard, erklärt Chefarzt Dr. Sebastian Philipp: „Die Komplikationsrate konventioneller Schrittmacher ist unbedenklich. Diese Operationen sind Routine und risikoarm. „Für ausgewählte Patienten könnten die neuen Systeme jedoch ideal sein. „Risikofaktoren wie schwere Niereninsuffizienz oder Diabetes begünstigen systemische Infektionen. Auch Dialysepatienten oder Menschen mit geringem Körpergewicht profitieren vom Eingriff“, so Dr. Philipp.

An der Herzscheidewand der rechten Herzkammer wird der sondenlose Schrittmacher transplantiert. Haltearme fixieren ihn dort.

An der Herzscheidewand der rechten Herzkammer wird der sondenlose Schrittmacher transplantiert. Haltearme fixieren ihn dort. Foto: privat

Sondenlose Einkammersysteme gibt es seit 2013. Anfangs implantierten nur große Herzzentren diese Systeme wegen schwerer Komplikationen. Seit etwa drei Jahren führen auch kleinere Kliniken den Eingriff durch, wenn die Operateure wie Marx zertifiziert und geschult sind.

Patient sieht nach der OP eine kleine Naht

Das Team implantiert das Gerät im Herzkatheterlabor. Der minimalinvasive Eingriff erfolgt über einen Katheter in der Leiste, selten über die Halsvene. „Ein etwa 9 Millimeter dicker Führungsdraht schiebt den Katheter von der Leiste zum Herzen. Die flexible Spitze erreicht die rechte Herzkammer und sucht an der Herzscheidewand eine geeignete Stelle“, erklärt Marx.

Der Operateur schiebt die Schrittmacherkapsel aus dem Katheter, die Haltearme biegen sich und klammern sich am Herzgewebe fest. Ist das Gerät gut verankert und die Messwerte stimmen, entfernt man die Einführhilfen. Der Patient sieht nach der Operation nur eine kleine Naht in der Leiste und kann sich nach wenigen Stunden wieder normal bewegen. Der Schrittmacher hält etwa 10 bis 14 Jahre. Die Ambulanz kontrolliert den Schrittmacher alle sechs Monate.

*In der ersten Version stand im Vorspann der Buxtehuder Elbe Kliniken. Wir haben diesen Fehler berichtigt.

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