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TErleichterter Wahlsieger in Buxtehude – doch jetzt wird es kompliziert

Freude, Erleichterung und ein kühles Bier: SPD-Ratsherr Nick Freudenthal, Ralf Dessel, sein Schwiegervater Jarek Wosik und die amtierende Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt stoßen an.

Freude, Erleichterung und ein kühles Bier: SPD-Ratsherr Nick Freudenthal, Ralf Dessel, sein Schwiegervater Jarek Wosik und die amtierende Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt stoßen an. Foto: Richter

Ralf Dessel verspricht nach der Bürgermeisterwahl einen nahtlosen Übergang. Doch die politischen Mehrheitsverhältnisse bleiben unklar und stellen ihn vor Probleme.

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Von Karsten Wisser,
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Von Anping Richter
28.09.2026, 13:45 Uhr

Buxtehude. „Er kommt, er kommt!“ Mit diesem Ruf stürmt ein Junge in den Saal von Höft‘s Markthaus am Pfingstmarktplatz. Für Ralf Dessels Anhänger ist das das Stichwort. Musik an! Alle im Halbkreis aufstellen! Ralf Dessel filmt mit seinem Handy, als er den Saal betritt.

Er will den Moment festhalten: Jubel und erlöste, strahlende Gesichter bei den Unterstützern aus CDU, SPD, Freunden, Familie und seiner Wählergruppe, die sich für die Bürgermeisterwahl gegründet hatte. Seine „geile Truppe“, an die Dessel noch im Eingang stehend eine bewegte Dankesrede richtet, fängt derweil schon an, zu tanzen. Er muss die Polonaise anführen.

Rauschender Empfang für den Wahlsieger in Höft’s Markthaus: Ralf Dessel führt die Polonaise an.

Rauschender Empfang für den Wahlsieger in Höft’s Markthaus: Ralf Dessel führt die Polonaise an. Foto: Richter

Erleichterung ist auch das Gefühl, das die Gespräche beherrscht, als mit kühlen Bieren und bunten Cocktails angestoßen worden ist. „Apensener Verhältnisse möchte man der Buxtehuder Verwaltung ja nicht zumuten“, sagt der Buxtehuder SPD-Ortsvereinsvorsitzende Christian Krüger.

Der designierte Bürgermeister ist ein Kumpeltyp

Dass mit Ralf Dessel auch künftig ein erfahrener Verwaltungsfachmann das Rathaus führt, ist das eine. „Aber er kann nicht nur verwalten, er kann auch Politik implementieren“, sagt FDP-Mann André Grote. Mit Dessel habe er außerdem eher ein freundschaftliches als ein politisches Verhältnis: „Er ist ein Kumpeltyp.“

Die allererste Gratulantin für den neuen Bürgermeister: Dagmar Wosik-Dessel und Ralf Dessel, nachdem alle Wahllokale als ausgezählt gemeldet worden waren. Im Hintergrund steht Bente Rosebrock (rechts), Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Die allererste Gratulantin für den neuen Bürgermeister: Dagmar Wosik-Dessel und Ralf Dessel, nachdem alle Wahllokale als ausgezählt gemeldet worden waren. Im Hintergrund steht Bente Rosebrock (rechts), Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Wisser

Auch innerhalb der Stadtverwaltung werde sich jetzt große Erleichterung breitmachen, sagt Olaf Riesterer, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat. Laut Grote hatten einige Mitarbeitende vorsichtshalber fertige Bewerbungsschreiben für neue Jobs in der Schublade liegen. Neu wird jetzt vor allem eine Stelle zu besetzen sein: Ralf Dessels, also die des Ersten Stadtrats, der auch für die Kämmerei zuständig war.

Mit La Ola feiern Dessel und seine Anhänger bei der Ankunft in Höft's Markthaus.

Mit La Ola feiern Dessel und seine Anhänger bei der Ankunft in Höft's Markthaus. Foto: Richter

Die politische Situation, in der Dessel die Leitung der Stadtverwaltung ab 1. November von der amtierenden Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt übernehmen wird, ist keine einfache: Die Zeiten, in der SPD und CDU komfortabel gemeinsam die Geschicke der Stadt bestimmten, sei schon seit 2021 vorbei, sagt die damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Arnhild Biesenbach. Und auch die sogenannte progressive Mehrheit ist nicht mehr gesetzt.

Mögliche Gruppenbildung zwischen CDU und FDP

Dass die Mehrheitsverhältnisse nicht klar sind, dürfte zur großen Herausforderung werden: Die CDU ist mit zehn Sitzen die größte Fraktion. Es folgt die SPD mit acht, die Grünen mit sieben, die AfD mit sechs, die BBG/FWG sowie die Linke mit jeweils vier und die FDP mit einem Sitz. „Aus meiner persönlichen Sicht wäre für die FDP strategisch eine Gruppenbildung mit der CDU sinnvoll“, sagt Grote.

Olaf Riesterer rechnet damit, dass künftig nicht mehr so klar sein wird, wer mit wem zusammenarbeitet. „Es wird mehr um Sachthemen gehen, für die ein Konsens gefunden werden muss - und für jedes werden wir wieder eine neue Entscheidung treffen müssen.“ Aus seiner Sicht ist die wichtigste Priorität, mit den bekanntermaßen knappen Mitteln der Stadtkasse so effektiv wie möglich zu arbeiten.

Hier sind schnelle Entscheidungen gefragt

Für Christian Krüger ist das erste Thema, das ansteht, eine Entscheidung zum Buxtehuder Bahnhof: Neubau oder nicht? Danach sei der Rotkäppchen-Campus dran. Auch er findet es wichtig, schnell jemanden zu finden, der sich um die Finanzen kümmert.

Katja Oldenburg-Schmidt, die seit 1992 in der Buxtehuder Stadtverwaltung gearbeitet hat und mit einer Amtszeit von zwölf Jahren als Bürgermeisterin so etwas wie die Angela Merkel von Buxtehude ist, zeigt sich bei der Wahlparty gelöst und erleichtert. Wie die Büroübergabe zum 1. November aussehen wird? „Es wird ein nahtloser Übergang“, sagt sie.

Am Montag nimmt sich Ralf Dessel aber erst einmal einen Tag frei. Urlaub steht auch noch vor der Amtsübernahme an. „Aber am Dienstag gehe ich wieder ganz normal ins Stadthaus und mache meinen Job - und ab 1. November ziehe ich dann drei Bürotüren weiter.“

Mewes-Unterstützer: Mischung zwischen Frust und Stolz

In Neukloster feierte man den Wahlsieg, während Katharina Mewes mit ihren Unterstützern im Deck 2 der Malerschule zusammenkam. Die Stimmung schwankte zwischen Frust und Stolz. Frust, weil die Stichwahl verloren ging und das große Ziel, das Bürgermeisteramt, verfehlt wurde. Stolz, weil die Kandidatin mit über 40 Prozent einen beachtlichen Erfolg erzielte.

Katharina Mewes gratuliert Ralf Dessel zum Sieg in der Stichwahl.

Katharina Mewes gratuliert Ralf Dessel zum Sieg in der Stichwahl. Foto: Wisser

„Unsere Kampagne war selbst organisiert und finanziert“, sagte Mewes. Eine Agentur stand nicht im Hintergrund. „Wir hatten nur einen sehr guten Fotografen als externe Hilfe“, fügte sie hinzu. Ihr gutes Ergebnis zeige, dass viele Buxtehuder einen Neuanfang wünschen.

Entspannter Ausklang des Stichwahlabends im Deck 2 in der Malerschule. Mit Sina Bollhorn (links), Daniel Augustin (Mitte), Stephan Griebel (rechts) und im Hintergrund Katharina Mewes ist die komplette neue Fraktion der BBG/FWG zu sehen.

Entspannter Ausklang des Stichwahlabends im Deck 2 in der Malerschule. Mit Sina Bollhorn (links), Daniel Augustin (Mitte), Stephan Griebel (rechts) und im Hintergrund Katharina Mewes ist die komplette neue Fraktion der BBG/FWG zu sehen. Foto: Wisser

Mit einer starken BBG/FWG wolle man nun in der Ratsarbeit Akzente setzen und den neuen Bürgermeister an seinen Erfolgen messen. Auf die Frage, ob sie den Vorsitz der nun vierköpfigen Fraktion anstrebe, reagierte Mewes zurückhaltend. Das werde man demokratisch entscheiden.

Zufrieden oder unzufrieden? Letzte Gespräche im Deck 2 in Buxtehude: Wilfried Peper (rechts), langjähriger Ratsherr der BBG, und Marc Höper, Sprecher der Buxtehuder Schuleltern, diskutieren das Wahlergebnis.

Zufrieden oder unzufrieden? Letzte Gespräche im Deck 2 in Buxtehude: Wilfried Peper (rechts), langjähriger Ratsherr der BBG, und Marc Höper, Sprecher der Buxtehuder Schuleltern, diskutieren das Wahlergebnis. Foto: Wisser

Ähnlich äußerte sich der neue Ratsherr und SV-Ottensen-Vorsitzende Stephan Griebel zur Wahl. „Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir nicht gewonnen haben“, sagte er. Doch durch die vielen Gespräche im Wahlkampf wisse man nun genau, wo den Menschen der Schuh drückt.

Marc Höper, Vorsitzender des Stadtelternrats, gratulierte Wahlsieger Dessel über das TAGEBLATT. „Ich hoffe, er holt die Stimmen der Eltern proaktiv ein“, sagte er. Mewes als zweite Vorsitzende und Höper hatten in den vergangenen Jahren viel dazu beigetragen, den schlechten baulichen Zustand vieler städtischer Gebäude öffentlich zu machen.

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