Zähl Pixel
Handball-Bundesliga

TErster Aufgalopp: BSV spielt motiviert und schnell - Trainer dirigiert viel

Die Stimmung ist gut, die Neuen haben sich gut eingefügt. Hier pusht Carina Senel (rechts) von der Bank, hinten freut sich Nele Franz.

Die Stimmung ist gut, die Neuen haben sich gut eingefügt. Hier pusht Carina Senel (rechts) von der Bank, hinten freut sich Nele Franz. Foto: Felix Weißberg/Lobeca.de

Am Donnerstagabend gewann das neuformierte BSV-Team sein erstes Trainingsspiel der Vorbereitung mit 46:25. Das sind die ersten Eindrücke - und die Ansichten des neuen Trainers.

author
Von Jan Bröhan
18.07.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Seit mehr als zwei Wochen ist der Buxtehuder SV in der Vorbereitung auf die kommende Bundesligasaison. Der neue Trainer Jonas Schlender (31) muss einen Umbruch meistern, ein neues Team formen und seine Vorstellungen vermitteln.

Am Donnerstagabend empfing der BSV den Zweitligisiten Rostocker HC in der Halle Nord zum ersten Trainingsspiel. „Heute geht es nur darum, defensiv gut zu stehen“, sagt Schlender vor dem Spiel, „und dann Tempo, Tempo, laufen, laufen.“

Bisher hat der BSV vor allem im athletischen Bereich gearbeitet, alles mit dem Ball, aber taktische Elemente wurden nur wenig thematisiert.

Schlender ist sehr kommunikativ

Die Stimmung im Team ist gut. Die Spielerinnen scherzen, lachen, klatschen sich ab, spielen Spielchen im Mannschaftskreis während der Aufwärmphase.

Auf einer guten Abwehrarbeit soll das BSV-Spiel unter Schlender aufbauen.

Auf einer guten Abwehrarbeit soll das BSV-Spiel unter Schlender aufbauen. Foto: Felix Weißberg/Lobeca.de

Nach nur fünf Minuten führt der BSV im Trainingsspiel mit 7:1. Die offensiv ausgerichtete und aggressiv zupackende Abwehr zwingt Rostock zu ungenauen und überhasteten Abschlüssen. Torhüterin Oliwia Kaminska sammelt einige Paraden und ballt jedes Mal die Faust in Richtung Auswechselbank, vornehmlich adressiert an Torhütertrainerin Debbie Klijn und die neue Kollegin Nikki van der Vorst.

„Nicht stehen bleiben, immer nach vorne arbeiten“, fordert Schlender während eines Rostocker Angriffs. Zwei BSV-Spielerinnen sollen vorgezogen Ballverluste provozieren.

Jonas Schlender erklärt Spielerinnen während der Partie, wie sie sich in der soeben abgespielten Szene verhalten hätten müssen.

Jonas Schlender erklärt Spielerinnen während der Partie, wie sie sich in der soeben abgespielten Szene verhalten hätten müssen. Foto: Felix Weißberg/Lobeca.de

Als der BSV selbst ins Umschaltspiel kommt, erklärt er den Spielerinnen auf der Ersatzbank sofort eine vorangegangene Szene, wie sie sich hätten verhalten sollen.

Einmal spricht er direkt Spielmacherin Anika Hampel an, gestikuliert, sie nimmt in den paar Sekunden nicht aktiv am Spiel teil, nickt, fügt sich wieder in den Defensivverbund ein.

Alles baut auf eine stabile Defensive auf

„Die Abwehrarbeit war schon ganz gut“, sagt Schlender nach dem Spiel, das Tempo und die Laufintensität haben ihm auch gefallen.

Jonas Schlender kommuniziert viel, hier mit der neuen Spielmacherin Nele Franz.

Jonas Schlender kommuniziert viel, hier mit der neuen Spielmacherin Nele Franz. Foto: Felix Weißberg/Lobeca.de

Nach 18 Minuten nimmt er ein Timeout. „Da haben wir ärgerliche Gegentore kassiert“, erklärt er, „waren nicht gut auf den Wurfhänden drauf.“

Priorität habe immer die Abwehr, sagt Schlender. Handball basiere auf einer hohen Systematik. Am Ende sei es immer eine 6:0-Deckung. „Man wird uns aber nie auf einer Linie kleben sehen“, erklärt Schlender. Der Gegner solle möglichst weit durch aufgerückte Spielerinnen vom eigenen Tor ferngehalten werden.

Carina Senel geht nach ihrer Verletzung schon wieder voran.

Carina Senel geht nach ihrer Verletzung schon wieder voran. Foto: Felix Weißberg/Lobeca.de

Nach verhinderten Toren, erzwungenen Fehlern oder Ballgewinnen wünscht er sich „effektives Umschaltspiel mit Tempo“.

In der jetzigen Frühphase der Vorbereitung war das natürlich auch fehleranfällig, gern mal überhastet. Schlender betont, dass er keine Wunschlösung durchdrückt. „Es wird immer Anpassungen an den Gegner geben.“

Mehr Flexibilität in der Spielgestaltung

Neben Anika Hampel, die zur BSV-Spielerin der Saison gewählt wurde, hat der BSV mit Neuzugang Nele Franz eine zweite Spielmacherin auf der Rückraum Mitte-Position. Franz war 2021 HBF-Spielerin der Saison und lief auch schon im Nationaltrikot auf.

Während des Trainingsspiels stehen sie nur von der 45. bis 48. Minute zusammen auf dem Feld. Im Angriff verlagern sie die Seiten, in der Abwehr agieren beide als vorgezogene Störenfriede.

„Sie sind unterschiedliche Spielerinnen“, sagt Schlender. Der BSV könne das taktisch nutzen, sie könnten aber auch zusammen agieren. „Das bringt uns Flexibilität.“

Der BSV kassiert im Spiel vier Zeitstrafen, Rostock keine. Während dieser jeweils zwei Minuten fällt auf, dass der BSV ohne Torhüterin und jeweils mit Hampel und Franz zusammen die Angriffe fährt. „Über Unterzahl und Überzahl hatten wir noch gar keine Zeit zu sprechen“, sagt Schlender. Eine Idee deutet es aber wohl an.

Möglichst viel Führungsqualität im Team entwickeln

Der BSV agiert im Trainingsspiel motiviert und lautstark. Neben Hampel und Franz dirigiert auch Lin Lück wie gewohnt im Abwehrzentrum. Kreisläuferin Carina Senel, die unter Schlender in Solingen einst schon Kapitänin war, gibt Kommandos, führt.

„Es ist gut, dass wir zwei, drei mehr Spielerinnen mit Führungsqualitäten haben“, sagt Schlender. Auch Neuzugang Lucy Strauchmann pushe das Team lautstark. Er wünscht sich, dass da gerne mehr von allen kommt.

Wer wann und von wo, ob von der Bank, in der Abwehr oder während eines Angriffs motiviert oder lenkt - „das wird sich alles noch herauskristallisieren“, sagt Schlender.

Wie sich das Team pusht, zeigte sich vor allem von der lebhaften Bank. Da ballt Senel die Faust und Franz lobt Torhüterin van der Vorst nach einer Parade lautstark: „Gut, Nikki.“

Spielerinnen sollen in verschiedenen Situationen agieren

Natürlich agierte der BSV in dieser frühen Saisonvorbereitung sehr variabel und experimentell. Am Kreis waren neben Senel und Strauchmann auch Fleur Schouten oder Lück zu finden. Isa Ternede tauchte gefühlt überall mal auf. Und: „Abwehr müssen alle spielen“, sagt Schlender.

Enna Oberländer oder die noch fehlende Ruslana Litvinov (beste Spielerin der U20-WM) seien zudem sehr variabel, können auch auf Rückraum-Mitte spielen. „Wir können froh sein“, sagt Schlender über die verschiedenen Wechselmöglichkeiten.

Nach einer kleinen Pause nach der bisher intensiven, physischen Vorbereitungsphase wird Schlender in den taktischen Bereich einsteigen, mit dem Team an den Details arbeiten.

In dem Trainingsspiel vermittelte er den Spielerinnen hauptsächlich: „Trau dich, das oder das zu machen.“

„Wir wollten die Spielerinnen in viele verschiedene Situationen bringen, um viel Videomaterial für die Analysen zu haben.“ Das ist gelungen.

Die Termine der Vorbereitung im Überblick

22. Juli, 19 Uhr: Testspiel gegen Handball-Luchse (mit Zuschauern in der Halle Nord)

25. Juli: Testspiel in Dortmund

28. Juli bis 1. August: Trainingslager in Dänemark inklusive zweier Testspiele

7. August, 18.30 Uhr: Testspiel gegen den VfL Oldenburg in der Halle Nord

8. August, 17 Uhr: Testspiel gegen den VfL Oldenburg, auswärts

14./15. August: Turnier in Blomberg (mit Blomberg, Zwickau und Halle-Neustadt)

23. August, 15 Uhr: DHB-Pokal 1. Runde gegen den VfV Spandau, auswärts

30. August, 15 Uhr: Bundesliga-Auftakt beim Thüringer HC

5. September, 16 Uhr: Erstes Bundesliga-Heimspiel gegen den HC Leipzig

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel