TEs riecht nach Plumpsklo und Urin: So fängt der Aronstab Insekten
Aronstab. Foto: Paulin
Diese Pflanze ist ungewöhnlich: Sie zwingt ihre Bestäuber zu Gefangenenarbeit. Das ist möglich, weil der Blütenstand zwar kompliziert, aber sehr sinnvoll aufgebaut ist.
Die vielen Blüten sind in einem großen Blütenstand zusammengefasst. Oben befindet sich ein großes grünlichweißes, tütenförmiges Hochblatt. Darin eingeschlossen ist ein bräunlicher Kolben, an dem sich männliche und unter einer Reuse darunter weibliche Blüten befinden. Ganz unten ist das Hochblatt bauchig erweitert.
So läuft die Bestäubung ab
Im späten Frühjahr entwickelt der bräunliche Kolben des Aronstabes Duftstoffe, die fürchterlich nach einer Mischung aus Plumpsklo, Urin und Aas stinken. Manche Insekten finden diesen Gestank prima. Sie fliegen geradezu gierig in das kelchartig verbreiterte Hochblatt hinein. Häufig sind es Käfer, aber besonders oft auch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, die gern ihre Eier an Kothaufen ablegen.
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Das grünweiße Hochblatt besitzt Drüsen, die einen fiesen Schleim produzieren. Zusätzlich bildet das Hochblatt abwärts gerichtete Verdickungen aus. Möchte ein Insekt nun Eier ablegen, gelangt es dabei auf dieses ölige, glitschige Gebilde. Nun ist es verloren: Es kann so viel krabbeln und klettern wie es will, es rutscht hoffnungslos nach unten.
Insekten wirbeln Pollen wild umher
Diese Rutschbahn führt jedes angelockte Insekt vorbei an reusenförmigen Häkchen immer weiter nach unten in den dicken Kessel. Aus ihm können die gefangenen Insekten wegen der Reusensperre nicht entrinnen. Unten im Kessel ist der Bär los: Alle gefangenen Insekten möchten aus der Falle entkommen, fliegen wirr und aufgeregt umher. Aber die Reuse versperrt ihnen den Weg.
Dort befinden sich viele weibliche Blüten. Insekten, die von einem anderen Aronstab Pollen mitgebracht haben, bestäuben durch das wilde Umherfliegen die weiblichen Blüten. Doch nach ungefähr einer Woche welkt die Reuse und die Insekten werden aus ihrer Gefangenschaft freigelassen. Sie fliegen dabei an den männlichen Blüten vorbei und nehmen deren Pollen mit auf ihren Weg zur nächsten Blüte.
Zucker hält die erschöpften Gefangenen am Leben
Das Prinzip dieser Kesselfallen-Blüten ist also: Insekten anlocken und so lange in der Gefangenschaft halten, bis möglichst viele weibliche Blüten bestäubt sind. Das ist für die Insekten durchaus kräfteraubend. Deshalb hat der Aronstab ein paar Annehmlichkeiten auf Lager.
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In der Kesselfalle wird Zucker abgeschieden, den die Insekten während ihrer fast einwöchigen Arbeitszeit erhalten und so in diesem Wirtshaus am Leben bleiben. Und zweitens erhöht die Pflanze im Kessel die Temperatur beträchtlich. Wenn es nachts vielleicht fünf Grad am Boden hat, dann ist es im Kessel kuschelige 25 Grad warm.
Im Sommer fallen oft die scharlachroten Beeren auf, die sich auf dem Kolben entwickeln. Die sollte man keinesfalls essen. Sie sind - wie die ganze Pflanze auch - sehr giftig. Im Gift ist eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen enthalten, darunter Ammoniak, Blausäure und Nikotin. Die Symptome sind entsprechend vielfältig: Hautrötung, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen, längerfristig Leber- und Nierenschäden. Auch so etwas kann der Aronstab.
Serie und Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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