TFast 500 Euro, um ein Wespennest zu entfernen – Staderin warnt vor Abzocke
Hier surrte und brummte es auf ihrer Terrasse, zeigt die Stader Rentnerin Karin Akkermann. Foto: Thumann
Gute Bewertungen, schnelle Hilfe, günstiger Preis: Karin Akkermanns Anruf bei einem Kammerjäger endete mit einer bösen Überraschung. Jetzt möchte die Staderin andere sensibilisieren.
Stade. Karin Akkermann wohnt in ihrem Elternhaus in Stade-Hagen. Die ausgebildete medizinisch-technische Assistentin (MTA) musste im vergangenen Jahr mit ihrem Hund zum tierärztlichen Notarzt, nachdem der zu dem Zeitpunkt dreijährige Boxer von einer Wespe gestochen wurde und mit Kortison behandelt werden musste.
Entsprechend sensibilisiert war die 65-jährige Hagenerin, als es bei den heißen Temperaturen in diesem Sommer auf ihrer Gartenterrasse brummte und surrte.
Akkermann landet auf Website eines Kammerjägers „in Ihrer Nähe“
Die Rentnerin entdeckte in der seitlichen Holzbegrenzung ein Wespennest und bekam es mit der Angst um ihren Hund zu tun. „Ich fragte eine befreundete Biologin, was ich tun könne, denn Wespen stehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter allgemeinem Schutz“, so Akkermann.
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Die Freundin hatte auch gleich eine Antwort parat und verwies auf die Website eines Kammerjägers mit dem Hinweis „in Ihrer Nähe“. Dort seien Internet-Bewertungen bei Google und Trustpilot von 4,9 und 4,8 Punkten aufgeführt gewesen, erklärt sie.
Und weiter: „Unter der Überschrift ‚Der Kammerjäger in Ihrer Nähe‘ steht dort, der Notdienst sei diskret, schnell und zum garantierten Festpreis bei kostenloser Anfahrt und sei unter einer Stunde vor Ort“, erinnert sich Karin Akkermann an die Website mit dem verlockenden Angebot für ihr Problem.
„90 Euro in bar oder per EC-Karte“
Beim Anruf über die aufgeführte Mobilfunknummer meldete sich nach Angaben der Frau aus dem Stader Ortsteil Hagen eine freundliche Frauenstimme. „90 Euro in bar oder per EC-Karte sollte die Aktion kosten“, sagt Akkermann und beauftragte daraufhin das Unternehmen.
Am selben Vormittag sei ein junger Mann gekommen, der sich das Wespennest anschaute und dabei schon selbst gestochen wurde.
Mitarbeiter zertritt das Wespennest und wirft es ins Beet
Nach Angaben der Staderin zog er sich anschließend einen Parka und eine Atemschutzmaske an und besprühte das Nest sowie die aufgescheuchten Wespen mit insgesamt vier Spraydosen unbekannten Inhalts. Zum Schluss habe der Mitarbeiter das Nest zertreten und ins Blumenbeet geworfen.
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Die Arbeiten durfte die Hundebesitzerin nach eigener Aussage mit Zustimmung des Mitarbeiters filmen. Das Video und die Rechnung zeigte sie dem TAGEBLATT beim Besuch in Hagen.
Akkermann fühlte sich einfach überrumpelt
Aus den mündlich avisierten 90 Euro wurden dann urplötzlich 473,62 Euro. „Die Pauschale, eine Gefahrenzulage, Fahrtkosten und Mehrwertsteuer mussten sofort per Kartenlesegerät bezahlt werden“, sagt Akkermann. Sie fühlte sich in der Situation einfach überrumpelt und ärgerte sich noch Tage später.
Etwa eine Stunde nach der Zahlung erhielt sie die Rechnung per Mail. Ausgestellt war sie nicht von dem im Internet beauftragten Kammerjäger, sondern von einem Hausmeisterservice aus Marl in Nordrhein-Westfalen. Zwei TAGEBLATT-Anfragen an das Unternehmen mit der Bitte um eine Stellungnahme blieben bis heute unbeantwortet.
Das ist das Anliegen der Staderin
„Ich werde kein Geld zurückbekommen, aber ich möchte helfen, aufzuklären, dass nicht noch weitere Menschen auf diese Art und Weise abgezockt werden“, versucht die Rentnerin dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen.
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Im Gegensatz zur Website des Kammerjägers finden sich auf der Original-Bewertungsplattform Trustpilot zahlreiche kritische Bewertungen. Nutzer schreiben dort unter anderem: „Warne dringend!“, „Die Firma ist Fake“, „Grenzt an Betrug!“ oder „Achtung Abzocke“. Die Gesamtbewertung des Unternehmens liegt dort bei einem von fünf Sternen.
Ein Blick auf diese Seite hätte vermutlich einiges verhindert.
So schützt man sich vor Abzocke bei Notdiensten
Die Verbraucherzentralen geben folgende Ratschläge:
- Niemanden beauftragen, der nur eine 0800-Nummer oder Handynummer angibt.
- Seriöse Schädlingsbekämpfer können am Telefon einen ungefähren Preis nennen und auch sagen, wie sie voraussichtlich vorgehen werden.
- Bei der Internetrecherche das Impressum der Seiten anklicken. Dort steht, ob der Anbieter tatsächlich in der Nähe sitzt.
- Über Berufsverbände nach Notdiensten in der Umgebung umsehen.
- Niemals sofort zahlen. Man hat das Recht, die Rechnung überprüfen zu lassen.
- Ein Profi stört oder tötet Wildtiere nicht unbegründet und arbeitet mit den Naturschutzbehörden zusammen.
- Auf den Internetseiten des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung oder beim Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband kann man auch nach Postleitzahl nach einem Schädlingsbekämpfer in der Nähe suchen.
Quelle: verbraucherzentrale.de
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