TFeuer im CFK Nord: So plant Stades Ortsbrandmeister das Horrorszenario
Feuerwehrleute befreiten bei der Übung vier Personen aus einem verunglückten Fahrzeug. Foto: Stefan Braun
Auf ihre ehrenamtliche Arbeit machen die Stader Ortsfeuerwehren einmal im Jahr mit einer Großübung aufmerksam. Die muss gut vorbereitet sein. Vor allem in diesem Jahr.
Stade. Anspannung liegt am späten Donnerstagnachmittag in der Luft am Forschungszentrum CFK Nord im Stader Ortsteil Ottenbeck. Auf einem Teil des insgesamt 80.000 Quadratmeter großen Geländes findet heute in Gedenken an den großen Stadtbrand von 1659 die traditionelle Übung der Freiwilligen Feuerwehr Stade statt. 200 Feuerwehrleute und mehrere Hundert Schaulustige werden gleich anrücken.
Der Ortsbrandmeister schreibt das Drehbuch
Das Szenario: Feuer im Dachbereich einer großen Halle und ein Autounfall. Mehrere Menschen müssen vom Dach, aus der verqualmten Halle und aus dem Fahrzeug befreit und gerettet werden. Stades ehrenamtlicher Ortsbrandmeister Stephan Woitera steht anderthalb Stunden vor dem geplanten Alarm unter Zeitdruck.

Letzte Absprache vor der großen Übung: Der Stader Ortsbrandmeister Stephan Woitera (in Blau) mit Stefan Tietje und weiteren Feuerwehrmitgliedern. Foto: Stehr
Er hat das Drehbuch für die Übung geschrieben und ist mit einem knapp 30-köpfigen Team bereits am Einsatzort, um letzte Vorbereitungen zu treffen und Fragen zu klären. Wie viele Übungspuppen - sogenannte Dummys - sollen verteilt werden? Wer soll gleich auf das mehr als zehn Meter hohe Hallendach klettern und Opfer spielen?

Stolz, dabei zu sein: Marlon (von links), Jane und Nele von der Jugendfeuerwehr. Die drei spielten bei der Übung die Opfer eines Verkehrsunfalls. Foto: Stehr
Airbus-Werkfeuerwehr ist bei Übung dabei
Stephan Woitera organisiert bereits seit 2012 die Großübung. „Für mich ist das eine Herzensaufgabe“, sagt er. Beteiligt sind immer die Ortsfeuerwehren Stade (Zug I und II), Bützfleth, Hagen und Wiepenkathen sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehr. Unterstützt werden die Stader heute aufgrund der örtlichen Nähe erstmals durch die Feuerwehr Agathenburg. Auch die Werkfeuerwehr von Airbus ist dabei.

Marcel Engel (links) und Tjark Brütt vom Zug II der Stader Feuerwehr platzieren einen Dummy für die Feuerwehrübung. Die Puppe wiegt knapp 80 Kilo. Foto: Stehr
Damit die Übung stattfinden kann, muss Stephan Woitera schon Monate vorher an einiges denken. Wichtigste Frage: Wo können wir hin? Das Areal muss groß genug sein, damit alle Feuerwehrleute beschäftigt sind. Außerdem sollten möglichst keine Anwohner gestört werden. „Deswegen führen wir die Übung nicht mehr in der Innenstadt durch“, sagt der Ortsbrandmeister.
Traditionsübung
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In den vergangenen Jahren fand die Übung unter anderem an den BBS in Stade, auf dem Gelände der Agravis Raiffeisen AG in Ottenbeck und an der Grundschule am Burggraben statt. Einmal passierte etwas Außergewöhnliches.
Ernstfall tritt während einer Übung ein
Bei der Übung am Güterbahnhof, bei der ein Unfall mit Pkw und Bahn simuliert wurde, kam plötzlich ein echter Einsatz dazwischen.
In Haddorf war tatsächlich ein Auto mit einer Bahn kollidiert. „Das war gruselig. Wir haben die Übung natürlich sofort abgebrochen und sind zum echten Einsatzort gefahren“, erinnert sich Feuerwehrsprecher Stefan Braun.
Streng geheim: Manche Bereiche im CFK Nord sind tabu
Dass die Übung nun im Forschungszentrum CFK Nord stattfinden kann, ist nicht selbstverständlich. Schließlich werde hier auch an geheimen Projekten geforscht, sagt Timo Haack von der CFK Nord Betriebsgesellschaft, einer Tochterfirma der Stadt Stade. „Das ist ein bisschen wie Fort Knox.“

Bereiteten die Übung gemeinsam vor: Ortsbrandmeister Stephan Woitera (Mitte) mit Timo Haack und Jaqueline Ziegler von der CFK Nord Betriebsgesellschaft. Foto: Stehr
Deshalb mussten alle Firmen, die als Mieter im Forschungszentrum ansässig sind, ihr Einverständnis geben. Sie können sich darauf verlassen, dass die Übung nur in bestimmten Bereichen stattfindet und dass keine Bauteile fotografiert werden. „Da, wo gerade der Wasserstofftank entwickelt wird, dürfen wir natürlich nicht hin“, sagt Timo Haack. Zweimal war er mit einer Kollegin und Stephan Woitera vorher vor Ort, um alles einzutüten.
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Ist ein Ort gefunden, muss Stephan Woitera noch mehr organisieren. Zum Beispiel ein Schrottauto von einem ortsansässigen Abschleppdienst wie Trafny‘s Fahrzeugtechnik und Abschleppdienst in Ottenbeck. „Das klappt immer kurzfristig auf Anfrage drei bis vier Wochen vorher“, sagt der Ortsbrandmeister. Woran muss er noch denken?

Auch vom mehr als zehn Meter hohen Dach einer Halle mussten Feuerwehrleute in Stade bei der Großübung Menschen retten. Foto: Stefan Braun
Stephan Woitera muss die Übung bei der Einsatzleitstelle anmelden. Außerdem muss er Nebelmaschinen und Dummys organisieren. Vieles hat die Stader Feuerwehr im Materialfundus. Die Werkfeuerwehr Airbus Finkenwerder steuert heute noch einen großen Lüfter bei, die Agathenburger eine Drohne.

An der Übung im Forschungszentrum CFK Nord nahmen 200 Feuerwehrleute der freiwilligen Feuerwehren Stade und Agathenburg sowie Mitglieder der Airbus-Werkfeuerwehr teil. Foto: Stefan Braun
Kurz vor 19 Uhr sind alle Mitglieder der Jugendfeuerwehr auf ihrem Posten und warten auf Rettung. Bei ihnen und den vielen Schaulustigen, die über das CFK-Gelände streifen, steigt die Spannung. Bei Stephan Woitera kehrt dagegen Ruhe ein. Er hat an alles gedacht.
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