TFlutkatastrophe 1976: Warum in Dornbusch Autowracks im Deich versenkt wurden
Nach dem Deichbruch bei Nindorf war die Bundeswehr im Einsatz, um die Deichlücke mit Sandsäcken zu schließen. Foto: Zeitungsverlag Krause
Die Deichschäden nach der Sturmflut vom 3. Januar 1976 forderten Behörden und Deichverbände. In Dornbusch verwendeten die Ingenieure sogar Autowracks beim Deichbau.
Drochtersen. Der ehemalige Amtsleiter des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Stade, Gerhard Großkopf, erinnert sich an die Flut vom Januar 1976 und die Tage danach. Mit der Warnung am 3. Januar war laut Großkopf klar, dass nach den Baumaßnahmen infolge der Sturmflut von 1962 Drochtersen und der alte Elbdeich der kritische Bereich sein würden. Es gab zwar Ausschreibungen für den Vordeich auf Krautsand, begonnen hatten die Arbeiten aber noch nicht.
Die Drochterser Elbdeiche waren überwiegend niedriger als sechs Meter; am niedrigsten Punkt 5,30 Meter. Damit lagen sie deutlich unter dem Bemessungswasserstand der Flut. Die Deiche auf die Schnelle mit Sandsackbarrieren zu verteidigen, schien bei der Länge von mehreren Kilometern utopisch.
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WWA-Mitarbeiter und Ingenieure waren zur Sturmflut vor Ort. Ein vollständiges Bild der Schäden gab es aber erst am nächsten Tag. Großkopf konnte sich per Bundeswehrhubschrauber ein Bild machen. Ohne den Einsatz der Bundeswehr hätte „die Katastrophe nicht so schnell bewältigt werden können“, so der Amtsleiter.
Autowracks wurden in die Deiche eingebaut
Auf etwa neun Kilometern hatte es insgesamt 20 Deichbrüche gegeben, davon drei schwere Grundbrüche. „Hier waren die Deiche bis auf Geländeniveau fortgespült, zusätzlich hatten sich in der Deichtrasse und binnendeichs bis zu sechs Meter tiefe Kolke gebildet“, schildert Großkopf. Die übrigen Deichbrüche waren Kappenstürze, bei denen die Deichkrone fehlte.
Eile war geboten. „Beim Bruch in Dornbusch war es notwendig, Autowracks als Widerlager einzubauen, um die erforderliche Standfestigkeit zu erreichen, da die Flut hier eine breite Rinne vom Außendeichsgraben zum Kolk gerissen hatte“, schildert Großkopf eine ungewöhnliche Deichbaumaßnahme.
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Beim Nindorfer Bruch wurden gefüllte Sandsäcke per Hubschrauber an die Einbaustelle geflogen. Entlang der alten Deiche gab es keine Deichverteidigungswege. Laut Großkopf waren am 5./6. Januar durch den Einsatz der Bundeswehr alle Deichbrüche provisorisch gesichert.
Schäden wurden ohne Ausschreibung beseitigt
Die Bundeswehr rückte ab und Baufirmen traten an. Die Schadensstrecke wurde in sechs Abschnitte eingeteilt und jeweils einer Firma zugeordnet. Für Ausschreibungen war keine Zeit.
Während bei den Grundbrüchen in Dornbusch und Nindorf Ringdeiche außen um den Sandsackwall mit Boden aus dem Vorland aufgesetzt wurden, konnte beim Grundbruch am Ortsanfang von Drochtersen gleich der Kolk mit Sand verfüllt und der Deichkörper in alter Trasse aufgebaut werden.
Nur 18 Tage nach den verheerenden Deichbrüchen war die nächste schwere Sturmflut angesagt. Fast überall hielten die instand gesetzten Deiche in der Nacht vom 20. zum 21. Januar - nur in Dornbusch riss der Ringdeich auf etwa zehn Metern Länge auf. Erneut strömte Wasser landeinwärts. Wieder rückte die Bundeswehr an, in knapp zwei Tagen konnte die Stelle laut Großkopf ausreichend gesichert werden.
Fast zwei Monate stand das Moor unter Wasser
Ein Problem blieb der Wasserstand im Kehdinger Moor. Die Schöpfwerke waren durch die Überflutung am 3. Januar weitgehend außer Funktion gesetzt. Zwei Pumpen wurden aus Holland angemietet. Zusätzlich pumpten zwei kleine Nassbaggergeräte Wasser über den Deich. Ende Februar waren die überschwemmten Flächen wieder trockengelegt.
In Nordkehdingen hielt der Hauptdeich. Aber die neue Deichlinie war stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Anfang Februar begann die Wiederherstellung. Zum Herbst 1976 war die gesamte Deichstrecke der Vordeichung Nordkehdingen fertiggestellt.
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