TFrust in Himmelpforten: Wenn der Stromzähler nur Ärger macht
Rainer Nickel Foto: Wertgen
Der intelligente Stromzähler ließ erst lange auf sich warten, dann übertrug der Smart Meter keine Daten. Warum kommt es bei Haushalten wie Familie Nickel aus Himmelpforten zu Problemen?
Himmelpforten. Rainer Nickel (66) aus Himmelpforten hat seinen Stromverbrauch jahrelang akribisch im Blick behalten. Seit 41 Jahren lebt er mit seiner Frau in ihrem gemeinsamen Haus. Die Kinder sind längst ausgezogen, der Verbrauch entsprechend niedrig. Zu niedrig für die gesetzliche Pflicht zum Einbau intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meter. Verpflichtend ist der Einbau in der Regel erst ab einem höheren Jahresstromverbrauch oder wenn im Haus zum Beispiel eine eigene Solaranlage mit bestimmter Leistung betrieben wird.
Kontrolle des Verbrauchs zahlt sich aus
Smart Meter sind digitale Messgeräte, die den Energieverbrauch in Echtzeit erfassen und die Daten verschlüsselt an den Netzbetreiber übermitteln. Nutzer können damit ihren Stromverbrauch genauer nachvollziehen, Einsparpotenziale erkennen und Stromfresser aufspüren. Nickel entschied sich freiwillig für die neue Technik - und erlebte dabei zunächst vor allem Frust.
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Früher nutzte er den Dongle-Stick Elmo von EWE, mit dem er Strom-, Gas- und Wasserverbrauch digital auslesen und in einer Excel-Tabelle sammeln konnte. Diese Kontrolle zahlte sich aus: Vor einigen Jahren entdeckte er dank auffälliger Werte ein Wasserleck, bevor größerer Schaden entstand.
„Ich konnte mit Elmo immer alles ablesen“, sagt Nickel. Im Oktober 2024 kam die Nachricht: Der Dienst wird eingestellt. EWE sprach von einer Alternative, die bald verfügbar sei - ein neues Smart-Meter-Gateway.
Warten auf das neue Gateway
Fast ein Jahr Wartezeit folgte. Im Sommer 2025 kam der Techniker. Das Gateway war nach rund 15 Minuten eingebaut. „Das lief alles reibungslos“, erinnert sich Nickel.
Doch dann funktionierte nichts: keine Datenübertragung, kein Zugriff auf Verbrauchswerte. Er meldete das Problem. Oft liegt die Ursache in schlechtem Mobilfunkempfang, wenn der Zählerkasten im Keller steht. Bei den Nickels konnte das ausgeschlossen werden. „Wir haben keinen Keller.“
Ausnahmen in einem riesigen Prozess
Der Frust wuchs, zumal auch sein Sohn Lennart Herbst im Haus gegenüber nicht weiterkam. Herbst gehört wegen seiner Solaranlage zu den Pflichtinstallationen. Ein geplanter Montagetermin bei ihm musste wegen Personalausfall kurzfristig abgesagt werden, ein Ersatztermin ließ bis kurz vor Weihnachten auf sich warten.
Bei großen Rollouts kann es zu Verzögerungen kommen, wenn Installationsteams zunächst in andere Gebiete weiterziehen, so EWE Netz. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben inzwischen rund 90.000 intelligente Messsysteme im gesamten Netzgebiet installiert. Mehr als 90 Prozent davon laufen störungsfrei und übermitteln die Daten wie vorgesehen.
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Kurz vor Weihnachten gab es auch für Nickel ein kleines Geschenk. Bei Nickel war ein Softwarefehler das Problem. „Zur Behebung war eine Anpassung unseres IT-Systems erforderlich, die wir inzwischen erfolgreich umgesetzt haben“, erklärt ein EWE-Netz-Sprecher.
Smart-Meter-Rollout ist bundesweit ein großes Projekt
„Der Smart-Meter-Rollout ist ein Gemeinschaftsprojekt – getragen von Gesetzgeber, Netz- und Messstellenbetreibern, Technikpartnern und den Kundinnen und Kunden“, heißt es.
Bei einem bundesweiten Massenprozess dieser Größenordnung könne nicht alles sofort reibungslos funktionieren. Entscheidend sei, dass die Erfahrungen genutzt werden, um den weiteren Verlauf kontinuierlich zu verbessern.
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