T„Fühle mich verarscht“: Zevener Autohändler nach Brand vor dem Ruin
Mohammad Abdel Hadi ist vor Kurzem mit seinem Gebrauchtwagenhandel in Zevens Kastanienweg gezogen und wollte dort einen Neuanfang wagen, als in der Nacht seine Autos brennen. Foto: Hahn
Erst die Flammen, jetzt die Gerüchte: Drei Wagen des Autohändlers sind am 9. Mai abgebrannt. Plötzlich heißt es, er habe das Feuer selbst gelegt. Während die Polizei wegen Brandstiftung ermittelt, droht ihm der Rauswurf.
Zeven. Am 9. Mai gehen mitten in der Nacht drei teure Wagen eines Zevener Autohändlers in Flammen auf. Während die Polizei weiter ermittelt, ist der Mann inzwischen völlig verzweifelt und sieht sich mit harten Gerüchten konfrontiert. „Die Leute sagen, ich habe meine Autos selbst angezündet, um das Geld aus der Versicherung zu bekommen“, so Mohammad Abdel Hadi bei einem Vor-Ort-Termin mit der „Zevener Zeitung“.
Seit zwei Jahrzehnten lebt Abdel Hadi in Zeven und hat nach eigener Aussage nie schlechte Erfahrungen gemacht. Der Familienvater öffnet 2017 seinen Gebrauchtwagenhandel auf einem umzäunten Gelände an der Bäckerstraße. Als er das leer stehende Gewerbeobjekt am Kastanienweg entdeckt, beschließt er den Umzug, freut sich auf ein richtiges Büro in dem Gebäude und erhofft sich Vorteile von der Lage innerorts.
Zevener Autohändler hatte sich auf die Eröffnung gefreut
„Am 13. April habe ich meiner Versicherung den zum 1. Mai bevorstehenden Umzug gemeldet und auch Fotos vom neuen Gelände geschickt“, erinnert er sich und zeigt uns den Chatverlauf mit seinem Versicherungsvertreter. Dieser bestätigt ihm, die Firmenadresse in den Unterlagen am nächsten Tag anzupassen, und beide vereinbaren einen Termin, um zu prüfen, inwiefern die Versicherungsbedingungen eventuell angepasst werden müssen. „Ich bin auch mit meinen privaten Fahrzeugen dort seit 2009 Kunde“, sagt Abdel Hadi.
Er freut sich über die neue Adresse, richtet den Verkaufsraum ein, stellt seine Ware sichtbar auf den Platz vor dem Gebäude, in dem zuvor ab 2022 für wenige Jahre ein Fahrradhändler sein Geschäft betrieb. Er dekoriert die Scheibe, richtet einen Aufenthaltsbereich ein und plant eine Eröffnungsfeier für den 17. Mai am neuen Standort.
Brandstiftung am 9. Mai beim Zevener Autohändler
Die Versicherung weiß Bescheid, hat Fotos von dem neuen Objekt bekommen, die persönliche Beratung ist am 13. Mai terminiert. Doch dann gerät alles aus den Fugen: Durch Brandstiftung verliert Mohammad Abdel Hadi nur neun Tage nach dem Umzug seine drei teuersten Wagen. Umgehend meldet er den Schaden bei seinem Versicherungsvertreter. Dieser besucht ihn am bereits ausgemachten Termin, stellt fest, das Gelände sei ja nicht umzäunt wie das vorherige. Deshalb müsse der Fall geprüft werden.

Eines der Autowracks aus der Brandnacht steht noch auf dem Gelände. Foto: Hahn
110.000 Euro Schaden nach dem Brand im Kastanienweg
Bis Anfang der Woche hat der Autohändler keine Rückmeldung erhalten, was nun mit dem Schaden ist. „Ich habe gedacht, ich bin versichert. Ich fühle mich verarscht“, kommentiert der Unternehmer resigniert. Als langer Kunde ist er von der Versicherung enttäuscht, hätte sich ein Entgegenkommen gewünscht, um etwa den noch immer sichtbaren Schaden an der Pflasterung zu beheben. Seinen Schaden schätzt er auf 110.000 Euro und fürchtet, darauf sitzenzubleiben. „Ich habe schon meinen Urlaub storniert“, sagt er traurig. Aus Enttäuschung hat er der Versicherung alle Verträge gekündigt und sich eine neue gesucht.
Der Brand auf seinem Firmengelände ist nicht der Einzige, der aktuell die Ermittler der Zevener Polizei seit Februar auf Trab hält: Zuerst die brennenden Autos in der Straße Hinter der Bahn und im Moordamm, dann brannten wiederholt seit März Rauchmelder und Turnschuhe im Eschenweg, und auch Teile eines Imbissbetriebs in der Bahnhofstraße fielen Flammen zum Opfer. Zuletzt brannten in besagter Mai-Nacht drei Autos des Unternehmers am Kastanienweg.
Die Polizei geht in allen Fällen von Brandstiftung aus, konnte aber „bislang keine Tatzusammenhänge“ feststellen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilt. Auch zwischen dem Imbissbrand und den brennenden Autos von Abdel Hadi konnte bislang kein Zusammenhang festgestellt werden. Konkrete Ermittlungsergebnisse liegen bislang nicht vor.
Fristlose Kündigung für Zevener Autohändler zum 15. Juni
Die Serie an Hiobsbotschaften für Abdel Hadi reißt derweil nicht ab: Am Telefon teilt er uns zuletzt mit, er habe ein anwaltliches Schreiben von der Rechtsvertretung seiner Vermieter erhalten. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. Darin wird dem Geschäftsmann „eine schwerwiegende Pflichtverletzung“ vorgeworfen. Diese zerstöre das „für die Fortsetzung eines Mietverhältnisses erforderliche Vertrauensverhältnis“, weshalb eine fristlose Kündigung mit der Aufforderung zur Räumung bis zum 15. Juni erfolge. Abdel Hadi weist die Vorwürfe von sich. Während er einen neuen Platz sucht, sagt der Geschäftsmann verzweifelt: „Ich habe keine Kraft mehr.“
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