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Nebensaison

TGastronomie kennt keine Winterruhe: Feiern, essen und kegeln an der Oste

Daniela und Johannes Wulff setzen auf den Restaurant-Betrieb, aber auch auf ihr zweites Standbein: das Catering durch Dat Brinkhuus.

Daniela und Johannes Wulff setzen auf den Restaurant-Betrieb, aber auch auf ihr zweites Standbein: das Catering durch Dat Brinkhuus. Foto: Umland

Die Oste ist Idylle. Aber nicht, wenn es nass, kalt und dunkel ist. Wie kommen die Gasthäuser dort durch den Winter? Drei Beispiele aus Gräpel, Kranenburg und Großenwörden.

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Von Grit Klempow
Samstag, 17.01.2026, 19:20 Uhr

Oldendorf-Himmelpforten. Diesige Winterluft verdeckt den Fluss. Es könnte ein guter Tag zum Ausruhen sein. Aber Ruhe liegt Karin Plate nicht wirklich. Die Gastronomin ist Herz und Seele von Plates Osteblick.

Karin Plate hat das Gasthaus von ihren Eltern übernommen. Sie liebt es, ebenso wie die Oste und die Fähre, deren Betrieb im Sommer zum laufenden Geschäft gehört. Im Winter ist die Prahmfähre an Land.

Beste Lage und schwieriger Dienstplan

„Manchmal kann ich es nicht mehr hören“, sagt Karin Plate. Diese Behauptung, das Lokal, „diese Lage!“, müsse doch eine Goldgrube sein, bekommt sie seit fast 30 Jahren aufgetischt.

Aber Gold muss geschürft werden - das geht nur mit einem guten Team. „Und das Personalproblem haben wir alle“, sagt Karin Plate. Es gebe kaum noch Aushilfskräfte, die mal eben parat stehen, wenn bei bestem Wetter jeder Platz draußen besetzt ist. Der Saisonbetrieb am Hafen ist wetterabhängig. Das macht die Personalplanung schwierig.

Karin Plate kann auch in den Wintermonaten an der Oste auf ihre Stammkunden von Bremen bis Bremervörde zählen.

Karin Plate kann auch in den Wintermonaten an der Oste auf ihre Stammkunden von Bremen bis Bremervörde zählen. Foto: Klempow

„Ich habe mir einen großen Einzugsbereich erarbeitet“, sagt die Küchenchefin. Stammgäste kommen aus Cuxhaven, aus dem Nachbarlandkreis Rotenburg, aus Bremerhaven oder Bremen. Auf die kann sie auch im Winter zählen. Zu Silvester und Weihnachten hat sie Fest-Büfetts angeboten.

Erfolgreiche Ball-Premiere

Gerade erst hat die Gastronomin mit ihrem Team zum ersten Mal erfolgreich den viertägigen Festreigen des Schipperballs ausgerichtet. Der wurde bislang im großen Saal des Gasthauses Meier in Gräpel gefeiert. Aber das ist nun geschlossen. Es ist schwierig, für Landgasthöfe Nachfolger zu finden.

Die Gemeinde Kranenburg hat in der Hand, ob es die Gaststätte im Dorf weiter gibt - sie ist in Gemeindebesitz. Kranenburg hat viel Geld und gute Ideen in das Gasthaus gesteckt. Dat Brinkhuus eröffnete nach dem Umbau mit neuen Pächtern vor zweieinhalb Jahren rundum erneuert.

Zuspruch für Dat Brinkhuus

„Dieses Projekt war nicht nur für Kranenburg, sondern für die ganze Samtgemeinde ein echter Gewinn“, sagt Johannes Wulff. Das merken er und seine Frau Daniela am Zuspruch weit über Kranenburgs Grenzen hinaus. Die beiden haben den Betrieb mit der Neueröffnung übernommen. Der Laden läuft.

Dat Brinkhuus in Kranenburg.

Dat Brinkhuus in Kranenburg. Foto: Klempow

„Wer unangemeldet kommt, bekommt schon fast keinen Platz mehr“, sagt Wulff. „Die Leute wollen essen gehen.“ Das Brinkhuus sollte Dorf-Treffpunkt bleiben - das hat geklappt. Stammtische, Vereine und Kegelclubs treffen sich hier. Die Kegelbahn ist wieder gefragt - auch, weil andernorts Bahnen abgebaut wurden.

Betriebsfeiern bis in den Januar

Und jetzt im Winter? Ab Mitte November starten die Weihnachtsfeiern. Das gehe bis in den Januar. Viele Firmen aus Stade haben dafür Dat Brinkhuus im entlegenen Kranenburg gebucht. Der Einzugsbereich des Gasthauses wächst. Eine echte Winterflaute sieht Wulff nicht. Grund dafür ist auch das zweite feste Standbein des Betriebs, das Catering.

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„Wir haben natürlich Personalprobleme, Servicekräfte sind nicht leicht zu bekommen“, sagt er. Aber das gehe doch allen Branchen so. Die Nachfrage wandelt sich, Hochzeitsgesellschaften werden kleiner. Das kommt wiederum dem Brinkhuus und der Größe des Saals für Gesellschaften mit rund 100 Feiernden entgegen.

Rauschende Vereinsfeier

Noch größer ist der Saal des Großenwördener Hofs. Felix Fitze hat den Landgasthof im Herbst 2024 übernommen. Er ist ebenfalls Pächter der Gemeinde, der das schmucke Reetdachhaus gehört. Fitze ist mit seinem ersten Jahr zufrieden. Aus dem Dorf gibt es Zuspruch.

Das Schützenfest war eine rauschende Feier. Das Büfett zu Weihnachten war sofort ausgebucht - ganz ohne Werbung. „Der Saal war voll mit 160 Leuten. Ich überlege, das in diesem Jahr an beiden Feiertagen anzubieten“, sagt Fitze. Eine tolle Party gab es auch zu Silvester, aber es hätten noch mehr Gäste sein können, die zum All-inclusive-Preis feierten, sagt der Gastronom.

Küchenmeister Felix Fitze ist nach einem Jahr im Großenwördener Hof zufrieden.

Küchenmeister Felix Fitze ist nach einem Jahr im Großenwördener Hof zufrieden. Foto: Klempow

Der Festsaal bietet sich auch für Familienfeiern an. Die hohe, gewölbte Decke mit der guten Akustik ist ein Segen - im Winter aber auch ein Fluch. Viele Stunden vorher muss Fitze dann schon einheizen - ein mittlerer vierstelliger Nachzahlungsbetrag für die Heizkosten ist die Folge.

Bedarf für einen Clubraum

„Hier lebst du von den Vereinen“, ist Fitzes Erfahrung. Deshalb hätte er neben dem großen Saal, dem Gastraum und der kleinen Kneipe auch gerne einen Clubraum, in dem ungestört getagt werden könnte. Aber das ist noch ein Wunsch. Der Koch arbeitet erst mal weiter daran, den Ruf des Gasthofs aufzupolieren. Verlässlich ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Für die Veranstaltungen gibt es einen Online-Ticketshop. „Es war ein gutes Jahr“, resümiert Felix Fitze.

Die Oste fließt nur einen Steinwurf entfernt hinter dem Deich. So viele Radfahrer und Ausflügler wie in Gräpel gibt es hier nicht. Auch keine Fähre, aber einen großen Anleger: „Im Sommer kommen schon Stammgäste mit dem Boot.“

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