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SPD-Antrag

TGegen Lehrkräftemangel im Kreis Stade: Duales Studium mit Vergütung

Lehrkräfte sind knapp und begehrt, besonders im Landkreis Stade.

Lehrkräfte sind knapp und begehrt, besonders im Landkreis Stade. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bei der Unterrichtsversorgung ist der Kreis Stade Schlusslicht in Niedersachsen. Ein Elternvertreter mit SPD-Parteibuch will das ändern.

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Von Anping Richter
Montag, 15.06.2026, 18:36 Uhr

Stade. „Das wäre doch etwas für uns in Stade“, dachte sich Christian Häckl, als er bei einem Familienbesuch in Thüringen in der Lokalzeitung auf einen Artikel über das dortige Lehramtsstudium stieß: dual, vergütet und mit hohem Praxisanteil. Als Elternvertreter an der IGS Stade beschäftigt das Thema Lehrkräftemangel ihn schon lange.

Lehramtsstudium mit Vergütung

Unter dem Motto „Drei Tage Hörsaal, zwei Tage Klassenzimmer“ verspricht das Thüringer Modell Abhilfe: An der Universität Erfurt wird das Duale Studium für das Regelschul-Lehramt seit 2024 angeboten. „Das hat sich inzwischen als Bewerbungsmagnet erwiesen. Die Zahl der Studienplätze wurde deshalb 2025 aufgestockt“, berichtet Häckl.

Das Thüringer Modell verknüpft von Beginn an Theorie und Schulpraxis. Studierende erhalten eine monatliche Vergütung und verpflichten sich im Gegenzug, nach dem Studium für fünf Jahre im thüringischen Schuldienst zu arbeiten. Im ersten Teil des Studiums bis zum Bachelor erhalten sie 1550 Euro monatlich, im Masterstudium dann 1800 Euro.

Fünf Jahre Ortsbindung nach dem Studium

Häckl ist in der Stader SPD aktiv. Seine Idee, im Landkreis Stade einen Feldversuch nach Thüringer Vorbild zu starten, fand dort auf Anhieb großen Beifall. Ihn wundert das nicht: „Der Handlungsdruck ist bei uns so groß wie nirgends sonst in Niedersachsen.“

Das Thüringer Modell, so Häckl, adressiere zwei Probleme: Es mache den Lehrerberuf finanziell attraktiver für Studierende ohne elterliche Unterstützung und schaffe gleichzeitig eine strukturelle Bindung an die jeweilige Region. Perfekt für den Landkreis Stade, der unter der Magnetwirkung der nahen Metropole Hamburg besonders leidet.

Die dramatische Unterversorgung in Zahlen

Wie dramatisch die Lage an der Lehrkräftefront ist, belegt der Stader Elternvertreter mit Zahlen: Mit dem Nachbarlandkreis Cuxhaven ist der Landkreis Stade im Schuljahr 2025/2026 mit einer Unterrichtsversorgung von 91,1 Prozent weiterhin der am schlechtesten versorgte in Niedersachsen gewesen - und das, obwohl die landesweite Versorgung mit 97,2 Prozent einen neuen Höchststand erreichte.

An einigen Schulen im Kreis Stade sei die Unterversorgung besonders eklatant. Häckl nennt als Beispiele die Oberschule Stade mit 73,7 Prozent, die Hauptschule Süd in Buxtehude mit 72,3 Prozent und die Oberschule Horneburg mit 75,7 Prozent. Selbst die am besten versorgte Oberschule im Kreis, die in Ahlerstedt, liege mit 93,1 Prozent noch immer unter dem Landesschnitt.

Aufgrund des seit Jahren andauernden Lehrkräftemangels haben die Landkreise Stade und Cuxhaven und das Kultusministerium, wie berichtet, im Februar 2025 ein Modellprojekt gestartet: 15 besonders betroffene Schulen erhalten jährliche Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro, um nicht lehrendes Unterstützungspersonal einzustellen.

Ursache: Zu wenig Lehramtsstudierende

„Das ist ein erster Schritt, bekämpft aber nicht die Ursache: die zu geringe Zahl von Lehramtsstudierenden, die bereit sind, in der Region dauerhaft zu unterrichten“, sagt Häckl. Am Stader Studienseminar sei die Zahl der examinierten Referendare in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Offene Planstellen können nicht nachbesetzt werden.

Nun will die Stader SPD beim Bezirksparteitag Nord-Niedersachsen am 6. Juni dafür sorgen, dass sich der Bezirk bei Landesregierung und Kultusministerium dafür einsetzt, einen Feldversuch mit dem Thüringer Modell im Landkreis Stade zu starten - als Modellregion in Niedersachsen.

„Aufgrund des begrenzten Einsatzbereichs wäre das nicht so schwer finanzierbar“, sagt Christian Häckl, der übrigens mit dem Stader SPD-Bürgermeisterkandidaten Kai Koeser verheiratet ist. Die nötigen Mittel könnten im Haushalt 2027 eingeplant werden. So wäre ein Studienstart schon zum Wintersemester 2027/2028 möglich.

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