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E-Mobilität

TGeraten E-Autos leichter in Brand? Fachmann aus Buxtehude antwortet

Der angehende Kfz-Mechatroniker Jakob Lieping misst im neuen Kompetenzzentrum für E-Mobilität an den Berufsbildenden Schulen Buxtehude die Spannung einer E-Auto-Batterie.

Der angehende Kfz-Mechatroniker Jakob Lieping misst im neuen Kompetenzzentrum für E-Mobilität an den Berufsbildenden Schulen Buxtehude die Spannung einer E-Auto-Batterie. Foto: Sulzyc

In Buxtehude hat das neue Kompetenzzentrum für E-Mobilität den Betrieb aufgenommen. Das sagt sein Leiter zu populären Vorurteilen gegenüber der Sicherheit von E-Autos.

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Von Thomas Sulzyc
Mittwoch, 13.05.2026, 08:05 Uhr

Buxtehude. Einen Baustein in der Mobilitätswende hat der Landkreis Stade gesetzt: An den Berufsbildenden Schulen Buxtehude hat der Schulträger ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität errichtet. Kfz-Mechatroniker in der Ausbildung lernen dort die Reparatur von Elektroautos - und den sicheren Umgang mit Hochvolttechnik.

Die 180 Quadratmeter große Ausbildungsstätte verbindet eine Werkstatt mit einem besonderen Klassenzimmer. Die Schreibtische darin kosten jeweils 2500 bis 3000 Euro, weil sie mit unterschiedlicher spezieller Technik ausgerüstet sind. Zum Beispiel mit einem Kfz-Hochvolt-Sicherheitstrainer. Die Gesamtkosten des Neubaus: 770.000 Euro.

Johann Tuchscherer leitet das neue Kompetenzzentrum für E-Mobilität an den Berufsbildenden Schulen Buxtehude. Auf dem Bild steht er in der Werkstatt der Ausbildungsstätte für Kfz-Mechatroniker.

Johann Tuchscherer leitet das neue Kompetenzzentrum für E-Mobilität an den Berufsbildenden Schulen Buxtehude. Auf dem Bild steht er in der Werkstatt der Ausbildungsstätte für Kfz-Mechatroniker. Foto: Sulzyc

Früher war Johann Tuchscherer selbst Schüler an den BBS Buxtehude. Heute leitet der Lehrer für Physik und Metalltechnik das Kompetenzzentrum für Elektromobilität und bildet die künftige Generation Kfz-Mechatroniker aus.

Im Gespräch am Ende der Feierstunde zur Einweihung des Kompetenzzentrums für Elektromobilität konfrontierte das TAGEBLATT den Fachmann mit Vorurteilen zur Sicherheit bei Elektroautos.

Ist die Brandgefahr bei E-Autos größer als bei Autos mit Verbrennermotoren?

Nein, antwortet Johann Tuchscherer. „Es brennen deutlich mehr Verbrenner als Elektrofahrzeuge.“ Die Gründe: E-Autos enthalten keine Flüssigkeiten, die leicht brennbar sind. Zum Beispiel keine Kraftstoffe. Außerdem seien keine extrem heißen Komponenten verbaut wie Turbolader oder Abgasanlagen.
Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts ISI, über die Auto-Bild berichtete, komme es jedes Jahr in Deutschland zu mehr als 10.000 Fahrzeugbränden - die meisten davon seien Benziner.

In naher Zukunft würden Autohersteller Feststoffakkus verbauen, die noch sicherer im Umgang seien, sagt Johann Tuchscherer. Sie gelten als schwierig zu entzünden. Laut Fraunhofer-Institut werden Feststoffzellen voraussichtlich ab 2030 in den ersten Serien-Elektroautos verbaut werden.

Kann ein Feuer am E-Auto überhaupt gelöscht werden?

Sollte eine Hochvoltbatterie in einem Elektrofahrzeug doch in Brand geraten, sei es schwierig, sie zu löschen, sagt Tuchscherer. Die Löscharbeiten seien deutlich aufwendiger als bei Autos mit Benzin- oder Dieselmotor.

Laut ADAC wird bei einem Feuer die Energie vor allem im Inneren des Akkus freigesetzt, wo der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle überspringt. Um diesen zu löschen, hilft nur kühlen.

Nach einem Unfall im April im Landkreis Cuxhaven kühlte die Feuerwehr den Akku des E-Autos mit einem Löschschaumteppich herunter.

Nach einem Unfall im April im Landkreis Cuxhaven kühlte die Feuerwehr den Akku des E-Autos mit einem Löschschaumteppich herunter. Foto: Gemeindepressesprecher, S. Eriks

Der Grund, warum brennende E-Autos viel Beachtung in der Öffentlichkeit erhalten, liegt in der Schwierigkeit der Brandbekämpfung: Bei einem Verkehrsunfall im April im Landkreis Cuxhaven prallte ein elektrisch betriebenes Auto der Marke MG gegen einen Baum. Weil sich durch den Akku des Elektrofahrzeugs immer wieder Rauch entwickelte, legten Feuerwehrleute einen Löschschaumteppich über den Akku, um ihn zu kühlen und einen Fahrzeugbrand zu verhindern.

Wenn elektrisch betriebene Fahrzeuge an Bedeutung gewinnen: Finden Besitzer von Autos mit Verbrennermotoren in Zukunft noch eine geeignete Werkstatt? Auch darüber sprach das TAGEBLATT mit Johann Tuchscherer.

Können die auf E-Autos spezialisierten Mechatroniker noch Verbrenner reparieren?

Ja, sagt Johann Tuchscherer. Kfz-Mechatroniker werden auch in Zukunft Verbrenner und Stromer analysieren und reparieren können. Das lernen sie in der dreieinhalbjährigen Ausbildung. Normalerweise beginne die Spezialisierung auf die System-Hochvolttechnik erst im dritten Lehrjahr. An den BBS Buxtehude machen die Auszubildenden bereits ab dem 1. Lehrjahr zusätzlich Erfahrung damit.

Jaimee Schultz und Celin Böttcher, beide Auszubildende zum KfZ-Mechatroniker im zweiten Lehrjahr, lernen am Kfz-Hochvolt-Sicherheitstrainer den sicheren Umgang mit Hochvoltsystemen im E-Auto.

Jaimee Schultz und Celin Böttcher, beide Auszubildende zum KfZ-Mechatroniker im zweiten Lehrjahr, lernen am Kfz-Hochvolt-Sicherheitstrainer den sicheren Umgang mit Hochvoltsystemen im E-Auto. Foto: Sulzyc

Ein Problem könnte aber werden: „Von zehn Kfz-Mechatronikern, die wir ausbilden, werden später nur drei in Werkstätten tätig“, sagt Tuchscherer. Manche wechseln die Branche, arbeiten zum Beispiel im Flugzeugbau bei Airbus. Oder sie wechseln innerhalb der Branche in den Verkauf.

Erhalten Fahrer von Verbrennern zunehmend Probleme, Ersatzteile zu bekommen?

Nein, das werde nicht so schnell passieren, antwortet Johann Tuchscherer. „Denn mit Ersatzteilen kann man Geld verdienen.“ Für die in großen Stückzahlen produzierten Modelle würden Ersatzteile erhältlich bleiben. Für Nischenfahrzeuge, also in Kleinserien produzierte Modelle, könnte es vielleicht schwieriger werden.

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