TGute Aussichten: Implantcast investiert Millionen in Buxtehude
Geschäftsführer Jens Saß (links) und Gesellschafter Nicolas Mohr winken aus dem Neubau des Medizintechnik-Unternehmens Implantcast. Foto: Sulzyc
Das Medizintechnik-Unternehmen in Buxtehude nimmt seinen Neubau in Betrieb. Und es beweist, dass Automatisierung nicht automatisch Jobabbau bedeuten muss.
Buxtehude. Automatisierung verändert die Arbeitswelt rasant. Oft geht Jobabbau damit einher. Die Lufthansa will laut Medienberichten bis 2030 fast 4000 Stellen streichen. Das Luftfahrtunternehmen wolle mehr auf künstliche Intelligenz setzen. Prozesse zu automatisieren, plane auch Amazon. Der Logistikkonzern habe Anfang des Jahres die Zahl der zu streichenden Stellen auf 30.000 erhöht.
Dass mit Automatisierung nicht automatisch Arbeitsplatzabbau verbunden sein muss, zeigt ein Medizintechnik-Unternehmen in Buxtehude. Die Implantcast GmbH automatisiert - und stellt trotzdem zusätzliches Personal ein. 925 Mitarbeiter beschäftigt Implantcast nach eigenen Angaben. Das sind 65 mehr als im Oktober 2024.
Viele Arbeitsschritte laufen automatisiert ab
Implantcast produziert und vertreibt Primär-, Revisions- und Tumor-Endoprothesen. Einerseits fallen bei Implantaten manuelle Arbeiten an. Schleifer und Polierer sind in der Produktion tätig. Andererseits produzieren Maschinen in der 3-D-Druckerei selbstständig Implantatbestandteile. In einem anderen Gebäude fräsen Roboter rechnergesteuert Prothesenteile. Das intelligente Hochregallager steuert sich selbst.

Markus Glauche (links) und Isabel Flesch Laforce (rechts) führen Kollegen einer britischen Tochterfirma von Implantcast durch den 3D-Druck. Foto: Richter
„Wir haben uns von manueller zu automatisierter Tätigkeit entwickelt“, sagt Geschäftsführer Jens Saß im Gespräch mit dem TAGEBLATT. Ausdruck dessen sind Menschen: 22 Ingenieure beschäftige das Unternehmen mittlerweile in der Prozessoptimierung.
Zusätzliche Ausbildungsberufe sind in dem Unternehmen hinzugekommen. Neu ist eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Mittlerweile erhalten drei Studierende in den dualen Studiengängen Informationstechnologie sowie Betriebswirtschaftslehre ihre Praxisausbildung bei Implantcast.
Darum bildet Implantcast selbst aus
Insgesamt 28 Auszubildende beschäftigt das Buxtehuder Medizintechnik-Unternehmen. „Wir haben bemerkt, dass sich junge Leute besonders gut in den Betrieb integrieren lassen, wenn wir sie selbst ausbilden“, sagt Jens Saß.
Endoprothesen sind ein gigantischer Wachstumsmarkt. Angetrieben von einer alternden Bevölkerung, steigender Nachfrage nach orthopädischen Eingriffen und technologischem Fortschritt. Besonders Knie- und Hüftimplantate dominieren den Markt. Der Marktforschungsbericht Future Market Report erwartet weltweit bis 2032 eine jährliche Wachstumsrate von 6,85 Prozent.
„Vier Konzerne aus den USA dominieren den globalen Markt“, sagt Jens Saß. Aber auch das Buxtehuder Medizintechnik-Unternehmen wächst kräftig.124 Millionen Euro Umsatz hat es 2025 nach eigenen Angaben erwirtschaftet. Knapp 105 Millionen Euro Umsatz waren es 2023.
Neubau mit Photovoltaik-Fassade
Sichtbarer Ausdruck ist ein 15 Meter hoher Neubau. 3,6 Millionen Euro hat das Gebäude gekostet. In zwölf Monaten Bauzeit ist es entstanden. Im kleinen Kreis mit einem Dutzend Gästen feierte Implantcast am vergangenen Montag die Einweihung. In Betrieb genommen hat das Unternehmen das neue Gebäude bereits im Dezember.

Geschäftsführer Jens Saß (links) und Gesellschafter Nicolas Mohr stehen vor dem Neubau des Medizintechnik-Unternehmens Implantcast. Foto: Sulzyc
53 Büroarbeitsplätze bietet der Neubau. Das Projektmanagement, die Produktionsplanung und die Personalabteilung sind eingezogen.
Energetic lautet der Gebäudename. Der Grund sind drei Fassaden, die mit Photovoltaikmodulen zur Stromgewinnung aus Sonnenlicht gestaltet sind. Jens Saß geht davon aus, dass es sich um das erste Gebäude mit Solarfassade in Buxtehude handelt. Zusätzliche Module sind auf dem Dach installiert.
Implantcast will weiter bauen
Voraussichtlich 91.000 Kilowattstunden Strom jährlich wird das Gebäude erzeugen. Das ist etwa so viel, wie 26 Einfamilienhäuser im Jahr verbrauchen.
Grundsteinlegung
T Neues Gebäude: Buxtehuder Unternehmen Implantcast wächst weiter kräftig
Ein zusätzliches Gebäude sei bereits in Planung. „Wir wollen technologisch einen Schritt draufsetzen“, antwortet Jens Saß auf die Frage nach der Nutzung. Diese hänge von weltweiten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ab. Handelskriege und militärische Kriege lassen aber kaum verlässliche Prognosen zu.
Iran-Krieg wirkt sich auf Implantcast aus
Den größten Zukunftsmarkt sieht Implantcast in den USA. Doch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump wirkt sich auf das Geschäft aus. „Wir haben mit Handelshemmnissen zu tun“, sagt Jens Saß. Auch der Iran-Krieg ist so eines: Das Buxtehuder Unternehmen verkauft in Saudi-Arabien und im Iran, insgesamt in 89 Ländern.

Mit diesem unbebauten Grundstück am Alten Postweg besitzt das Unternehmen Implantcast eine Erweiterungsfläche. Im Sommer ist es Festivalfläche für den Containerrave. Foto: Sulzyc
Mit einem zusätzlichen Neubau eile es nicht. Implantcast-Geschäftsführer Jens Saß: „Die jetzigen Gebäude reichen bei der vorgesehenen Produktionsentwicklung für drei Jahre.“ Eine Erweiterungsfläche am Alten Postweg hat sich Implantcast bereits gesichert.
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