THaarsträubende Krippenspiele und erotische Geschenke beim Schloss Agathenburg
So wie Dinner for One zu Silvester ist für viele „Weihnachten nach Hause“ eine Tradtion zur Weihnachtszeit. Foto: Kordt/Schloss Agathenburg
Die Veranstaltung „Weihnachten nach Hause“ ist so begehrt, dass es einen zweiten Termin gab. Was ist so besonders an dem Programm, das immer ausverkauft ist?
Buxtehude. Peter Schleßelmann ist so etwas wie ein Hardcore-Fan. Mindestens fünf Mal hat er das Stück „Weihnachten nach Hause“ schon gesehen, vor zehn Jahren das erste Mal, in Neu Wulmstorf. Am Mittwoch ist der 59-Jährige deswegen extra aus Rosengarten zum Schloss Agathenburg gekommen.
„Damit ist Weihnachten für mich erst rund“, sagt Schleßelmann und lobt die unnachahmliche Art von Ruth Meyer, wie sie die Geschichten vorträgt, das sei einfach genial. „Ich habe mir einige besorgt und lese diese dann beim lebendigen Adventskalender, zu denen die Nachbarn kommen, vor.“
Ruth Meyer erzählt Anekdoten rund um Weihnachten und wird begleitet von Rainer Piwek (Gesang/Bass), Lothar Müller (Gitarre) und Johannes Wennrich (Gitarre). Foto: Felsch
Aber worum geht‘s hier eigentlich? Es geht um Weihnachten. Aber im Pferdestall des Schlosses geht es alles andere als still und beschaulich zu, wenn sich die Schauspieler Rainer Piwek und Ruth Meyer mit den Hamburger Musikern Lothar Müller und Johannes Wennrich zusammentun. Weihnachtsklassiker werden völlig neu interpretiert, und dazu gibt es Geschichten, die vom weihnachtlichen Scheitern und von haarsträubenden Krippenspielen handeln.
Ein Weihnachtsmann, der Kaffee verkauft
Und so rettet ein Pastor mit sportlichen Ambitionen ein chaotisches Krippenspiel in seiner Kirche und ein Handelsvertreter behauptet steif und fest, er sei der echte Weihnachtsmann, aber nur einmal im Jahr, den Rest des Jahres verkaufe er eben Kaffee. Das sind die Geschichten, die jedes Mal bei dieser Traditionsveranstaltung zum Besten gegeben werden. Heiter und anrührend, nur nicht besinnlich. Lachen müssen alle im Saal: die, die sie schon mal gehört haben und die, die zum ersten Mal hier sind.
„Eine Bekannte wollte, dass ich nicht immer dieselben Texte erzähle und gab mir ein Buch, aus dem ich bereits einmal vorgelesen habe und es heute wiederhole“, kündigte Ruth Meyer eine neue Story an. „Die Nacktschleife“, bei der der Autor vorschlug, sich selbst in ein rotes Band zu hüllen, um zu zeigen: Ich bin das Geschenk. Das reizte die Lachnerven erheblich.
Schloss Agathenburg
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Und so war der Mittwochabend in doppelter Hinsicht geglückt: Das Publikum amüsierte sich nicht nur prächtig, sondern erhielt auch noch den einen oder anderen nützlichen Tipp für die nahenden Festtage.
Geschenke auf den letzten Drücker
Stefan Moje zum Beispiel hat die Schwiegereltern zu dem Abend eingeladen, sozusagen als Vor-Weihnachtsgeschenk, und niemand hat es bereut. Die Familie amüsierte sich köstlich über die Anekdoten, die zwar ein weihnachtliches Thema haben, aber alles andere als besinnlich sind. So wenn der Vater im Januar denkt, diesmal sorgt er rechtzeitig vor und kauft nicht erst auf den letzten Drücker die Geschenke für seine Lieben.
Dass es dann doch anders kommt und er zwei Stunden vor Geschäftsschluss den Juwelierladen stürmt, um wenigstens nicht mit leeren Händen dazustehen, können sich die Zuhörer fast denken. Jedenfalls nicken einige zustimmend, wenn es heißt, im nächsten Jahr passiert das nicht mehr.
Geschichten mit Wiedererkennungswert
„Man findet sich teilweise wieder, vieles kommt einem bekannt vor“, meinen Sabine Behrens und Anke Prahm, die zum ersten Mal das Programm „Weihnachten nach Hause“ erleben. „Ich habe es im TAGEBLATT gelesen und bin immer begeistert von Ruth Meyers Lesungen, daher wollte ich heute hier sein“, sagt Behrens und ist begeistert von der Musik. „Bisher kannte ich Rainer Piwek nur als Schauspieler aus dem Fernsehen. Aber wie er die Weihnachtslieder interpretiert, ist mal ganz was anderes, es gefällt mir sehr.“
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