TPendler-Alptraum: Warum die S-Bahn zwölf Tage im Ausnahmezustand war
Schnee und planbare S-Bahn-Verbindung: Das passt 2026 nicht zusammen. Foto: Wisser
Wie miserabel der S-Bahnverkehr während des Wintereinbruchs im Januar war, zeigt die Antwort des Hamburger Senats auf eine Anfrage der Linken. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Landkreis. Der Hamburger Senat hat scharfe Kritik an der Infrastruktur der S-Bahn geübt. Dies geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linken in der Hamburger Bürgerschaft hervor. Die S-Bahn ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG (DB), die sich vollständig im Eigentum des Bundes befindet.
Die DB InfraGO ist für die Eisenbahninfrastruktur verantwortlich, auf der die S-Bahn verkehrt. Die Linke wollte unter dem Titel „Bedingt winterfest - der HVV und das Winterwetter“ wissen, wie der öffentliche Personennahverkehr während der Winterwochen funktioniert.
Zwölf Tage Ausnahmezustand bei der S-Bahn
Der Wintereinbruch im Januar führte bei der S-Bahn, insbesondere auf den für den Landkreis Stade relevanten Pendlerstrecken S3 und S5, zu einer fast zweiwöchigen Krise.
Dies geht ebenfalls aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken hervor, die dem TAGEBLATT vorliegt. Während U-Bahnen und Busse trotz Schnee und Eis meist fuhren, herrschte bei der S-Bahn Ausnahmezustand.
Vom 2. bis 13. Januar funktionierte der Betrieb nur an einem einzigen Tag planmäßig. Besonders betroffen waren Pendler aus dem Kreis Stade, Neu Wulmstorf und dem Hamburger Süden. An zehn von zwölf Tagen fiel die S5 zwischen Elbgaustraße und Neugraben komplett aus oder verkehrte stark eingeschränkt.
Infrastruktur wird den Anforderungen nicht gerecht
Der Senat macht den Bund für den Zustand, die Instandhaltung und die Leistungsfähigkeit der Schieneninfrastruktur verantwortlich.
„In den vergangenen Jahren haben sowohl der Bund als auch die DB die bestehende Infrastruktur nicht ausreichend instandgehalten und notwendige Investitionen vernachlässigt“, heißt es in der offiziellen Senatsantwort.

Besonders die S5 war in diesem Winter von Zugausfällen und Taktausdünnungen betroffen. Foto: Wisser
„Die anhaltende Zurückhaltung bei der Finanzierung hat dazu geführt, dass die Infrastruktur vielerorts erhebliche Mängel aufweist und den aktuellen Anforderungen an einen modernen und leistungsfähigen Bahnverkehr nicht mehr gerecht wird“, so die Analyse des Senats.
Deutsche Bahn fährt S-Bahnstrecken auf Verschleiß
Die Auswirkungen des Verschleißes der S-Bahnstrecken zeigen sich durch Ausfälle und Taktausdünnungen. Dazu zählen witterungsbedingte Weichenstörungen aufgrund überforderter Weichenheizungen bei hohen Schneemengen sowie baubedingte Außerbetriebnahmen von Weichenheizungen im Bereich Bergedorf - Aumühle im Zusammenhang mit der Generalsanierung der Strecke Berlin - Hamburg.
Zudem führten starker Neuschnee, Schneeverwehungen, Bäume im Gleisbereich und vereiste Stromschienen zu betrieblichen Einschränkungen. Auch witterungsbedingte Fahrzeugstörungen, wie gestörte Stromabnehmer, trugen zu den Problemen bei, so der Senat.
Starke Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der S-Bahn
„Insgesamt hat sich der Wintereinbruch im U-Bahn- und Fährverkehr geringfügig und im S-Bahn-Verkehr sehr stark auf die Zuverlässigkeit ausgewirkt“, fasst der Hamburger Senat zusammen. Für viele Pendler ist die Einschätzung des Zustands der Schieneninfrastruktur in Hamburg und Nordniedersachsen keine Überraschung.

Aus dem Landkreis Stade pendeln rund 21.000 Menschen jeden Tag nach Hamburg. Foto: Wisser
„Es vergeht kaum ein Tag, an dem Pendler nicht unter stark verspäteten oder ausgefallenen Zügen leiden. Insbesondere die S5 zwischen Stade und Hamburg kann nicht mehr als zuverlässiges Verkehrsmittel gelten“, stellte Stades Landrat Kai Seefried bereits im August 2025 fest.
So will die S-Bahn für mehr Zuverlässigkeit sorgen
Die S-Bahn Hamburg will die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ihres Betriebs verbessern. Gemeinsam mit der DB InfraGO plant sie, die Infrastruktur des S-Bahnnetzes zu stärken, um einen stabileren und pünktlicheren Betrieb zu gewährleisten.
Aktuell beeinträchtigen mehrere Faktoren die Pünktlichkeit der S-Bahn Hamburg erheblich. Eine Sprecherin erklärte, dass die Sperrung der Eisenbahnüberführung Holstenstraße, Störungen an der Infrastruktur und Baustellen die Hauptursachen sind. Diese Probleme führen zu Verspätungen, die sich schnell auf das gesamte Netz auswirken.
2025 Rekordjahr an Baustellen im S-Bahn-Netz
Besonders die Sperrung der Eisenbahnüberführung Holstenstraße stellt das System vor große Herausforderungen.
Die erhöhte Taktung der S-Bahnen im Citytunnel und die eingeschränkte Verfügbarkeit der Strecke auf der Verbindungsbahn (Dammtor) verschärfen die Situation bei Störungen im Citytunnel. Dieser ist eine unterirdische S-Bahn-Strecke, die den Hauptbahnhof mit Altona verbindet und die Innenstadt unterquert.
Um die Betriebsqualität der S-Bahn nachhaltig zu sichern, setzt die S-Bahn Hamburg Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen um. 2025 war ein Rekordjahr an Baustellen im S-Bahn-Netz.
Neben Arbeiten an Gleisen und Weichen wurden zahlreiche Eisenbahnbrücken modernisiert, um einen dauerhaft leistungsfähigen und zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten.
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